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Aktuelle BFH-Rechtsprechung zum häuslichen Arbeitszimmer

31. August 2017

Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer können als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abzugsfähig sein. Zu zwei immer noch offenen, in der Praxis aber gar nicht so seltenen Fragestellungen hat der BFH mit zwei aktuellen Urteile entschieden.

Abzugshöchstbetrag bei Nutzung mehrerer Arbeitszimmer

Im einen Fall erzielte der Steuerpflichtige als Dozent Einkünfte aus selbstständiger Arbeit. In beiden von ihm unterhaltenen Wohnsitzen hatte er auch ein Arbeitszimmer. Die Aufwendungen für die Arbeitszimmer betrugen rd. EUR 1.780 bzw. EUR 790.

Mit Urteil vom 09.05.2017 (VIII R 15/15) entschied der BFH, dass der Höchstbetrag des § 4 Abs. 5 Nr. 6b Satz 3 EStG von EUR 1.250 personen- und nicht objektbezogen anzuwenden ist. Damit sind die Aufwendungen auch bei der Nutzung von mehreren häuslichen Arbeitszimmern in verschiedenen Haushalten auf 1.250 EUR begrenzt.

Zwar ist der Betriebsausgabenabzug nicht auf den Abzug von Aufwendungen für ein (1) häusliches Arbeitszimmer, jedoch durch den gesetzlichen Höchstbetrag begrenzt, auch wenn der Steuerpflichtige mehrere häusliche Arbeitszimmer nutzt. Dies gilt auch dann, wenn in einem Veranlagungszeitraum zwei Arbeitszimmer im gleichen Haushalt oder (z. B. durch einen Umzug veranlasst) zeitlich gestaffelt zwei Arbeitszimmer in zwei verschiedenen Haushalten genutzt werden.


Hinweis:

Nutzen mehrere Steuerpflichtige ein häusliches Arbeitszimmer gemeinsam, hat es der BFH mit Urteil vom 15.12.2016 (Az. VI R 53/12) zugelassen, dass jeder Nutzende die Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer bis zum Höchstbetrag geltend machen kann. Erforderlich ist allerdings, dass jeder die Aufwendungen selbst getragen hat und die Voraussetzungen für den Betriebsausgabenabzug in seiner Person erfüllt.


Die aktuelle BFH-Entscheidung zum Höchstbetrag von EUR 1.250 für zwei Arbeitszimmer kommt jedoch nicht zum Tragen, wenn jedes der beiden Arbeitszimmer von einer anderen Person genutzt wird. Denn auch zwei Arbeitszimmer in einem Haus können steuermindernd berücksichtigt werden, wenn z. B. beide Ehegatten jeweils eines benötigt. Entsprechendes müsste auch bei zwei Wohnsitzen mit jeweils einem häuslichen Arbeitszimmer zutreffen. Um dem Finanzamt nachweisen zu können, dass jeder Partner nur ein Arbeitszimmer nutzt, ist es vorteilhaft, für beide Arbeitszimmer eine Art Tagebuch zu führen.

Abzugshöchstbetrag bei mehreren Tätigkeiten

In dem anderen Fall war der in Vollzeit nichtselbstständig Tätige nebenberuflich auch als Schriftsteller selbstständig tätig. Er machte Betriebsausgaben für das häusliche Arbeitszimmer in Höhe des Höchstbetrags von EUR 1.250 bei seinen Einkünften aus selbständiger Arbeit geltend. Während das Finanzamt die Aufwendungen insgesamt nicht berücksichtigte, nahm das Finanzgericht eine Schätzung vor und ließ die Aufwendungen hälftig zum Abzug zu. Der BFH entschied mit Urteil vom 25.4.2017 (Az. VIII R 52/13) jedoch anders und gewährte dem Steuerpflichtigen den vollen Höchstbetrag von EUR 1.250 EUR

Die für das häusliche Arbeitszimmer getragenen Aufwendungen sind zwar entsprechend den tatsächlichen Nutzungsanteilen auf die verschiedenen Einnahmequellen und Einkünfte aufzuteilen. Für eine Aufteilung auch des Höchstbetrags - unter Bildung von Teilhöchstbeträgen - auf die verschiedenen Einkunftsarten gibt es allerdings weder einen gesetzlichen Anhaltspunkt noch einen anderen Grund.

Somit ist der Höchstbetrag von EUR 1.250 zwar nicht mehrfach zu gewähren, wenn ein Arbeitszimmer im Rahmen mehrerer Einkunftsarten genutzt wird, für die jeweils kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Er ist aber auch nicht aufzuteilen und den jeweiligen Nutzungen im Rahmen der verwirklichten Einkunftsarten in Teilhöchstbeträgen zuzuordnen. Die dem Grunde nach abzugsfähigen und auf verschiedene Einkunftsarten entfallenden Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer können vielmehr insgesamt bis zum Höchstbetrag von EUR 1.250 abgezogen werden.


Hinweis:

Die allgemein erforderliche Voraussetzung, dass kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, muss dafür nur hinsichtlich einer Tätigkeit und nicht bezüglich beider Tätigkeiten erfüllt sein.