IFRS-Stiftung veröffentlicht erläuterndes Lehrmaterial zur Going concern-Annahme nach IAS 1

Angespanntes Umfeld vs. IAS 1.25

Die IFRS-Stiftung (IFRS Foundation) hat am 13. Januar 2021 neues Lehrmaterial (educational material) zu IAS 1 veröffentlicht. Die Publikation „Going concern - a focus on disclosure“ enthält Hilfestellungen/Leitlinien für Unternehmen zur Beurteilung der Annahme der Unternehmensfortführung (Going concern).

Die Going concern-Annahme ist zentraler Baustein ordnungsmäßiger Buchführung und Bilanzierung sowohl für nach den IFRS aufgestellte Abschlüsse (IAS 1.25f.), als auch handelsrechtliche Abschlüsse (§ 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB). Nach den Vorgaben von IAS 1.26 ist eine Bilanzierung unter Going concern nur zulässig, wenn mindestens für zwölf Monate von der Fortführung des Unternehmens ausgegangen werden kann. Dies steht nicht im Widerspruch zu nationalen Vorgaben, hier dem Gesetz zur Fortentwicklung des Sanierungs- und Insolvenzrechts (SanInsFoG), welches am 1. Januar 2021 in Kraft getreten ist und eine Liquiditätsprognose über 24 Monate bei drohender Zahlungsunfähigkeit vorsieht (§18 Abs. 2 S. 2 InsO). Einen entsprechenden Horizont sieht – mit Verweis auf die Vorgaben des Insolvenzrechts – IDW PS 270 n.F. (Tz. 11 i.V.m. Tz A11) vor.

Im derzeit angespannten wirtschaftlichen Umfeld, dass durch die Covid-19-Pandemie entstanden ist, haben viele Unternehmen einen erheblichen Rückgang ihrer Umsätze, Rentabilität und damit auch ihrer Liquidität zu verzeichnen. Dies lässt die Frage aufkommen, ob Zweifel an der Fortführung eines Unternehmens bestehen können. Die damit einhergehende Entscheidung, ob der Jahresabschluss auf der Annahme der Unternehmensfortführung erstellt wird, kann daher ein höheres Maß an Ermessensspielraum als üblich erfordern.

In dem veröffentlichten Lehrmaterial wurden die Vorschriften von IAS 1, die für die Beurteilung der Annahme der Unternehmensfortführung relevant sind, zusammengetragen. Das im Einklang mit dem überarbeiteten Due Process Handbook erstellte Lehrmaterial ergänzt oder ändert die Anforderungen in den Standards jedoch nicht.

Transparente Berichterstattung

Wenn dem Management bei seiner Einschätzung wesentliche Unsicherheiten bekannt sind, die sich auf Ereignisse oder Bedingungen beziehen und die erhebliche Zweifel an der Fortführungsfähigkeit des Unternehmens aufwerfen, sind diese Unsicherheiten anzugeben.

Die Gründe können vielfältig sein. Nach Ansicht der IFRS-Stiftung ist es daher wichtig, nicht nur die spezifischen Angabepflichten in Bezug auf die Unternehmensfortführung nach IAS 1.25 zu berücksichtigten, sondern auch die übergreifenden Angabepflichten in IAS 1 (u.a. IAS 1.122).

Weitere Themen

Das Lehrmaterial enthält weiterhin eine exemplarische Szenarienanalyse mit Verweis auf veröffentliche IFRS IC Agenda Decisions sowie Ausführungen zu den Vorgaben von IAS 1, wenn kein Going concern mehr gegeben ist.

Das Thema der Unternehmensfortführung wurde auch als potenzieller Tagesordnungspunkt (potential agenda item) für die kommende Agendakonsultation des IASB identifiziert, für die es im März 2021 einen Request for Information veröffentlichen wird.

Mit dem Thema Going concern beschäftigt sich auch das International Auditing and Assurance Standards Board (IAASB). Im September 2020 veröffentlichte das IAASB ein Diskussionspapier “Fraud and Going Concern in an Audit of Financial Statements: Exploring the Differences Between Public Perceptions About the Role of the Auditor and the Auditor's Responsibilities in an Financial Statement Audit”, dass bis zum 1. Februar 2021 offen zur Kommentierung steht.

 

IFRS-Stiftung veröffentlicht erläuterndes Lehrmaterial zur Going concern-Annahme nach IAS 1

Unsere Kolleginnen und Kollegen von BDO International haben hierzu heute einen International Financial Reporting Bulletin IFRB 2021/03 - Going Concern veröffentlicht.

Die Veröffentlichung (in englischer Sprache) kann hier abgerufen werden.