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Aktuelles:

Werthaltigkeitsnachweis Solvency II

29. Oktober 2020

Daniel Troost , Partner, Financial Services Insurance |
Matthäus Janosch Kämper , Senior Consultant Versicherungsmathematik
Financial Services Insurance
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Am 18. Juni 2019 wurde von der Europäischen Kommission die Delegierte Verordnung (EU) 2019/981 vom 8. März 2019 zur Änderung der Delegierten Verordnung (EU) 2015/35 im Amtsblatt der Europäischen Union L 161 veröffentlicht.

Im Zuge dieser Verordnung wurde die Anforderung an den Werthaltigkeitsnachweis der Verlustausgleichsfähigkeit latenter Steuern ab Geschäftsjahresbeginn 01.01.2020 erhöht.

Das besagte Geschäftsjahr neigt sich dem Ende und die betroffenen Unternehmen sollten sich daher intensiv mit den verschärften Anforderungen an diesen Werthaltigkeitsnachweis auseinandersetzen.

Die ökonomische Bewertung in der Solvenzübersicht führt in Verbindung mit der Niedrigzinsphase zu immer stärkeren Bilanzeffekten. Die Thematik der latenten Steuern stellt dabei in doppelter Hinsicht eine Herausforderung dar, da diese nicht nur die ökonomische Bilanz, sondern auch die Frage der Verlustausgleichsfähigkeit im Schockszenario betrifft.

Es ist zu erwarten, dass passive latenten Steuern, die hauptsächlich aus Bewertungsdifferenzen in der Kapitalanlage entstehen, weiter abschmelzen. Speziell die gut verzinsten Anleihen im Bestand werden in den kommenden Jahren auslaufen. Die Wiederanlage ist durch das flache Zinsniveau erschwert und wird zwangsläufig nicht mehr dieses Volumen an stillen Reserven verursachen können wie bisher.  Gleichzeitig bewirkt die abflachende EIOPA Zinsstrukturkurve einen stetig steigenden Diskontierungseffekt, der speziell in der Lebensversicherung durch eine steigende Wertigkeit der bepreisten Optionen und Garantien in der Best Estimate Berechnung flankiert wird.

Somit übersteigt der Solvency II Wert für die versicherungstechnischen Rückstellungen immer mehr den steuerbilanziellen Ansatz, was dementsprechend zu einem wachsenden aktiven latenten Steuern Posten führt.

Beide Effekte bewirken grundsätzlich eine Eigenmittelstärkung, die es jedoch per Werthaltigkeitsnachweis zu begründen gilt.

Besonders im Falle eines Aktivüberhangs latente Steuern ist der Werthaltigkeitsnachweis zwingend. Es sei erwähnt, dass eine a priori Kappung des Aktivüberhangs, um einem Werthaltigkeitsnachweis zu entgehen, weder im Sinne des Solvency Regimes noch dauerhaft im Sinne der eigenen Unternehmensführung hinsichtlich der Eigenmittelausstattung ist.

Im Sinne der Solvenzkapitalanforderung ist die Verlustausgleichsfähigkeit latenter Steuern ein wichtiges Element zu der Verbesserung der Bedeckungsquote der Zukunft. Um die SCR-Entlastung bzw.  Eigenmittelstärkung zu generieren bedarf es eines weiteren Werthaltigkeitsnachweises nach dem Schockereignis.  Unabhängig davon, ob der Betrag zur Verlustausgleichfähigkeit per Vereinfachungsansatz oder im Detail anhand gestresster Einzelpositionen ermittelt wird, ist die Werthaltigkeit dieses Betrags zu begründen. Durch die oben angeführten Mechanismen wird der simple Werthaltigkeitsnachweis anhand der Höhe der passiven Steuerlatenz dauerhaft zu viel Absorptionspotential unberücksichtigt lassen. Deshalb muss der Werthaltigkeitsnachweis für einen Betrag, der den passiven Steuerwert übersteigt, zwangsläufig geführt werden. An dieser Stelle greift die DVO 2019/981 ein und erschwert diesen Nachweis für den kommenden Abschluss. Die Vermeidung von Doppelzählung, die Verwendung einer gestressten Zinsstrukturkurve sowie die Beschränkung des Neugeschäftsplanungshorizont auf 5 Jahre sind hier wesentliche Aspekte. Die Annahme, dass der dezidierte Werthaltigkeitsnachweis in die Begründung des aktiven Überhangs in der Solvenzübersicht Eingang finden wird, ist dabei durchaus berechtigt.                  

Das Thema Werthaltigkeitsnachweis gewinnt sowohl für die Solvenzübersicht als auch in der Solvenzkapitalanforderung zunehmend an Bedeutung, da speziell in der SCR-Bedeckungsquote ein erhebliches Potential zur Entlastung bzw. Stärkung der Quote besteht. Entscheidend hierbei wird die Ausgestaltung und Belastbarkeit des Werthaltigkeitsnachweises sein. Des Weiteren ist zu beachten, dass der Nachweis auf Basis des Geschäftsjahresende aber nach Aufstellen der Solvenzübersicht geführt werden muss. Dementsprechend müssen auch externe Ereignisse im ersten Quartal des Folgejahres im Werthaltigkeitsnachweis berücksichtigt werden. Dabei ist nicht zwingend eine zweite Planungsrechnung anhand der Solvency II Zahlenwerks nötig. Auch eine Begründung über HGB Planzahlen kann funktionieren.

Gerne stehen wir für einen konstruktiven Austausch sowie zur Ausarbeitung eines adäquaten Werthaltigkeitsnachweises zur Verfügung.