Übernahme der IFRS Änderungen "Interest Rate Benchmark Reform — Phase 2 (Änderungen an IFRS 9, IAS 39, IFRS 7, IFRS 4 und IFRS 16)" in europäisches Recht

Bereits am 27. August 2020 hat das IASB Änderungen an IFRS 9, IAS 39, IFRS 7, IFRS 4 und IFRS 16 anlässlich des Abschlusses der zweiten Phase des IBOR-Reform-Projekts des IASBs veröffentlicht. Mit der gestrigen Veröffentlichung im Amtsblatt vom 14. Januar 2021 wurden diese Änderungen nun auch in das europäisches Recht übernommen. Die Änderungen sind somit für Abschlüsse, die nach den Regelungen der in der EU anwendbaren IFRS aufzustellen sind, verpflichtend ab Geschäftsjahren, die am oder nach dem 1.1.2021 beginnen, anzuwenden. Da eine frühere Anwendung gestattet ist, können die Bilanzierenden die Änderungen, bei denen es sich um praktische Erleichterungen bei der Bilanzierung handelt, bereits im Abschluss zum 31.12.2020 anwenden.

Anwendungsfälle für die nun auch in der Europäischen Union anwendbaren Änderungen an IFRS 9, IAS 39, IFRS 7, IFRS 4 und IFRS 16 ergeben sich insbesondere dann, wenn sich die Vertragsparteien von Finanzinstrumenten aufgrund der IBOR Reform auf einen Ersatz eines Referenzzinssatzes durch einen anderen Referenzzinssatz einigen bzw. wenn Vertragsänderungen aufgrund sog. Fallback-Klausel anlässlich IBOR Reform wirksam werden. Durch die IFRS Standardänderung begrenzte das IASB unerwünschte bilanzielle Auswirkungen, die sich anderenfalls nach IFRS 9 bei der Bilanzierung von IBOR Reform indizierte Vertragsänderungen von Wertpapieren oder Darlehensverträgen ergeben hätten. Dazu wurden in IFRS 9 Vereinfachungen aufgenommen, die sich insbesondere auf eine vereinfachte Abbildung von IBOR-Reform-bedingten Modifikationen von Finanzinstrumenten richten und um Vereinfachungen, die eine Fortführung bilanzieller Sicherungsbeziehungen (hedge accounting) nach Übergang auf die neuen Referenzzinssätze ermöglichen.

Jedoch führen die Änderungen in IFRS 7 für die bilanzierenden Unternehmen zugleich zu zusätzlichen Angabepflichten im IFRS Abschluss, um den Abschlussadressaten einen Einblick in die Auswirkungen der IBOR Reform zu geben.

Aufgrund der Vielschichtigkeit der durch die Reform ausgelösten Modifikationen von finanziellen Vermögenswerten und Schulden können sich im übrigen auch Anwendungsfälle der Neuregelung ergeben, die nicht zwingend eine Änderung der vertraglichen Grundlagen voraussetzen. Überdies wird die IBOR-Reform häufig von den Vertragsparteien zum Anlass genommen weitere Vertragsmodifikationen in Finanzinstrumenten vorzunehmen, die jedoch nach den geänderten Vorschriften nicht unter den Anwendungskreis der Vereinfachungsregeln fallen. Es besteht somit grundsätzlich eine Pflicht, die insgesamt vorgenommene Vertragsanpassung zu zerlegen und differenziert - in Abhängigkeit ihrer Änderungsgründe - entweder nach den nunmehr geschaffenen praktischen Vereinfachungen oder nach der bisherigen Regelbilanzierung nach IFRS 9 zu bilanzieren.

Bei Anwendungsfragen zu der Neuregelung wenden Sie sich gerne an mich oder die Kolleginnen und Kollegen der Accounting Advisory Group der BDO AG.