Am gestrigen Donnerstag hat der Bundestag den Gesetzentwurf zur Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungs-Quote (THG-Quote) angenommen und damit der schrittweisen Anhebung der THG-Quote auf 65 Prozent bis 2040 zugestimmt. Ziel der Regelung ist es, die CO2-Emissionen im Straßenverkehr durch verbindliche Minderungsquoten für Kraftstoffanbieter weiter zu senken. Kraftstoffanbieter können hierzu auf nachhaltige Biokraftstoffe, RFNBO (kraftstoffähnliche Produkte auf Basis erneuerbaren Stroms bzw. grünem Wasserstoff), Ladestrom für Elektrofahrzeuge sowie den Erwerb von Zertifikaten Dritter zurückgreifen.
Die Änderungen betreffen damit eine breite Palette wirtschaftlicher Akteure, darunter Mineralöl- und Kraftstofflieferanten, Raffinerien, Handelsunternehmen mit Kraftstoffvertrieb, Produzenten von Biokraftstoffen und RFNBO (z. B. E-Fuels, grüner Wasserstoff), Betreiber von Ladeinfrastruktur, Energieversorger einschließlich Biogasanlagenbetreiber, Agrarbetriebe mit Energieerzeugung, Logistik- und Flottenbetreiber sowie Zertifizierungs- und Handelsakteure im THG-Zertifikatemarkt.
Für diese Akteure ergeben sich erhebliche operative Auswirkungen: Es bestehen erhöhte Anforderungen an Emissionsbilanzierung, Nachweisführung und Zertifizierung sowie notwendige Anpassungen in Beschaffung, Fuel‑Mix‑Planung und Reporting; zugleich können veränderte Anrechnungsoptionen zu finanziellen Mehrbelastungen, aber auch zu neuen Marktchancen führen. Auf strategischer Ebene besteht ein beschleunigter Investitionsbedarf etwa für Flottenbetrieb, Produktion und Beschaffung erneuerbarer Kraftstoffe; darüber hinaus eröffnen sich Risiken und Chancen im Hinblick auf Preisbildung und den Handel mit THG‑Zertifikaten.
Das Zeitfenster, die richtigen Weichen zu stellen, ist aufgrund der Fristsetzungen und stufenweise Erhöhung bis 2040 begrenzt, deshalb sollten betroffene Unternehmen kurzfristig ihre aktuelle Investitions- und Beschaffungsstrategie überprüfen. Bei fehlender Vorbereitung drohen Wettbewerbs‑ und Finanzrisiken, etwa höhere Beschaffungskosten, Sanktionen oder verpasste Förder‑ und Handelschancen sowie daraus resultierende Wettbewerbsnachteile.
Gleichzeitig bieten sich strategische Chancen: Der frühzeitige Aufbau von Produktionskapazitäten für RFNBO oder biogasbasierten Ladestrom sowie die gezielte Optimierung des Fuel‑Mix können Marktanteile sichern und Ertragspotenziale heben. Allerdings steigen Komplexität und Compliance‑Risiken, denn neue Quotenregelungen, eine beschleunigte RFNBO‑Unterquote und die Einbeziehung von Biogas‑Ladestrom erfordern robuste Nachweis‑ und Kontrollprozesse.
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