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Aktuelles:

Erneuerung Einbauküche: Aufwendungen nicht mehr sofort abziehbar

11. Dezember 2016

Aufwendungen für die komplette Erneuerung einer Einbauküche (Einbaumöbel, Spüle und Elektrogeräte) in einer vermieteten Immobilie waren bislang als sog. Erhaltungsaufwand sofort als Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung abziehbar.

Der BFH hat diese Rechtsauffassung nunmehr mit Urteil vom 03.08.2016 (Az. IX R 14/15) geändert und entschieden, dass solche Aufwendungen vielmehr über einen Zeitraum von zehn Jahren im Wege der Absetzungen für Abnutzung abzuschreiben sind.

Ein Eigentümer und Vermieter hatte Einbauküchen in mehreren ihm gehörenden Mietobjekten entfernt und durch neue ersetzt. Die hierfür entstandenen Aufwendungen wollte er als sog. "Erhaltungsaufwand" sofort abziehen. Das Finanzamt ließ lediglich die Kosten für den Einbau von Herd und Spüle sowie für solche Elek-trogeräte, deren Gesamtkosten die Betragsgrenze für geringwertige Wirtschaftsgüter (€ 410) nicht überstiegen, zum sofortigen Abzug zu. Die Aufwendungen für die weiteren Einbaumöbel verteilte es auf die voraussichtliche Nutzungsdauer von zehn Jahren.

Der BFH nahm das Verfahren zum Anlass, die bisherige Rechtsprechung hinsichtlich der steuerlichen Behandlung von Einbauküchen und deren einzelner Bestandteile zu überdenken und eine abweichende Auffassung zu vertreten.

Die Neubeurteilung beruht maßgeblich auf einem geänderten Verständnis des Begriffs der wesentlichen Bestandteile bei Wohngebäuden. Hierzu gehören allgemein die Gegenstände, ohne die das Wohngebäude "unfertig" ist. Bislang wurde die in einer Einbauküche verbaute Spüle sowie auch überwiegend der Küchenherd als wesentliche Gebäudebestandteile angesehen. Aufwendungen für ihre Erneuerung waren Erhaltungsaufwand.

Demgegenüber geht der BFH nunmehr davon aus, dass Spüle und Kochherd wegen einer im Zeitverlauf geänderten Ausstattungspraxis keine unselbständigen Gebäudebestandteile mehr sind. Die modernen Gestaltungsmöglichkeiten einer Küche beruhen im Wesentlichen auf nicht mehr zwingend untereinander verbundenen technischen Einheiten, so dass diese Geräte zivilrechtlich lediglich sog. Scheinbestandteile des Gebäudes darstellen.

Ebenfalls abweichend von seiner bisherigen Auffassung geht der BFH nunmehr davon aus, dass alle Elemente einer Einbauküche ein eigenständiges und zudem einheitliches Wirtschaftsgut bilden. Denn sie treten in modernen Küchen optisch als einheitliches Ganzes in Erscheinung und sind aufgrund ihrer modularen Bauweise einer Küche auch nicht mehr für sich allein nutzbar.

Die Anschaffungs- und Herstellungskosten von Einbauküchen sind daher nur im Wege der AfA steuerlich zu berücksichtigen. Die in den amtlichen AfA-Tabellen ausgewiesene Nutzungsdauer von zehn Jahren hält der BFH für angemessen.

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Hinweis:

Der BFH hätte dem Wohnungseigentümer für das Streitjahr insgesamt nur zeitanteilig 10 % seiner Aufwendungen zugestanden. Da jener aber mit der Berechnung des Finanzamtes – Herd und Spüle sowie die GWG vollständig – besser gestellt war, konnte die festgesetzte Steuer wegen des Verböserungsverbotes nicht zu seinem Nachteil geändert werden.