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Aktuelles:

„Digital-AfA“: Geänderte Nutzungsdauer von Computerhardware und Software

25. Mai 2021

Roland Speidel, Senior Manager, Grundsatzabteilung Tax & Legal |

In Zeiten fortschreitender Digitalisierung, insbesondere auch in der anhaltenden Corona-Pandemie, unterstützt die Politik entsprechende Investitionsmaßnahmen digitaler Technologien. Vor diesem Hintergrund stellt das BMF in seinem am 26.02.2021 veröffentlichten Schreiben die Voraussetzungen der ab 01.01.2021 geltenden „Digital-AfA“ vor.

Danach kann für Computerhardware sowie Betriebs- und Anwendersoftware eine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von nunmehr nur noch einem Jahr zu Grunde gelegt werden.

Das BMF rechnet der Computerhardware u.a. die folgenden Wirtschaftsgüter zu:

  • Computer, z.B.: Notebook, Tablet, Slate, mobiler Thin-Client
  • Stationäre oder mobile Workstation
  • Dockingstation
  • Eingabegeräte, z.B.: Tastatur, Maus, Scanner, Kamera, Mikrofon, Headset
  • Externe Speicher, z.B.: Festplatte, DVD-/CD-Laufwerk, Flash Speicher, Streamer
  • Ausgabegeräte, z.B.: Beamer, Plotter, Monitor, Drucker

Von der Begünstigung ausgeschlossen sind aber beispielsweise Mobiltelefone, in Konferenzräumen installierte Fernsehgeräte mit Internetanschluss und computergesteuerte Maschinen bzw. Fahrzeuge.

Unter Betriebs- und Anwendersoftware versteht das BMF alle Programme zur Dateneingabe und ‑verarbeitung. Dazu gehören neben Standardanwendungen auch individuelle Anwendungen wie ERP-Software, Software für Warenwirtschaftssysteme, zur Unternehmensverwaltung oder zur Prozesssteuerung.

Die Neuregelung können grundsätzlich alle Unternehmen für nach dem 31.12.2020 endende Wirtschaftsjahre beanspruchen. Darüber hinaus kann der im Veranlagungszeitraum 2021 noch bestehende Restbuchwert bereits zuvor angeschaffter oder hergestellter digitaler Wirtschaftsgüter des Betriebsvermögens voll abgeschrieben werden. Für Wirtschaftsgüter des Privatvermögens gelten die neuen Regelungen ab dem Veranlagungszeitraum 2021. Eine zeitliche Befristung ist derzeit nicht vorgesehen.


Hinweise:

Hat ein Wirtschaftsgut eine einjährige Nutzungsdauer, führt dies faktisch zu einer Sofortabschreibung, weil die zeitanteilige Abschreibung eine mehr als einjährige Nutzungsdauer voraussetzt. Im Ergebnis wird die EDV-Ausstattung also wie ein geringwertiges Wirtschaftsgut (Anschaffungs- oder Herstellungskosten ohne Umsatzsteuer bis EUR 800) abgeschrieben, ohne dass sie ein solches ist, da höherwertige digitale Wirtschaftsgüter auch über der EUR 800-Grenze liegen können. Damit werden künftig entsprechende Aufwendungen im Jahr der Anschaffung oder Herstellung steuerlich vollständig berücksichtigt. Bisher ist noch ungeklärt, ob entsprechende Wirtschaftsgüter weiterhin zu aktivieren sind.

Das BMF-Schreiben gilt nur für steuerrechtliche Zwecke und somit auch nur für die Aufstellung der Steuerbilanz. Für die Aufstellung der Handelsbilanz bleibt es grundsätzlich bei der Zugrundelegung einer betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer von drei bzw. fünf Jahren für entsprechende Vermögensgegenstände; die Übernahme der einjährigen Nutzungsdauer käme nur in Betracht, wenn es wirklich eine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von einem Jahr wäre, was allerdings in der Regel für die EDV-Ausstattung nicht der Fall sein dürfte. Fraglich ist deshalb, ob das BMF-Schreiben dem Wortlaut des Einkommensteuergesetzes hinsichtlich der Berücksichtigung von Erfahrungswerten bei der Bestimmung der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer widerspricht; in der dazu bisher erschienenen Fachliteratur wird jedenfalls bezweifelt, dass eine einjährige Nutzungsdauer der EDV-Ausstattung der Lebenswirklichkeit entspricht. Die Anwendung der Abschreibung von einem Jahr in der Steuerbilanz und der längeren betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer in der Handelsbilanz führt zu Buchwertdifferenzen zwischen beiden Bilanzen, die in der Handelsbilanz die Berechnung passiver latenter Steuern bei mittelgroßen und großen Kapitalgesellschaften unumgänglich macht.

Umstritten ist noch, ob die Regelung des BMF-Schreibens aufgrund der sprachlichen Formulierung („kann“) wirklich als ein steuerliches Wahlrecht zu verstehen ist. Würde man dieses bejahen, wäre allerdings die Rechtsgrundlage für das eingeräumte Wahlrecht fraglich. Es erscheint zudem höchst ungewöhnlich, wenn eine zu schätzende betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer gewählt werden könnte, da es real nur eine Nutzungsdauer geben kann. Mangels ausdrücklicher gesetzlicher Regelung sind damit im Zusammenhang stehende Streitigkeiten vor Finanzgerichten nicht auszuschließen. Da das zugrundeliegende BMF-Schreiben nur die Finanzverwaltung, nicht aber die Finanzgerichte bindet, ist zudem fraglich, ob die darin enthaltenden Regelungen ausreichenden Rechtsschutz für den Steuerpflichtigen bieten können.

 


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