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Zwar keine „Erforderlichkeit“ beim Arbeitszimmer, aber ...

08. August 2019

Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer können steuerlich nur abgezogen werden, wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht (§ 4 Abs. 5 EStG). Die Höhe der abziehbaren Aufwendungen ist auf EUR 1.250 begrenzt, sofern das Arbeitszimmer nicht den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet. Nicht klar war bislang, ob ein Arbeitszimmer auch nach Art und Umfang für die Tätigkeit erforderlich sein muss.

Im nun vom BFH mit Urteil vom 03.04.2019 entschiedenen Fall (Az. VI R 46/17) machte eine Flugbegleiterin für das Jahr 2013 Aufwendungen von EUR 1.250 für ein 13,5 qm großes Arbeitszimmer als Werbungskosten geltend. Für die dort verrichteten Tätigkeiten stand ihr kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung. Finanzamt und Finanzgericht hatten den Ausgabenabzug für das Arbeitszimmer abgelehnt, da für die fraglichen Tätigkeiten kein Arbeitszimmer erforderlich sei.

Dem trat der BFH entgegen. Der Begriff des häuslichen Arbeitszimmers setzt für Zwecke der Abzugsfähigkeit entsprechende Aufwendungen voraus und dass der jeweilige Raum ausschließlich oder nahezu ausschließlich für berufliche bzw. betriebliche Zwecke genutzt wird. Für die Abzugsfähigkeit von Aufwendungen genügt die Veranlassung durch die Einkünfteerzielung. Dass das häusliche Arbeitszimmer für die Tätigkeit erforderlich sein muss, sieht das Gesetz hingegen nicht vor, denn es verwendet den Begriff der Erforderlichkeit oder Notwendigkeit nicht. Vielmehr liegt mit den beiden Fallgruppen (kein anderer Arbeitsplatz, Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung) typisierend die gesetzgeberische Überlegung zugrunde, dass die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer in diesen Fällen erforderlich sind. Es spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle, ob Arbeiten z. B. am Küchentisch, im Esszimmer oder in einem anderen Raum hätten erledigt werden können.


Hinweis:

Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer können aber dennoch nicht unbedenklich steuerlich abgezogen werden. Wie auch der BFH ausdrücklich feststellt und dem FG für den zweiten Rechtsgang aufgibt, ist zu prüfen, ob das Arbeitszimmer (nahezu) ausschließlich zur Einkünfteerzielung verwendet wird oder daneben eine schädliche private (Mit-)Nutzung vorliegt.

Offen ist zwar immer noch, wo die Grenze zwischen einer zulässigen „unwesentlichen“ bzw. „untergeordneten“ und einer schädlichen erheblichen privaten (Mit-)Nutzung liegt. Nach dem Urteil des FG Rheinland-Pfalz vom 25.01.2018 (Az. 6 K 2234/17) gibt es jedoch keine allgemeingültige, sondern nur eine am Umfang der betrieblichen/beruflichen Nutzung orientierte Wesentlichkeitsgrenze. Deshalb ist gerade bei einer nur geringfügigen betrieblichen Nutzung des Arbeitszimmers schon eine vereinzelte Privatnutzung schädlich. In dem Fall genügte es schon, dass ein leerer Spiegelschrank im Arbeitszimmer aufbewahrt wurde. Damit wurde dieses zumindest zum Abstellen eines nicht betrieblichen Gegenstandes verwendet und so nicht unerheblich privat mitbenutzt. Auch das Aufbewahren von Einkommensteuer-Unterlagen im Arbeitszimmer bzw. privater Korrespondenz oder Fotos auf dem PC können bereits schädlich sein. Nach den Formulierungen im aktuellen Urteil dürfte der BFH diese enge Auffassung wohl mittragen.