ESMA/DPR – Prüfungsschwerpunkte 2020

Am 18. November 2019 veröffentlichte die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung e.V. (DPR) ihre Prüfungsschwerpunkte 2020 für Abschlüsse aus dem Kalenderjahr 2019. Hierin sind nicht nur nationale, also durch die DPR allein festgelegte Schwerpunkte enthalten, sondern auch gemeinsame europäische Enforcement-Schwerpunkte (sog. „enforcement priorities for listed companies’ financial statements“). Letztere sind Vorgaben der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (European Securities and Markets Authority; ESMA).

Die DPR-Schwerpunkte 2020 sind:

  1. Wertminderungstest beim Geschäfts- oder Firmenwert sowie bei immateriellen Vermögenswerten mit unbestimmter Nutzungsdauer, insbesondere Marken (IAS 36):
    • Bestimmung der sachgerechten Ebene des Wertminderungstests (Segmentgrenzen IAS 36.80 (b), zahlungsmittelgenerierende Einheit (ZGE) statt einzelnen Vermögenswerts IAS 36.22; IAS 36.66)
    • Ermittlung des Nutzungswerts mit Hilfe plausibler Annahmen und unter Berücksichtigung des speziellen Risikos des Vermögenswerts bzw. der ZGE (IAS 36.30 ff.; IAS 36.A17 (a))
    • Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts abzüglich der Kosten der Veräußerung aus der Perspektive eines unabhängigen Marktteilnehmers (IFRS 13.22) und unter Beachtung der Fair-Value-Hierarchie (IFRS 13.72 ff.); ggf. Erfordernis einer Kalibrierung der Inputparameter anhand des Transaktionspreises beim erstmaligen Ansatz (IFRS 13.64)
    • Auswirkungen von IFRS 16 auf den Wertminderungstest beim Geschäfts- oder Firmenwert.
  2. Konzernlagebericht:
    • Darstellung der Auswirkungen von IFRS 16 auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage (§ 315 Abs. 1 Satz 1 HGB)
    • Darstellung und Berechnung bedeutsamster Leistungsindikatoren unter Berücksichtigung der Erstanwendung von IFRS 16, insbesondere Bereinigung von Effekten bei alternativen Leistungskennziffern, Anfertigung einer Überleitungsrechnung zur Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung (§ 315 Abs. 1 Satz 2 und 3 HGB).

Die ESMA-Schwerpunkte wurden bereits am 22. Oktober 2019 veröffentlicht und sind für den Bilanzersteller von gleicher Relevanz wie die nationalen:

  1. Spezifische Fragen im Zusammenhang mit der Anwendung von IFRS 16 "Leasingverhältnisse";
  2. Fortsetzung zu spezifischen Fragen im Zusammenhang mit der Anwendung von IFRS 9 "Finanzinstrumente" für Kreditinstitute (credit institutions) und IFRS 15 "Erlöse aus Verträgen mit Kunden" für Industrieunternehmen (corporate issuers);
  3. spezifische Fragen im Zusammenhang mit der Anwendung von IAS 12 "Ertragsteuern" (einschließlich der Anwendung von IFRIC 23 "Unsicherheit bezüglich der ertragsteuerlichen Behandlung").
  4. Weitere Hinweise:
    • Auswirkungen des Übergangs von einem einzigen Leitzinssatz (bisher IBOR) auf einen Nachfolger (sog. IBOR-Reform)
    • Veröffentlichung nichtfinanzieller Informationen (Hinweis in Deutschland: DPR hat nach herrschender Meinung kein (materielles) Prüfungsrecht in Bezug auf die nichtfinanzielle Erklärung)
    • Berichterstattung über alternative Leistungskennziffern
    • Vorbereitung auf das einheitliche elektronische Format für Jahresfinanzberichte (ESEF)
    • (Weiterhin) mögliche Auswirkungen verschiedener Brexit-Szenarien: Hierbei insbesondere die Darstellung der Involvierung und der Abhängigkeit des Geschäftsmodells von bzw. in UK

Die Liste der Prüfungsschwerpunkte von DPR und ESMA ist dabei nicht als abschließend zu verstehen. Sind bei einem Unternehmen andere Sachverhalte im Geschäftsjahr von besonderer Relevanz, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen Aufgriff dieser im Rahmen der (Stichproben-)Prüfung.