Neueröffnung der Diskussion „Goodwill: Vermögenswert oder Abschreibungspotenzial?“ – Das Discussion Paper des IASB zur Weiterentwicklung der Goodwillbilanzierung erweitert die Perspektiven

Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Unsicherheiten, hohen kumulierten Goodwillbuchwerten bei den Unternehmen (alleine rd. 320 Mrd. EUR bei den DAX 30 Unternehmen per 31.12.2019), ist die von Kritikern des Impairment Only Approach (IOA) angemahnte Gefahr zu später Goodwill-Abschreibung infolge eines ermessensbehafteten und komplexen Impairment Tests virulenter als selten zuvor. 

 

Mit dem vorgelegten Diskussionspapier hat der IASB einen, durch den sog. Due Process vorgegebenen, Diskussionsprozess eingeleitet, dessen Ausgang angesichts der aktuellen knappen Mehrheitsverhältnisse innerhalb des IASB von acht zu 14 Stimmen für den aktuell geltenden IOA mit äußerster Spannung entgegengesehen werden kann. Eine nähere Betrachtung der Inhalte des Diskussionspapiers zeigt jedoch, dass der IASB die Debatte nicht nur auf die planmäßigen oder (nur) außerplanmäßigen Abschreibungen reduziert, sondern das Diskussionspapier ist weitaus breitgefächerter angelegt. Es werden vorläufige Sichtweisen des IASB zu insgesamt vier Themenblöcken vorgestellt:

 

  • Verbesserung der Anhangangaben durch zusätzliche Informationen zur Subsequent Performance, d.h. Informationen zur Performance des erworbenen Unternehmens nach der Akquisition unter Bezugnahme auf den aus IFRS 8 bekannten Management-Approach.
  • Ersatz des jährlich verpflichtenden Impairment Test durch einen lediglich anlassbezogenen Test (Indicator-Based Approach) und die eigentliche Diskussion zur Wiedereinführung der planmäßigen Goodwill-Abschreibung.
  • Vereinfachungen des Impairment Test, u.a. durch die Erlaubnis der Berücksichtigung von Cashflows aus erwarteten Restrukturierungen und Erweiterungsinvestitionen und der Nutzung von Nach-Steuer-Diskontierungssätzen bei der Berechnung des Nutzungswerts.
  • Festlegung eines Umfangs zur Identifizierung separat vom Goodwill anzusetzender immaterieller Vermögenswerte und Darstellung des Eigenkapitals ohne Goodwill.

 

Bemerkenswert im vorgelegten Diskussionspapier ist, dass es mit Vorschlägen zu Anhangangaben über die Subsequent Performance und mit Vereinfachungen im Impairment Test Phantasie entfaltet, den Kritikern des IOA den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ob sich dies als tragende Strategie erweisen wird und dem IOA noch eine Chance gegeben wird, bleibt aber abzuwarten. Die Kommentierungsfrist des Diskussionspapiers ist aufgrund der Corona-Pandemie vom 15.9.2020 auf den 31.12.2020 verlängert worden.

 

In einem zweiteiligen Beitrag erläutert Dr. Jan Faßhauer und seine Kollegen Daniel Schubert und Harun Özcan aus unserem Technical Accounting Center of Excellence (TACE) in der Zeitschrift für Internationale Rechnungslegung (IRZ) ausführlich die Inhalte des Diskussionspapiers. Teil 1 des Beitrags „Neueröffnung der Diskussion „Goodwill: Vermögenswert oder Abschreibungspotenzial?“ – Das Diskussionspapier des IASB zur Weiterentwicklung der Goodwillbilanzierung erweitert die Perspektiven auf eine überkommene Diskussion“ finden Sie in der neuesten Ausgabe der IRZ Juli/August 2020. Teil 2 wird im September 2020 erscheinen.

 

[1] Vgl. IASB, DP/2020/1 - Business Combinations — Disclosures, Goodwill and Impairment, veröffentlicht am 19.3.2020. , https://cdn.ifrs.org/-/media/project/goodwill-and-impairment/goodwill-and-impairment-dp-march-2020.pdf