Wir verwenden Cookies auf unserer Webseite, um Ihren Besuch effizienter zu machen und Ihnen eine möglichst angenehme Nutzung bieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Dafür setzen wir Google Analytics ein. Weitere Informationen finden Sie in unserer DATENSCHUTZERKLÄRUNG.
Aktuelles:

Frühwarnsysteme: Höhere Anforderungen in Krise und Insolvenz – mehr Möglichkeiten

26. November 2019

Die EU hat eine bis Mitte 2021 umzusetzende Richtlinie über präventive Restrukturierungsrahmen, über Entschuldung und über Tätigkeitsverbote sowie über Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz von Restrukturierungs-, Insolvenz- und Entschuldungsverfahren beschlossen, die die Qualität und Aussagekraft der Zahlen von Unternehmen erhöhen und die Unternehmenssteuerung verbessern soll.

Die einzuführenden Frühwarnsysteme sollen klare Hinweise auf die wirtschaftliche Situation eines Unternehmens und mögliche Entwicklungen geben. Sie können Mechanismen zur Benachrichtigung enthalten, wenn beispielsweise bestimmte Arten von Zahlungen nicht getätigt werden. Zudem sollen Dritte, die über relevante Informationen von Unternehmen verfügen, zum Beispiel Wirtschaftsprüfer, Steuerbehörden oder Sozialversicherungsträger, künftig verpflichte werden, das jeweilige Unternehmen auf negative Entwicklungen aufmerksam zu machen. Besondere Brisanz, insbesondere im Hinblick auf Haftungsrisiken, hat dies bei einer Betrachtung im Kontext zu den steigenden Anforderungen der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs im Zusammenhang mit der Erstellung und Prüfung von Sanierungskonzepten und bei der Aufstellung von Jahresabschlüssen unter „going-concern“.

Qualität sowie Homogenität der Daten bietet zahlreiche Chancen aber auch Herausforderungen. Momentan verfügbare Business-Analytics-Methoden können bereits aussagekräftige Ergebnisse produzieren – zukünftig wird das Spektrum durch sogenannte „Predictive Analytics“ erweitert.

Die bei einer Einführung solcher Systeme entstehenden Herausforderungen, insbesondere zur Frühwarnung bezüglich der wirtschaftlichen Schieflage eines Unternehmens, müssen vor allem die Organe der Unternehmen stemmen. Sie sollen bei einer möglichen Krise die wirtschaftlichen Interessen der Beteiligten berücksichtigen, notwendige Schritte einleiten, um eine Krise zu vermeiden, und insgesamt zum Wohl des Unternehmens handeln. Dies kann mit persönlicher Haftung verbunden sein.

Die Entwicklungen zur Sicherstellung einer früheren Erkennbarkeit von Krisen folgt dem Ziel, Werte für alle Stakeholder eines Unternehmens zu sichern. Dies geschieht, indem frühzeitig wirtschaftlich ungünstige Entwicklungen erkannt, Gegenmaßnahmen ergriffen und gegebenenfalls Verhandlungen geführt werden, um eine Verschärfung der Krise bzw. die Insolvenz zu vermeiden.

Die Richtlinie hat daher zum Ziel, einen Rahmen für die bisher alternativen Möglichkeiten einer Restrukturierung mit oder ohne Insolvenz zu schaffen. Kern der Richtlinie sind daher Restrukturierungspläne, die der Erhaltung der wirtschaftlichen Überlebens- bzw. der Leistungsfähigkeit des Schuldners (Unternehmens) dienen. Die von diesen Regelungen betroffenen Gläubiger stimmen über die Restrukturierungspläne nach dem Mehrheitsprinzip ab. Die Abstimmung erfolgt dabei in Gruppen bzw. Klassen, wobei bei der Einteilung den wirtschaftlichen Interessen der Beteiligten Rechnung getragen wird. Werden einzelne Gläubiger überstimmt, muss der Restrukturierungsplan gerichtlich bestätigt werden. Der laufende Geschäftsbetrieb kann während der Erstellung und Aushandlung eines Restrukturierungsplans vor Störungen durch Zwangsvollstreckungsmaßnahmen einzelner Gläubiger oder durch den Wegfall betriebsnotwendiger Vertragsverhältnisse geschützt werden. Um diesen Schutz zu ermöglichen, kann das zuständige Gericht ein Moratorium anordnen. Ferner ist in der neuen Richtlinie geregelt, dass neue Finanzierungen, die innerhalb einer Präventiven Restrukturierung gewährt werden, im Fall einer späteren Insolvenz vor Anfechtungen durch den Insolvenzverwalter geschützt werden.

Ein weiteres Ziel der Richtlinie ist eine Verhaltensänderung während der unternehmerischen Krise und die Bewältigung dieser. Durch die Veränderung des Fokus aller Beteiligten kann dies gelingen:

Künftig werden ganzheitliche Daten- und Managementsysteme an Bedeutung gewinnen
Quelle: BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft 2019

Künftig werden ganzheitliche Daten- und Managementsysteme an Bedeutung gewinnen. Diesen zusätzlichen An- und Herausforderungen kann man nur mit multidisziplinären Lösungsansätzen entgegentreten. Wirtschaftsprüfer werden sich vergewissern müssen, ob entsprechende taugliche und aussagekräftige Systeme vorhanden sind, die insbesondere der Frühwarnung dienen.

Insgesamt ist zu erwarten, dass es mit der Richtlinie gelingen wird, die Datenqualität in den Unternehmen zu erhöhen und Krisen zu vermeiden. So entsteht ein besserer Schutz von Werten, was im Interesse aller Stakeholder eines Unternehmens sowie der gesamten Volkswirtschaft ist.