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Artikel:

Blickpunkt: Zusammenfassung bedeutsamer Agenda Rejections des IFRS IC im Jahr 2015

12. Februar 2016

Einleitung


Nachfolgend werden die bedeutsamsten Agenda Rejections (sog. Non-IFRICs) des IFRS Interpretations Committee (IFRS IC) aus dem Kalenderjahr 2015 dargestellt. Hierbei handelt es sich um Anfragen an das IFRS IC mit der Bitte um Klarstellung, welche das IFRS IC jedoch mit Verweis auf die bereits bestehenden Regelungen innerhalb der IFRS nicht in sein Arbeitsprogramm aufnimmt (keine bestehende Regelungslücke; kein Klärungsbedarf). Den Non-IFRICs kommt eine faktische Bindungswirkung zu, die mit der Implementation Guidance zu den IAS/IFRS vergleichbar ist. Nachfolgend findet sich eine tabellarische Darstellung aller Non-IFRICs in 2015 sowie folgend eine inhaltliche Erläuterung ausgewählter Sachverhalte.

Übersicht über die Non-IFRICs in 2015

Die nachfolgende Übersicht ist nach Standards aufsteigend sortiert. Neben dem betroffenen Standard (Norm) wird eine kurze Inhaltsangabe der Agenda Rejection gegeben (Inhalt/Gegenstand). Die Quelle des jeweiligen IFRS IC Update in 2015 findet sich in der rechten Spalte (Quelle):

Darstellung ausgewählter Non-IFRICs IAS 24 - Nahestehende Personen

Die Abgrenzung nahestehender Parteien nach IAS 24.9 definiert nahe Familienangehörige einer Person als Familienmitglieder, von denen angenommen werden kann, dass sie bei ihren Transaktionen mit dem Unternehmen auf die Person Einfluss nehmen oder von ihr beeinflusst werden können. Dazu gehören:

  • Kinder und Ehegatte/Lebenspartner der Person
  • Kinder des Ehegatten/Lebenspartners der Person
  • Abhängige Angehörige der Person oder des Ehegatten/Lebenspartner
  • Fraglich bleibt, inwieweit die oben explizit genannten Beziehungen bereits automatisch als nahestehend gelten oder zusätzlich die Möglichkeit oder das Vorliegen einer tatsächlichen Beeinflussung bedingen. Der IFRS IC stellt klar, dass die in IAS 24.9 explizit aufgeführten Beziehungen immer zu einer Klassifizierung als nahe Familienangehörige führen. Die Aufzählung ist jedoch nicht abschließend, weitere Familienmitglieder (Eltern, Großeltern) können sich auch als nahestehende Personen qualifizieren

IAS 39/IAS 1 - Darstellung des Abschlusses

Fraglich war der Ausweis negativer Effektivzinsen finanzieller Vermögenswerte innerhalb der Gesamtergebnisrechnung. Negative Zinszahlungen erfüllen nicht die Definition von Zinserträgen nach IAS 18, da ein Abfluss und kein Zufluss von wirtschaftlichem Nutzen erfolgt. Aus diesem Grund stellte das IFRS IC fest, dass negative Zinserträge separat in einer geeigneten Aufwandsart innerhalb der Gesamtergebnisrechnung auszuweisen sind.

IFRS 10 - Strukturierte Einheiten

Fraglich ist das Verhältnis von IFRS 10 und IAS 17, wenn ein strukturiertes Unternehmen (SE) zwecks Leasing eines einzigen Vermögenswerts an einen Leasingnehmer gegründet wird, insb. ob die Nutzung des Leasinggegenstands als relevante Aktivität bei der Beurteilung von Kontrolle über die SE gilt.
Basierend darauf, ob es sich um ein finance- oder operate-Lease handelt, hat die SE als Leasinggeber zwei Rechte:

  • Recht zum Erhalt der Leasingzahlungen
  • Recht am Residualwert am Ende der Leasinglaufzeit

Als relevante Aktivitäten der SE gelten diejenigen zur Beeinflussung der Renditen aus den o.g. Rechten:

  • Steuerung des mit den Leasingzahlungen verbundenen Kreditrisikos
  • Steuerung der Nutzung des Leasinggegenstands am Laufzeitende (Verkauf oder erneutes Leasing)

Das IFRS IC stellte fest, dass das Nutzungsrecht am Leasinggegenstand für eine Zeitspanne isoliert betrachtet kein Entscheidungsrecht über relevante Aktivitäten darstellt. Zudem hat der Leasingnehmer bei der Bestimmung von Kontrolle alle seine Rechte im Verhältnis zur SE zu berücksichtigen, d.h. auch die im Leasingverhältnis begründeten, aber über das Nutzungsrecht hinausgehenden Rechte sowie Rechte aus vertraglichen Vereinbarungen außerhalb des Leasingverhältnisses (z.B. an den Leasinggeber gewährte Darlehen).

IFRS 11 - Gemeinsame Vereinbarungen

Bei der Einstufung einer gemeinsamen Vereinbarung als gemeinschaftliche Tätigkeit oder Gemeinschaftsunternehmen nach IFRS 11 sind bei der Würdigung der „sonstigen Sachverhalte und Umstände“ nur durchsetzbare Rechte am wirtschaftlichen Nutzen der gemeinsamen Vermögenswerte der gemeinschaftlichen Tätigkeit zu berücksichtigen. Zudem müssen die Partner rechtlich dazu verpflichtet sein, der gemeinsamen Vereinbarung finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen, um deren Verpflichtungen fortlaufend zu decken. Durch die aufgrund der rechtlichen Struktur der gemeinsamen Verpflichtung bestehenden Rechte und Pflichten der Partner dürfen die aus den sonstigen Umständen erwachsenden Rechte nicht außer Kraft gesetzt werden.

IFRS 12 - Angaben zu Beteiligungen an anderen Unternehmen

Im September 2014 wurde bzgl. der Angabepflichten zu IFRS 12 bereits Folgendes entschieden: Ein Unternehmen muss gemäß IFRS 12.12(e) bis (g) für jedes seiner Tochterunternehmen, an dem nicht beherrschende Gesellschafter (NCI) in einem wesentlichen Umfang beteiligt sind, folgende Angaben machen:

a) IFRS 12.12(e) erfordert die Angabe zum Gewinn oder Verlust, der den nicht beherrschenden Anteilen des Tochterunternehmens während der Berichtsperiode zugewiesen wird
b) IFRS 12.12(f) erfordert Angaben über akkumulierte nicht kontrollierende Anteile des Tochterunternehmens am Ende der Berichtsperiode
c) IFRS 12.12(g) erfordert zusammengefasste Finanzinformationen über das Tochterunternehmen

Fraglich war damals, ob die in IFRS 12.12 (e) bis (g) geforderten Angaben auf Ebene des einzelnen Tochterunternehmens (Einzelabschluss) oder auf Ebene des gesamten Teilkonzerns eines Tochterunternehmens anzugeben sind. Nach Klarstellung kann eine Beurteilung, ob NCIs an einem Tochterunternehmen wesentlich sind, nur auf Basis des Konzernabschlusses des berichtenden Unternehmens beurteilt werden (vor intercompany-Eliminierungen). Als Folgeklarstellung ergab sich im Januar 2015, dass die Ermessensentscheidung für jedes Tochterunternehmen einzeln getroffen werden muss.

IFRS 10/IFRS 5 - Eliminierung konzerninterner Transaktionen
(tentative agenda decision)

In einer vorläufigen Entscheidung (tentative agenda decision) vom September 2015 hat sich das IFRS IC zu einem potentiellen Konflikt zwischen den Ausweis- und Bewertungsvorschriften des IFRS 5 und den Vorgaben zur Konsolidierung nach IFRS 10 geäußert. Hiernach wird ein Vorrang der Pflicht zur Eliminierung aller konzerninternen Transaktionen festgestellt, sodass es keiner Interpretation oder Erweiterung/Klarstellung des Standards bedürfe (weitere Informationen siehe auch Freiberg/Schubert, PiR 11/2015, S. 319).

Das IDW hat mit Schreiben vom 20. November 2015 eine ablehnende Haltung zu dieser vorläufigen Entscheidung an das IFRS IC adressiert. Eine volle Eliminierung ohne weitere Anpassungen aus innerkonzernlichen Leistungsbeziehungen mit dem aufgegebenen Geschäftsbereich wäre keine zutreffende Darstellung. Auch könne dies durch erweiterte Anhangangaben (IFRS 5.30) nicht geheilt werden. Die Haltung des IDW begründet sich auf der bisherigen Sichtweise in IDW RS HFA 2, Tz. 111.

Quellen:

IFRIC-Updates January - November 2015

Freiberg/Schubert, PiR 11/2015, S. 319

Lüdenbach, PiR 1/2016, S. 29