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Aktuelles:

IASB veröffentlicht vorgeschlagene Änderungen an IAS 16 in Bezug auf Einnahmen vor der beabsichtigten Nutzung

02. November 2017

WP Anne Hölters |

Am 20. Juni 2017 hat der IASB den Entwurf ED/2017/4 Property, Plant and Equipment – Proceeds before Intended Use- Amendments to IAS 16 veröffentlicht. Er beinhaltet einen Vorschlag zur Änderung des bisherigen Standards zur Bilanzierung der Anschaffungs- oder Herstellungskosten von Sachanlagevermögen in Bezug auf die Behandlung von Verkaufserlösen aus Testläufen.

Vermögenswerte des Anlagevermögens durchlaufen bei einigen Unternehmen vor der planmäßigen Nutzung diverse Testläufe sowie Genehmigungsprozesse. Für in der Phase der Testläufe produzierten absatzfähigen Output besteht bislang Unsicherheit, ob und inwiefern die Erlöse hieraus ergebniswirksam zu erfassen oder bei der Berechnung der Anschaffungskosten mindernd zu berücksichtigen sind.

Im Rahmen der aktuell anwendbaren Regelungen des IAS 16.16 fallen direkt zurechenbare Kosten die aufgewendet werden, um die Sachanlage in den beabsichtigten Zustand zu versetzten, in den Kostenblock, welcher bei der Ermittlung der Anschaffungs- und Herstellungskosten zu berücksichtigen ist. IAS 16.17 führt Beispiele für diesen Kostenblock an, unter anderem auch in IAS 16.17(e) Kosten für Testläufe zur Überprüfung der ordentlichen, beabsichtigten Funktionsweise. IAS 16.17(e) rekurriert dabei auf jene Kosten für Testläufe „[…]nach Abzug der Nettoerträge vom Verkauf aller Gegenstände, die während der Zeit, in der der Vermögenswert zum Standort und in den betriebsbereiten Zustand gebracht wurde, hergestellt wurden (wie auf der Testanlage gefertigte Muster) […]“.[1]

Beispiel

Eine von E errichtete Anlage kann erst nach Erfüllung spezifischer Umweltauflagen und Durchführung von Testläufen zur Generierung von Messwerten in Betrieb genommen werden. Während der Testphase produziert E bereits Output mit der Anlage, welcher zu Erträgen führt. Wenige Ausfälle und gute Testbedingungen resultieren in hohen Veräußerungserlösen, sodass die Nettoerlöse die Kosten der Testläufe übersteigen.

Fraglich war bisher, wie mit diesen die Kosten der Testphase überkompensierenden Erlösen aus den Testläufen zu verfahren ist. In der Literatur werden dazu mehrere Sichtweisen diskutiert. In Anlehnung an die Regelungen des IAS 16.17(e) und das Abstellen auf den Zeitraum vor Betriebsbereitschaft nach IAS 16.16(b) sollten sich einer Ansicht folgend die gesamten Erlöse aus den Testläufen mindernd auf die Anschaffungs- und Herstellungskosten auswirken.[2] Nach einer anderen Sichtweise sollte die Kompensation der Testkosten durch während der Testphase erwirtschaftete Erlöse nur bis zur Höhe des Rohertrags erfolgen und nur soweit die Erlöse der Testläufe mit Materialaufwand verbunden sind. Der die Kosten überkompensierende Teil der Testerlöse wäre danach als (Umsatz-)Erlös der Periode zu zeigen.[3]

Die mit dem Exposure Draft vorgeschlagenen Änderungen offenbaren eine neue Vorgehensweise in Bezug auf die Testläufe. Zum einen soll der Begriff der Testphase in IAS 16.17(e) präzisiert werden. Ferner wird vorgeschlagen eine neue Passage aufzunehmen (IAS 16.20a). Danach sind die während der Testphase anfallenden Kosten der Produktion und auch die Erlöse durch die Veräußerung von Produkten aus den Testläufen erfolgswirksam unter Beachtung der Regelungen des IFRS 15 zu behandeln.[4] Anhangangaben sind in dem Exposure Draft nicht vorgesehen.[5] Es bleibt abzuwarten, wie die Änderungsvorschläge des IASB zu IAS 16 in Bezug auf die Thematik der Kosten und Erlöse aus Testläufen für Sachanlagevermögen angenommen werden. Die Kommentierungsfrist endet am 19.10.2017.

 

[1] International Financial Reporting Standards (IFRS) 2017, Wiley-VCH, 11. Aufl., IAS 16.17 (e).

[2] Vgl. Brune, IRZ 2015, S. 176

[3] Vgl. Lüdenbach/Hoffmann/Freiberg, Haufe IFRS-Kommentar, 15. Aufl., § 14 Rz. 27; IFRIC, Update July 2011.

[4] Vgl. IFRIC Update July 2014, S. 10.

[5] Vgl. ED IAS 16.BC26.5