IASB veröffentlicht Änderungen an IAS 1 und an IAS 8

Der IASB hat am 12. Februar 2021 zwei neue Änderungen an IAS 1 und IAS 8 veröffentlicht. Das Amendent to IAS 1 - Disclosure of Accounting Policies widmet sich den Anhangangaben zu Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden und wird durch das ebenfalls geänderte Begleitmaterial IFRS Practice Statement 2 „Making Materialty Judgements“ konkretisiert. Das Amendment to IAS 8 - Definition of Accounting Estimates konkretisiert die Abgrenzung von Änderungen von Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden zu Schätzungsänderungen. 

Die Änderungen an IAS 1 und IAS 8 gelten für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2023 beginnen, wobei eine freiwillige frühzeitige Anwendung möglich ist. Für EU-IFRS Bilanzierer ist ein vorheriges Endorsement Voraussetzung.

 

IAS 1 – Wechsel von significant zu material

Die Änderungen an IAS 1 konkretisieren, in welchem Umfang Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden in einem IFRS Anhang (notes) zu erläutern sind. Betroffen ist v.a. die Angabepflicht nach IAS 1.117. Dabei ist künftig nicht mehr auf bedeutende (significant), sondern nur auf wesentliche (material) Methoden einzugehen. Nach dem neuen IAS 1.117A kann auf die Angabe verzichtet werden, sofern sich die Bilanzierungsmethode auf immaterial transactions, other events or conditions bezieht. Es ist dabei aber nicht nur auf die absolute Größe (amount) zu achten. Wesentlichkeit kann sich auch aufgrund der Art, der damit verbundenen Geschäftsvorfälle, der sonstigen Ereignisse oder der Bedingungen ergeben. Wann eine accounting policy als material anzusehen ist, ist anhand der neuen Kriterien in IAS 1.117B zu beurteilen.

So kann, u.a. eine Anwendungsfall vorliegen, wenn ein Unternehmen seine Bilanzierungs- und Bewertungsmethode während der Berichtsperiode geändert hat und diese Änderung führt zu einer wesentlichen Änderung der Informationen im Abschluss (IAS 1.117B(a)) oder es wurde aufgrund einer Regelungslücke in den IFRS eine Bilanzierungs- und Bewertungsmethode in Übereinstimmung mit IAS 8 entwickelt (IAS 1.117B(c)).

Das begleitende IFRS Practice Statement 2 enthält weitere Leitlinien zur Anwendung des Konzepts der Wesentlichkeit auf die Angaben zu den Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden.

IAS 8 – erstmalig positive Definition eines accounting estimate

Über die Änderungen an IAS 8 wird erstmals eine Definition des Begriffs einer „rechnungslegungsbezogenen Schätzung“ (accounting estimate) eingeführt:

Accounting estimates are monetary amounts in financial statements that are subject to measurement uncertainty.“

Rechnungslegungsbezogene Schätzungen sind monetäre Beträge im Abschluss, die mit Bewertungsunsicherheiten behaftet sind. Positivbeispiele finden sich in IAS 8.32 (u.a. Bestimmung des fair value nach IFRS 13). In Bezug auf die Anwendung von Bewertungstechniken und den damit verbundenen Unsicherheiten findet sich eine weitere neue Definition in IAS 8.34A:

The effects on an accounting estimate of a change in an input or a change in a measurement technique are changes in accounting estimates unless they result from the correction of prior period errors.“

Eine Unterscheidung zu Bilanzierungsmethoden ist entscheidend, da IAS 8 unterschiedliche Folgen für die Änderung von Schätzungen und Rechnungslegungsmethoden vorsieht. Änderungen von Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden müssen retrospektiv abgebildet werden, Änderungen von Schätzungen prospektiv.

Weiterführende Informationen zum Thema sowie eine Diskussion zu Einzelfragen der Abgrenzung (u.a. Auslegung unbestimmter Rechtsbegriffe) finden sich bereits im – zeitlich vor dem Amendment veröffentlichten - Beitrag von Freiberg, Abgrenzung der Schätzung von der Bilanzierungsmethode nach IFRS, BetriebsBerater Ausgabe 46/20202, S. 2603 ff.