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Visionär und Antreiber, Philanthrop und Vorbild

Die BDO nimmt Abschied von ihrem Mitbegründer und langjährigen Spiritus Rector Hans-Heinrich Otte (1926 – 2020).

Grund zum Feiern, Grund zum Trauern: Das Jahr 2020 markiert für die BDO zwei einschneidende Ereignisse. Am 28. Februar konnte die Unternehmensgruppe ihr 100-jähriges Bestehen begehen. Nur wenige Tage später, am 7. März, verstarb unser Ehrenvorsitzender und langjähriger Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzender, Professor Hans-Heinrich Otte. Er hat BDO mehr als ein halbes Jahrhundert geprägt und begleitet – und das Unternehmen zu dem gemacht, was es heute ist. 

Als Hans-Heinrich Otte am 23. Januar 1926 in Lübeck geboren wird, ist der parteilose und heute nahezu vergessene Hans Luther noch für kurze Zeit Reichskanzler der Weimarer Republik. Auf ihn folgen weitere acht Kabinette und eine Weltwirtschaftskrise, bis Hitler 1933 die Macht ergreift. Da ist der Schüler Hans-Heinrich sieben Jahre alt. Er hat gerade seine Mittlere Reife abgeschlossen, da wird er im März 1942 Zeuge der verheerenden Bombenangriffe auf Lübeck durch die britische Luftwaffe. Er macht eine kaufmännische Lehre und wird am Kriegsende noch zum Wehrdienst herangezogen. Aus einem Lager in Heide schlägt er sich Anfang Mai 1945 auf Umwegen zu seiner Familie in die Lübecker Altstadt durch. Als er für seine Abiturprüfung lernt, liegt Europa in Trümmern. Otte blickt nach vorn, Zielstrebigkeit gepaart mit protestantischem Arbeitsethos ist schon da eine seiner hervorstechenden Eigenschaften. 1951 schließt er sein Studium der Volkswirtschaftslehre in Göttingen ab. Am 2. Januar 1952, drei Wochen vor seinem 26. Geburtstag, tritt der junge Diplom-Volkswirt in die damalige Deutsche Warentreuhand AG (DWT) in Hamburg ein. Im August 1954 wird das Unternehmen als Steuerberatungsgesellschaft zugelassen, Otte definiert sein berufliches Profil mit Examina als Steuerberater (1956) und Wirtschaftsprüfer (1957).

Dynamische Karriere

Als er am 1. Oktober 1961 in den DWT-Vorstand berufen wird, ist er erst 35 Jahre alt. Bereits 1969 steigt er zum Vorsitzenden des Gremiums auf – und bleibt es bis 1992. In dieser Zeit baut er die heutige BDO von einer kleinen, regional verankerten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zur fünftgrößten in Deutschland auf, die an 27 Standorten mit Wirtschaftsprüfung, prüfungsnahen Dienstleistungen, steuer- und wirtschaftlicher Beratung und Advisory Services rund 250 Millionen Euro umsetzt. Dass dazu neben ausgeprägtem Unternehmergeist auch günstige Umstände beitrugen, hat er selbst stets so gesehen: „Mir war es vergönnt, bereits in jungen Jahren in eine Führungsposition aufzusteigen, in der mir ohne wesentliche Einschränkungen große Gestaltungs- und Einflussmöglichkeiten, aber auch Entscheidungsbefugnisse zufielen“, sagte Otte 2007 anlässlich der Verleihung der Ehrenprofessur durch das Land Schleswig-Holstein. Die junge Führungskraft hat die nötige Energie, um die Firma an die dynamischen Veränderungen in der Unternehmenslandschaft anzupassen und erfolgreich auf Expansionskurs zu halten. Dazu gehören neben organischem Wachstum auch zahlreiche Übernahmen: Zwischen 1970 und 2006 gehen rund 20 mittelständische Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in der BDO auf. Da er sich durchaus als Teamplayer versteht, gelingt es Otte, starke Persönlichkeiten ans Unternehmen zu binden. So entsteht eine interdisziplinär zusammengesetzte Mannschaft von hohem fachlichem Know-how, die unter seiner engagierten Führung BDO zu einer der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in Deutschland weiterentwickelt. Nach dem Ausscheiden aus dem Vorstand übernahm Professor Otte den Vorsitz des Aufsichtsrats und trug auch in dieser Funktion wesentlich zur Weiterentwicklung seiner BDO bei. In Anerkennung seiner Verdienste wurde er im Jahr 2006 zum Ehrenvorsitzenden der Gesellschaft ernannt. Bis zuletzt hat Hans Heinrich Otte mit regem Interesse die Entwicklung von BDO, national wie international, verfolgt.

Globale Dimension

Als einer der ersten in der als konservativ geltenden Branche begreift Otte die Globalisierung als Chance. „Wir haben  frühzeitig erkannt, dass wir unseren Mandanten ins Ausland folgen müssen, wenn wir langfristig erfolgreich sein wollen.“ 1963 legt er gemeinsam mit britischen, niederländischen, amerikanischen und kanadischen Kollegen den Grundstein für BDO International, heute mit rund 90.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 167 Ländern und einem Umsatz von knapp zehn Milliarden Dollar eine der größten globalen Organisationen der Branche – und die einzige, die ihre Wurzeln in Europa hat. Binder (Großbritannien), Dijker (Niederlande) und Otte (Deutschland) bilden gemeinsam das Namenskürzel BDO, das seit den 1980er-Jahren als internationale Marke präsent ist. Das Erfolgsrezept? Die hanseatische Kultur der Verlässlichkeit, gepaart mit Professionalität und Toleranz: „Es ist stets mein Bestreben gewesen, politische, religiöse oder durch unterschiedliche Kulturkreise bedingte berufsfremde Einflüsse aus der fachlichen Zusammenarbeit herauszuhalten und zugleich auf ein auf Vertrauen und gegenseitigem Respekt beruhendes Miteinander hinzuwirken.“ So hat Otte es selbst auf den Punkt gebracht. Das Ergebnis der Strategie ist eine über die Jahre hinweg dynamisch gewachsene internationale Prüfungs- und Beratungsgruppe. Dabei hat Otte im Laufe seine Karriere mehr als 80 Länder bereist, um Kontakte zu knüpfen, Partnerschaften anzubahnen und Beziehungen zu pflegen. Er ist eine zupackende und charismatische Erscheinung, mit der ihm eigenen Mischung aus Charme und Durchsetzungsstärke nimmt er Menschen für sich ein und setzt seine Ideen um. Als Gastgeber für Geschäftsfreunde ist er in seinem Element. Über viele Jahre hinweg treibt Professor Otte als Chairman des Global Boards den weltweiten Ausbau der Organisation voran. BDO International hat ihn 2001 in Würdigung seiner Verdienste als Architekt dieses weltumspannenden Kompetenz-Netzwerks zum Honorary Chairman auf Lebenszeit ernannt.

Kulturelles Engagement

Dass seine beeindruckende Karriere auf einem breiten Fundament steht, weiß Hans-Heinrich Otte: „Gerade dieser Erfolg hat mir schon sehr frühzeitig bewusst werden lassen, dass mein schneller Aufstieg, neben etwas Talent und viel Glück, ohne Einbindung und Hilfeleistung durch die für mich relevante Umwelt – das ist unser Land, meine Heimatstadt Lübeck mit ihren großen Stiftungen, Possehl und Dräger sowie BDO und personifiziert meine Partner und Kollegen, meine Freunde und meine Familie  – kaum möglich gewesen wäre.“  Getreu seinem Lebensmotto „keine Zukunft ohne Herkunft“ ist es für ihn deshalb selbstverständlich, „diesem Umfeld etwas zurückzugeben, meine Dankbarkeit zu zeigen“. Er setzt sich unter anderem als Gründungsmitglied der Gesellschaft für Betriebswirtschaft an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel aktiv für Forschung und Lehre ein und prägt mehrere Stiftungen mit seinem Engagement.  Als Herzensprojekt kann sein Einsatz für den Wiederaufbau der Lübecker Marienkirche gelten, deren Zerstörung er als 16-Jähriger miterlebt hatte. Ein Vierteljahrhundert ist er Vorsitzender des Bauvereins der Kirche. Unermüdlich wirbt er Spendengelder ein und leistet auch persönlich hohe finanzielle Beiträge: Zuletzt stiftet er zu seinem 93. Geburtstag zwei Glocken für den Nordturm.

Fördernd, aber auch fordernd: So haben ihn über die Jahrzehnte viele seiner Mitstreiter erlebt. Beruf, Familie (drei Kinder, sechs Enkel, zwei Urenkel), kulturelles Engagement: Sein eigenes Pensum ist enorm – Voraussetzung dafür ist neben der geistigen auch die nötige körperliche Fitness. Otte ist auch sportlich ein Multitalent. Als Leichtathlet springt er schon als Junge sechs Meter und stößt die Kugel zwölf Meter weit. Landesmeister im Tischtennis wird er, und mit den Faustballern erreicht er Ende der 1940er-Jahre die deutsche Endrunde. Seine große Leidenschaft ist aber der Fußball, als Student spielt er auch in der Oberligamannschaft. 2014 bekommt er von „seinem“ Club VfB Lübeck die Brillantnadel für 80-jährige Mitgliedschaft überreicht – Hans-Heinrich Otte ist der einzige, dem diese Ehre bislang zuteil wurde.  

Überhaupt prägen lange Linien und Kontinuität sein Leben – beruflich wie privat: 54 Jahre steht er in Diensten von BDO; mehr als 60 Jahre übt er den Beruf als Wirtschaftsprüfer aus; mehr als 70 Jahre ist er mit seiner Frau Helga verheiratet.  

Die familiäre Kontinuität seines Wirkens bei BDO wird durch die beiden nächsten Generationen der Familie Otte, seinen Sohn Dr. Holger Otte als Vorstandsvorsitzenden und seine Enkeltochter Dr. Nora Otte, bewahrt.

Bleibende Erinnerung

Als Hans-Heinrich Otte am 7. März 2020 im 95. Lebensjahr in seiner geliebten Geburtsstadt Lübeck stirbt, ist Angela Merkel im 15. Jahr ihrer Kanzlerschaft. Seit seinem Abitur hat Otte acht Bundeskanzler erlebt, die deutsche Teilung, den Wiederaufbau und Deutschlands Wiedervereinigung – und von der Ölkrise bis zur Weltfinanzkrise immer wieder wirtschaftliche Einbrüche, die es mit Geschick zu meistern galt. Die Folgen der aktuellen Krise muss er nun nicht mehr managen. Was bleibt, ist ein vielfältiges und erfülltes Leben – und eine beispiellose Erfolgsgeschichte, die mit dem Kürzel BDO verbunden ist. Sein Lebenswerk.