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Blickpunkt: Auswirkungen des Endes des LIBOR*

04. Juli 2019

Das Ende der London Interbank Offered Rate

Ab 2022 wird die London Interbank Offered Rate (LIBOR) als Referenzzinssatz für eine risikolose Rendite eingestellt. Im Rahmen der Finanzkrise wurde die Schwäche des LIBOR aufgedeckt. Stattdessen kommt künftig der Rückgriff auf Overnight Interest Averages (ONIA), die sich auf Basis tatsächlicher Umsätze als Durchschnittszinssatz für Übernachtgeld im Interbankengeschäft ergeben, in Betracht.

Konsequenzen für die bilanzielle Abbildung

Aus der Einstellung des IBOR ergeben sich Folgen für die bilanzielle Abbildung von Finanzinstrumenten. Eine Anpassung an geänderte Konditionen kann, in Abhängigkeit von der vertraglichen Ausgestaltung, erforderlich sein.

Ansätze zur bilanziellen Abbildung:

  1. Aktualisierung des Effektivzinssatzes (IFRS 9.B5.4.5)
  2. Behandlung als Modifikation ohne Ausbuchung (IFRS 9.5.4.3)
  3. Behandlung als Modifikation mit Ausbuchung (IFRS 9.3.3.1/2)

Wird lediglich der Referenzzinssatz angepasst, ist der Effektivzinssatz zu aktualisieren. Eine Abweichung in der Benchmarkrate ist prospektiv zu erfassen. Werden die bestehenden Vereinbarungen substantiell angepasst, liegt eine wesentliche Änderung vor und das bestehende Instrument ist auszubuchen und ein neues ist zu erfassen.

Besondere Relevanz für das hedge accounting

In Bezug auf die formale Dokumentation des Sicherungszusammenhangs hat die Änderung des Referenzzinssatzes derzeit keine Auswirkungen. Für Sicherungszusammenhänge, die bereits bestehen und über den Zeitpunkt des Austausches fortgeführt werden, müssen die abgesicherten Zahlungen und/oder Risiken neu definiert werden, wenn es einen expliziten Verweis auf die IBOR-Rendite gibt. Soweit sich eine Änderung der Dokumentation des hedged item oder des abgesicherten Risikos ergibt, ziehen diese eine Beendigung des hedge accounting nach sich. Für zukünftige hedge-Beziehungen kann bereits (abstrakt) auf die Änderung hingewiesen werden, um das Risiko einer Beendigung auszuschließen.

Damit ein Sicherungszusammenhang für künftig erwartete Transaktionen anerkannt werden kann, ist der Nachweis der hohen Wahrscheinlichkeit des tatsächlichen Eintritts erforderlich. Eine Designation als separat abgesicherte Risikokomponente kann solange weiterhin anhand des IBOR erfolgen, wie dieser eine anerkannte Referenz für die Preisstellung am (relevanten) Markt bleibt. Erst mit Wechsel auf eine neue Benchmarkrate entfällt die Möglichkeit zur Designation einer separaten Risikokomponente. Da der IBOR derzeit noch als (Risiko-)Komponente zukünftiger variabler Zinssätze angesehen werden kann, existiert auch das designierte Grundgeschäft weiter. Dementsprechend ist die Bilanzierung von Sicherungsgeschäften fortzuführen und die Erfassung von Wertänderungen derzeit nicht erforderlich.

Grundsätzlich ist ein Nachweis der Effektivität der Sicherungsbeziehung erforderlich. Haben Beziehungen über das Ende des LIBOR Bestand, so ist eine Schätzung der Zahlungsströme für den Effektivitätsnachweis notwendig. Derzeit ist eine Schätzung der Zahlungsströme basierend auf den Erwartungswerten des LIBOR zu ermitteln, da diese auch für einen Zeitraum nach der Einstellung vorliegen.

Ergebnis

Aktuell ergeben sich aus dem Wegfall des IBOR noch keine Auswirkungen auf die Bilanzierung. Insbesondere aufgrund des Mangels eines neuen Referenzzinssatzes, ist weiterhin eine Bewertung anhand des IBOR erforderlich. Der IASB hat die Auswirkungen der Abschaffung der IBOR-Renditen in das Arbeitsprogramm aufgenommen. Dabei sollten schwerpunkthaft die Konsequenzen für das hedge accounting behandelt werden.

 

 

 

*Literatur: Dr. Jens Freiberg, PiR 09/2018, S. 272