Die Entwicklung von Bauvorhaben und insbesondere Wohn- und Stadtquartieren steht heute unter erhöhtem Druck: volatile Baukosten, anspruchsvolle Finanzierungsbedingungen und steigende Anforderungen an Nachhaltigkeit und Nutzungsmix erschweren fundierte Investitionsentscheidungen.

Gerade institutionelle Investoren und langfristig orientierte Kapitalträger stehen vor der Herausforderung, nicht nur wirtschaftlich tragfähige, sondern auch wertstabile und risikooptimierte Anlageoptionen zu identifizieren.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die integrierte Validierung von Business Cases in frühen Projektphasen erheblich an Bedeutung.

Quartiersentwicklung als Anlageinstrument

Im Rahmen eines kürzlich begleiteten Projekts wurde ein geplantes Wohn- und Stadtquartier als strategische Maßnahme zur langfristigen Sicherung von Verpflichtungen betrachtet.

Im Fokus stand dabei die Frage, inwieweit sich das Projekt als stabiler Baustein für ein risiko- und liquiditätsoptimiertes Planvermögen eignet.

Die Zielsetzung der Projektverantwortlichen umfasste insbesondere:

  • den Aufbau und die Sicherung eines langfristig werthaltigen Anlageportfolios,
  • die Entwicklung eines zukunftsfähigen, nutzungsgemischten Quartiers in innerstädtischer Lage,
  • sowie die Förderung städtebaulicher Qualität durch Vernetzung, Durchlässigkeit und Aufenthaltsqualität.

Diese Kombination aus wirtschaftlicher, funktionaler und städtebaulicher Zielsetzung verdeutlicht die gestiegene Komplexität moderner Quartiersentwicklungen.

Interdisziplinärer Ansatz als Schlüssel zum Ergebnis

Zur Validierung des Business Case wurde bewusst ein interdisziplinärer Ansatz gewählt, bei dem die Perspektiven aus Immobilienbewertung, Baurevision und Financial Services eng verzahnt wurden.

Während die Immobilienbewertung die markt- und erlösspezifische Perspektive einbrachte, übernahm die Baurevision die terminliche und kostenseitige Verifizierung sowie die baufachliche Einordnung der Projektrealisierbarkeit. Durch die Einbindung von Financial Services konnte die Finanzierungsseite nicht nur nachvollzogen, sondern auch in ihrer Sensitivität und langfristigen Tragfähigkeit verlässlich eingeordnet werden.

Der entscheidende Mehrwert lag nicht in der Einzelbetrachtung, sondern in der integrierten Betrachtung und Konsolidierung sämtlicher Annahmen und Gutachten für eine ganzheitliche Validierung des Business Case. 

Validierung entlang zentraler Analysefelder 

Die Validierung erfolgte entlang eines klar strukturierten Prüfungsrahmens mit folgenden zentralen Analysefeldern:


A Kostenanalyse
  • Abgleich der Kostengrundlagen mit DIN 276 
  • Plausibilitätsprüfung von Planungs- und Baukosten
  • Berücksichtigung interner Kostenansätze

B Termine 
  • Kritischer‑Pfad‑Review 
  • Schnittstellen und Meilensteine
  • Validierung potenzielle Verzögerungsrisiken

C Finanzierung
  • Prüfung der Finanzierungsstruktur 
  • Nachvollzug Finanzierungsplan
  • Verifikation von Zins-/Tilgungsannahmen
D Erlös
  • Validierung der Erlösstruktur
  • Prüfung der Miethöhe Wohnen/Gewerbe
  • Indexierung und Vermarktungsdauer
  • Plausibilisierung der Sensitivitäten

E Business Case Ansätze
  • Verifikation von Flächenansätze (DIN 277) sowie EP/Kennzahlen
  • Stichprobenprüfung von Parametern/Annahmen
  • Nachvollzug der Bewertungsverfahren

F Konsolidierung Gutachten / fachliche Grundlagen
  • Identifikation und Quantifizierung von Inkonsistenzen


Qualität der Projektvorbereitung als Erfolgsbasis

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor in diesem Projekt war die außergewöhnlich strukturierte und fundierte Vorarbeit der Projektverantwortlichen. Diese zeigte sich insbesondere in:

  • einer differenzierten und nachvollziehbaren Variantenentwicklung mit Kosten und Erlösen,
  • einer qualitativ hochwertigen und konsistent aufgebauten Gutachtenbasis
  • sowie frühzeitig entwickelten und durchdachten Finanzierungsstrategien.

Diese Ausgangslage ermöglichte eine effiziente Validierung und unterstreicht, wie entscheidend die Qualität der frühen Projektphase für den späteren Projekterfolg ist.

Entscheidungsgrundlagen durch Transparenz

Durch die interdisziplinäre Herangehensweise konnte ein komplexes Geflecht einzelner Annahmen in ein klares, konsistentes und belastbares Gesamtbild überführt werden.

Zentrale Mehrwerte waren:

  • die frühzeitige Identifikation von Inkonsistenzen und Risiken,
  • eine erhöhte Transparenz über alle wertrelevanten Einflussfaktoren,
  • eine Herausstellung von möglichen Optimierungspotenzialen,
  • sowie eine tragfähige Grundlage für strategische Investitionsentscheidungen.

Integration statt Fragmentierung

Das Projekt verdeutlicht, dass die Herausforderungen moderner Quartiersentwicklungen durch eine isolierte Analyse einzelner Aspekte nicht wirkungsvoll adressiert werden können, sondern eine ganzheitliche Perspektive erfordern. 

Erst die integrierte Betrachtung von Kosten, Erlösen, Zeit, Finanzierung und den zugrunde liegenden Business Case Ansätzen schafft die notwendige Entscheidungsqualität – insbesondere in frühen Projektphasen.

Das Branchen Center Real Estate von BDO verfolgt diesen Ansatz konsequent weiter, indem interdisziplinäre Teams, strukturierte Methoden und ein klar formuliertes Ziel zusammengeführt werden, komplexe Projekte in belastbare Entscheidungsgrundlagen zu überführen.

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Dieser Artikel wurde verfasst von

Foto von Sandra Mikosch
Bauingenieurin B.Sc. und Umweltingenieurin M.Sc., Fachkraft für Arbeitssicherheit, Managerin, Audit & Assurance, Forensic, Risk & Compliance