Die US-Zollpolitik erlebt im Jahr 2026 einen tiefgreifenden Wandel. Nachdem ein zentraler Baustein protektionistischer Maßnahmen vor Gericht gefallen ist, bleibt das tarifäre System dynamisch, vielfach mehrschichtig und weiterhin ein Kernrisiko für international tätige Unternehmen.

Supreme Court stoppt IEEPA-Zölle

Am 20. Februar 2026 entschied der US Supreme Court, dass der Präsident keine Befugnis habe, umfassende Zölle allein auf Grundlage des International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) zu erheben. Diese Notstandsgesetzgebung sei nicht dazu gedacht, Zollabgaben festzulegen – eine hoheitliche Aufgabe, die dem Kongress vorbehalten sei.

Als Folge wurden die meisten IEEPA-Zölle für rechtswidrig erklärt. Die US-Zollbehörde US Customs and Border Protection (CBP) richtet derzeit ein elektronisches Erstattungsportal (CAPE-System) ein, über das Importeure ihre Rückerstattungsansprüche anmelden können. 

Sektorale Zölle bleiben aktiv

Die Supreme-Court-Entscheidung betraf nur die IEEPA-Zölle – nicht die sektoralen Zollsätze:

  • Section 232 (Trade Expansion Act 1962):
    • Tarife auf Stahl, Aluminium und Kupfer 
    • Neue Proklamation 2026: bis zu 50 % auf Stahlprodukte, 25 % auf derivative Produkte (Maschinen, Fahrzeugteile) 
    • ggf. weitere neue Produkte
  • Section 301 (Trade Act 1974):
    • Zölle gegen Handelspartner bei nachgewiesenen unlauteren Praktiken
    • Sätze zwischen 7,5 % und 25 %, teilweise sektorspezifisch

Zusätzlich gibt es Section 122 für kurzfristige globale Zölle. Damit ergibt sich eine vielschichtige Zolllandschaft, die Unternehmen kontinuierlich beobachten müssen.

Handlungsempfehlungen für deutsche und europäische Unternehmen

Für Unternehmen, die in die USA exportieren, ist die Situation hoch relevant - gerade, wenn es sich um Intercompany Lieferungen handelt:

  • Es ist entscheidend, sich mit dem aktuellen Sachstand vertraut zu machen und zu klären, wer der „Importer of Record“ und damit der „Zollschuldner“ in den USA ist.
  • Ein effektives, transparentes Zollmanagement sollte etabliert werden (ACE Reporting, Entry List & Duty calculation, Customs Tarif Codes).
  • Prüfung der Zollanmeldungen die durch den Zollbroker erstellt wurden.

Nur so können Kosten und Wertschöpfung jederzeit im Blick behalten und fundierte Entscheidungen getroffen werden, die für Verantwortliche relevant sind.

Fazit 

Die aktuelle Entwicklung zeigt: Zölle verschwinden nicht, sie werden nur neu strukturiert. Wer die tariflichen Schichten, Erstattungsprozesse und sektorspezifischen Regelungen versteht, kann Risiken minimieren und Chancen zur Optimierung der Supply Chain nutzen.

Die US-Zollpolitik bleibt komplex und dynamisch. Ein frühzeitiges Monitoring, ein strukturiertes Zollmanagement und die Einbindung von Compliance- und Finanzteams sind heute unverzichtbar, um Kosten, Risiken und Wertschöpfung effektiv zu steuern.


Unser US Customs Desk:

Gerne unterstützen wir Sie aktiv dabei, Ihre US-Zollaktivitäten strukturiert, transparent und effizient zu steuern. Unser US Customs Desk koordiniert sämtliche US-bezogenen Zollthemen für Ihr Unternehmen aus Deutschland heraus und schafft eine verlässliche Grundlage für fundierte Entscheidungen.

Wir analysieren Ihre Daten, Prozesse und Strukturen, identifizieren Optimierungspotenziale und begleiten Sie bei der Umsetzung geeigneter Maßnahmen. Dabei übernehmen wir die Abstimmung mit Ihrem Zollbroker und unterstützen Sie gezielt bei der Vorbereitung und Durchsetzung von Zollerstattungen.

Durch die Einbindung des internationalen BDO Netzwerks erhalten Sie Zugang zu fundierter Expertise bei strategischen Fragestellungen sowie bei der Kommunikation mit den zuständigen Behörden - auch über Landesgrenzen hinaus. Unser BDO Customs Dashboard sorgt zusätzlich für Transparenz über potenzielle und laufende Erstattungen und ermöglicht Ihnen jederzeit einen klaren Überblick über finanzielle Effekte und Fortschritte.

So schaffen wir gemeinsam die Grundlage für ein effizientes Zollmanagement, reduzieren Risiken und sichern finanzielle Vorteile für Ihr Unternehmen.

Dieser Artikel wurde verfasst von

Holger Bauer
Dipl. Wirtschaftsjurist (FH), Partner, Tax & Legal
German Indirect Tax

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