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Zoll-Compliance wird zur Managementfrage – warum CEO, CFO und Zollverantwortliche weltweit stärker im Fokus stehen

Die internationale Zollwelt verändert sich grundlegend. Was lange Zeit primär als operative Aufgabe der Import- und Exportabwicklung galt, entwickelt sich zunehmend zu einem strategischen Governance- und Compliance-Thema mit direkter Relevanz für Geschäftsführung und Finanzleitung. Weltweit verschärfen Zollbehörden ihre Kontrollen, digitalisieren Risikoanalysen und richten ihren Blick verstärkt auf die verantwortlichen Personen hinter den Prozessen. Besonders sichtbar wird diese Entwicklung derzeit in den USA – doch auch die Europäische Union verfolgt eine klare Linie: Zoll-Compliance ist nicht mehr nur eine Frage korrekter Anmeldungen, sondern Ausdruck funktionierender Unternehmensführung.

Persönliche Verantwortlichkeit rückt in den Fokus

Im europäischen Zollrecht zeigt sich dieser Wandel insbesondere bei zollrechtlichen Bewilligungen wie dem AEO-Status. Behörden prüfen heute nicht nur die Zuverlässigkeit des Unternehmens selbst, sondern ausdrücklich auch:

  • Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer,
  • Vorstände,
  • CFOs,
  • Zoll- und Trade-Compliance-Verantwortliche,
  • sowie Personen mit tatsächlicher Entscheidungs- oder Kontrollfunktion.

Dabei geht es längst nicht mehr ausschließlich um klassische Zollfehler. Bewertet werden zunehmend:

  • Organisationsstrukturen,
  • interne Kontrollsysteme,
  • Compliance-Prozesse,
  • Eskalationsmechanismen,
  • sowie die allgemeine Governance im Außenhandel.

In Deutschland kann im Rahmen entsprechender Prüfungen sogar die steuerliche Identifikationsnummer verantwortlicher Personen herangezogen werden, um relevante Verstöße gegen Steuer- oder Zollvorschriften eindeutig zuzuordnen. Damit wird deutlich: Behörden betrachten Zoll-Compliance zunehmend auch als Frage persönlicher Integrität und Managementverantwortung.

USA: Trade Enforcement wird geopolitisches Instrument

Noch dynamischer entwickelt sich die Situation in den USA. Die amerikanische Zollbehörde CBP (U.S. Customs and Border Protection) verfolgt inzwischen einen deutlich verschärften Enforcement-Ansatz.

Im Fokus stehen insbesondere:

  • Forced-Labor-Themen,
  • Sanktions-Compliance,
  • Umgehung von Strafzöllen,
  • falsche Ursprungsangaben,
  • Unterbewertungen,
  • sowie E-Commerce- und De-Minimis-Strukturen.

Die USA nutzen Zollkontrollen heute zunehmend als wirtschafts- und sicherheitspolitisches Instrument. Moderne Datenanalysen, KI-gestützte Risikomodelle und internationale Informationsnetzwerke ermöglichen eine deutlich tiefere Transparenz globaler Lieferketten.

Gerade international tätige Unternehmen spüren die Folgen:

  • intensivere Prüfungen,
  • steigende Dokumentationsanforderungen,
  • längere Freigabeprozesse,
  • höhere Nachforderungsrisiken,
  • und zunehmende Anforderungen an die Nachweisführung entlang der gesamten Supply Chain.

 

CFOs rückt näher an den Zoll

Besonders interessant ist in diesem Kontext die wachsende Rolle von CFOs. Während Zollthemen früher häufig rein operativ verortet wurden, erkennen viele Unternehmen inzwischen die unmittelbaren finanziellen Auswirkungen mangelnder Trade Compliance:

  • Zollnachforderungen,
  • Strafzahlungen,
  • Verlust von Bewilligungen,
  • Liquiditätsbelastungen,
  • Reputationsschäden,
  • sowie Störungen globaler Lieferketten.

Zudem erwarten Behörden heute belastbare Kontrollsysteme und nachvollziehbare Governance-Strukturen. Der Verweis auf operative Fachabteilungen reicht dabei immer seltener aus.

Damit entwickelt sich Zoll-Compliance zunehmend zu einem Bestandteil moderner Corporate Governance – vergleichbar mit Datenschutz, Geldwäscheprävention oder Cybersecurity.

Zoll-Compliance wird zum Wettbewerbsvorteil

Immer mehr Unternehmen erkennen inzwischen, dass funktionierende Zoll-Compliance nicht nur Risiken reduziert, sondern auch operative Vorteile schafft:

  • stabilere Lieferketten,
  • schnellere Zollprozesse,
  • bessere Planbarkeit,
  • höhere Transparenz,
  • und geringere Prüfungsrisiken.

Insbesondere bei geopolitischen Spannungen, neuen Strafzöllen und zunehmenden ESG-Anforderungen wird die Fähigkeit zur transparenten Steuerung internationaler Warenströme zu einem echten Wettbewerbsfaktor.

Wie BDO Unternehmen bei Customs & International Trade Compliance unterstützt

Vor diesem Hintergrund gewinnt eine integrierte und international abgestimmte Zoll- und Trade-Compliance-Beratung massiv an Bedeutung. Genau hier unterstützen die Customs & International Trade Services von BDO Unternehmen dabei, regulatorische Risiken frühzeitig zu identifizieren und belastbare Compliance-Strukturen aufzubauen.

Der Fokus liegt dabei nicht nur auf der klassischen Zollabwicklung, sondern auf einem ganzheitlichen Governance-Ansatz entlang der globalen Lieferkette.

Zu den zentralen Unterstützungsleistungen gehören insbesondere:

  • Durchführung von Zoll- und Trade-Compliance-Assessments
  • Aufbau und Optimierung interner Kontrollsysteme (IKS)
  • Vorbereitung und Begleitung von AEO-Bewilligungen
  • Risikoanalysen für internationale Lieferketten
  • Review von Ursprung, Tarifierung und Zollwert
  • Unterstützung bei CBAM-, Sanktions- und Forced-Labor-Anforderungen
  • Begleitung von Zollprüfungen und Behördenverfahren
  • Entwicklung globaler Customs-Governance-Strukturen
  • Schulungen für Management, Finance und operative Fachbereiche
  • Digitalisierung und Automatisierung von Zollprozessen


Gerade bei international tätigen Unternehmensgruppen ist zudem die globale Vernetzung entscheidend. Unsere Expertinnen und Experten im Bereich Customs & International Trade Teams unterstützen Unternehmen dabei, regulatorische Anforderungen über verschiedene Jurisdiktionen hinweg konsistent umzusetzen – insbesondere auch im Spannungsfeld zwischen EU-Regulierung und verschärftem US-Trade-Enforcement.

Rund um diesen Themenbereich bieten unsere Expertinnen und Experten immer wieder Web Seminare zur aktuellen Entwicklung an. Alle Informationen hierzu finden Sie in unserem Event-Bereich.

Dieser Artikel wurde verfasst von

Holger Bauer
Dipl. Wirtschaftsjurist (FH), Partner, Tax & Legal
German Indirect Tax