In der heutigen globalisierten und schnelllebigen Wirtschaft sehen sich Unternehmen mit einer Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert, die oft über nationale Grenzen hinausgehen. Die Internationalisierung stellt für viele deutsche Familienunternehmen und mittelständische Unternehmen im Allgemeinen eine Schlüsselstrategie dar, um auf die dynamischen Veränderungen der globalen Märkte agil reagieren zu können. Zudem ermöglicht sie es Unternehmen, neue und erforderliche Wachstumspotenziale zu erschließen und sich dadurch am Markt weiterhin behaupten zu können. Die Internationalisierung ist jedoch nicht nur eine Chance, die Unternehmen unbedingt nutzen sollten, sondern auch ein Prozess, der gut geplant werden sollte und ein bedeutender Schritt, für den es Mut bedarf.

Expansion in neue Länder  

Angesichts des oft intensiven Wettbewerbs auf dem heimischen Markt und wirtschaftlicher Unsicherheiten suchen Unternehmen nach neuen Wachstumschancen. Die Expansion in neue Länder ist dabei für viele deutsche Unternehmen attraktiv, da sie Umsatzsteigerung und Marktdiversifizierung ermöglicht und so zur Risikominderung beiträgt. Zudem eröffnet die Erschließung internationaler Märkte den Zugang zu neuen Kundinnen und Kunden, Talenten sowie Technologien. Insbesondere in Zeiten verkürzter Innovationszyklen können Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit durch internationale Aktivitäten steigern und von unterschiedlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen profitieren.

Klare Strategie und Planung 

Der Prozess der Internationalisierung erfordert dabei eine klare Strategie und eine umfassende Planung. Zunächst sollten Unternehmen eine detaillierte Marktanalyse durchführen und die rechtlichen Rahmenbedingungen in den Zielmärkten genau prüfen. Jedes Land hat eigene Gesetze und Vorschriften, die die Geschäftstätigkeit betreffen können. Dies reicht von arbeitsrechtlichen Bestimmungen über steuerliche Vorschriften bis hin zu import- und exportrechtlichen Regelungen. Insbesondere die internationalen steuerlichen Rahmenbedingungen, die sich sowohl durch die lokalen Steuergesetze als auch durch internationale Vereinbarungen wie Pillar 2 ergeben, gilt es zu klären. Daneben gilt es, Förderungen im Blick zu haben und auch steuerliche Rahmenbedingungen sind mit zu berücksichtigen. Wir haben nachfolgend einige ausgewählte Aspekte aufgegriffen.

Beispielsfall:

Unser mittelständischer Kunde wollte über den Erwerb eines Target-Unternehmens nach Südamerika expandieren. Es wurde ein Partner gesucht, der einen Start in Brasilien zunächst ohne eigenes Verwaltungspersonal möglich macht, als zentrale Anlaufstelle fungiert und sämtliche administrativen Tätigkeiten von Postadresse über Buchhaltung bis zur Zolladresse erledigt. 

Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen von BDO aus Brasilien konnten wir in diesem Fall eine große Vielfalt an Services wie z.B. Lohn- und Finanzbuchhaltung und Reporting anbieten, die bei einem Neustart im Ausland insbesondere in der Anfangszeit benötigt werden. Unser Kunde konnte so sehr zeitnah ohne eigenes Verwaltungspersonal vor Ort starten.

Umsatzsteuer 

Bei der Internationalisierung ist die Umsatzsteuer ein entscheidender Aspekt, den Unternehmen priorisieren sollten. Die Einführung neuer Geschäftsmodelle bringt häufig spezifische Registrierungspflichten im Ausland mit sich. Unternehmen müssen sicherstellen, dass sie die umsatzsteuerlichen Anforderungen in den jeweiligen Zielmärkten korrekt erfüllen, um rechtliche und finanzielle Risiken zu vermeiden. 

Ein entscheidender Punkt ist es, die Buchführung bei der Erfassung und Verarbeitung von Ein- und Ausgangsleistungen richtig aufzusetzen. Insbesondere bei Massendaten kann ein systematischer Fehler schnell zu existenziellen Mehrbelastungen und hohem Verwaltungsaufwand führen. Falsche Umsatzsteuersätze oder fehlerhafte Rechnungsstellungen können nicht nur zu Nachzahlungen führen, sondern auch zu Strafen seitens der Steuerbehörden.

Pillar 2

Die globale Mindestbesteuerung, auch bekannt als Pillar 2, ist ein bedeutendes internationales Steuerreformprojekt. Pillar 2 zielt darauf ab, den Steuerwettbewerb zu reduzieren und ein faires Steuerumfeld zu schaffen, indem sie Unternehmen dazu verpflichtet, in jedem Land, in dem sie tätig sind, einen bestimmten steuerlichen Mindestsatz zu zahlen. Die globale Mindestbesteuerung kann erhebliche Auswirkungen auf Unternehmen haben. Sie bringt zusätzliche Compliance-Anforderungen mit sich, die Unternehmen in ihrer operativen und finanziellen Planung berücksichtigen müssen. Außerdem werden durch Pillar 2 neue, zum Teil hochkomplexe steuerliche Berechnungen eingeführt, die auf einer komplett neuen Berechnungssystematik beruhen. Weiterhin ist auf Basis der durchzuführenden Berechnungen zu prüfen, ob ein tatsächliches Steuerrisiko droht. Dies führt zu einer erhöhten administrativen Belastung und zusätzlichen Kosten. Insgesamt ist Pillar 2 ein bedeutender Schritt in Richtung eines gerechteren und transparenteren internationalen Steuersystems, dessen Auswirkungen Unternehmen jedoch nicht ignorieren können. Die politische Debatte um Pillar 2 ist weltweit nach wie vor in vollem Gange und Unternehmen sollten die neuesten Entwicklungen genau beobachten.

Forschungszulage national und international

Forschungszulagen sind für Unternehmen sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene hochgradig attraktiv. Sie unterstützen Unternehmen dabei, innovative Projekte zu realisieren, neue Produkte zu entwickeln und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Insbesondere in einer Zeit, in der technologische Fortschritte und digitale Transformation die Märkte rapide verändern, können entsprechende Förderungen eine entscheidende Rolle dabei spielen, Unternehmen zu ermutigen, in zukunftsweisende Technologien und Lösungen zu investieren. 

Forschungszulagen sind in vielen Ländern verbreitet und bieten Unternehmen vielfältige Möglichkeiten zur Förderung ihrer Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten. Während einige Länder ausschließlich auf Steuervergünstigungen (Tax Credits) setzen, gewähren andere eine Auszahlung dieser Credits. Zudem bieten viele Staaten sogenannte „Super Deductions“, bei denen Unternehmen mehr absetzen können, als tatsächlich an Forschungs- und Entwicklungskosten angefallen sind.

Zölle 

Bei der Einfuhr von Waren können Zölle sowie Aufwendungen für die Anmeldung und Abführung anfallen. Die Auswirkung auf die Gesamtkosten der Produkte müssen einkalkuliert werden. Die Höhe der Zölle variiert je nach Land, Produktkategorie und Handelsabkommen, weshalb es entscheidend ist, sich vorab über die spezifischen Zollbestimmungen und -tarife im Zielmarkt zu informieren. Darüber hinaus unterliegen diese Regelungen einem kontinuierlichen Wandel, der durch sich verändernde handelspolitische Rahmenbedingungen bedingt ist.   

Unternehmen sollten auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, von Freihandelsabkommen oder Zollvergünstigungen zu profitieren, die die Kosten für den Import reduzieren können. Dies erfordert jedoch eine sorgfältige Planung und eine genaue Kenntnis der jeweiligen Regelungen. Ein fehlerhafter Umgang mit Zollanmeldungen oder falsche Klassifizierungen von Waren können nicht nur zu rechtlichen Problemen und hohen Zusatzkosten führen, sondern insbesondere auch zu Verzögerungen bei der Warenfreigabe und dem Weitertransport. 

In diesem Zusammenhang ist auch die Logistik entscheidend. Die effiziente Organisation von Lieferketten und die Sicherstellung der rechtzeitigen Lieferung von Produkten sind essenziell. Unternehmen sollten sich frühzeitig mit den logistischen Herausforderungen auseinandersetzen, die durch internationale Geschäfte entstehen können, und Strategien entwickeln, um diese Herausforderungen zu meistern. Dazu gehört die Auswahl geeigneter Transportdienstleister, die Optimierung von Lagerbeständen und die Implementierung eines effektiven Supply-Chain-Managements. Auch moderne Technologien, wie etwa digitale Plattformen zur Überwachung von Lieferketten, können dabei unterstützen, Transparenz und Effizienz zu erhöhen.

Fazit 

Die Internationalisierung erfordert Mut, sorgfältige Planung, Entscheidungsfreude und die Bereitschaft, aus Erfahrungen zu lernen. In der heutigen globalisierten Wirtschaft stehen Unternehmen vor zahlreichen Herausforderungen, weshalb die Internationalisierung für viele deutsche Familienunternehmen und mittelständische Unternehmen im Allgemeinen eine essenzielle Wachstumsstrategie darstellt. Diese Strategie ermöglicht den Zugang zu neuen Märkten, Kundinnen und Kunden sowie Technologien, erfordert jedoch eine sorgfältige Planung und eine klare Marktanalyse, um rechtliche und steuerliche Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Bei der Internationalisierung sind Aspekte wie die Umsatzsteuer, die Einhaltung von lokalen Gesetzen und internationalen Regelungen wie Pillar 2 von großer Bedeutung, um rechtliche und finanzielle Risiken zu minimieren. Zudem sind Forschungszulagen auf nationaler und internationaler Ebene attraktiv, da sie Innovationen fördern und die Wettbewerbsfähigkeit steigern können. Eine fundierte und nachhaltige Internationalisierungsstrategie ist somit entscheidend für den langfristigen Erfolg.

Dieser Artikel wurde verfasst von

Christina Busch
Steuerberaterin, Partnerin, Tax & Legal, Internationales Steuerrecht & Verrechnungspreise
Ira Rave
Steuerberaterin, Partnerin, Tax & Legal