Im Jahr 2024 veröffentlichte die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitfaden zur effektiven Risikodatenaggregation und Risikoberichterstattung (RDARR). In diesem legt sie Mindestauflagen für Finanzinstitute fest, um deren Fähigkeiten im Bereich der Risikodatenaggregation und des Datenqualitätsmanagements zu stärken. Gleichzeitig machte sie die RDARR-Fähigkeiten der Institute zu einer ihrer aufsichtsrechtlichen Prioritäten, ebenso wie nationale Aufsichtsbehörden wie die Bundesbank.
Der RDARR-Leitfaden führt einen harmonisierten Rahmen ein, der die BCBS-239-Grundsätze operationalisiert und strukturierte Kriterien für Data Governance, integrierte Datenarchitekturen sowie quantifizierbare Datenqualitätskennzahlen in der Risiko- und Finanzberichterstattung enthält. Er bietet nicht nur auf europäischer Ebene Orientierungshilfe, sondern auch national regulierten Banken, die den MaRisk-Vorschriften AT 4.3.4 und AT 4.3.5 unterliegen.
Das BCBS-239-Rahmenwerk legt 14 Grundsätze fest, um robuste Fähigkeiten zur Datenaggregation und Risikoberichterstattung zu etablieren und ein wirksames Risikomanagement sowie eine effektive Entscheidungsfindung zu gewährleisten. Diese zielen darauf ab, die Genauigkeit, Vollständigkeit, Aktualität und Anpassungsfähigkeit von Risikoinformationen institutsübergreifend zu verbessern.
In der Vergangenheit gab es bei der Umsetzung erhebliche Unterschiede zwischen Banken. Viele hatten aufgrund veralteter IT-Infrastrukturen, fragmentierter Datenarchitekturen und unzureichender Data Governance Frameworks Schwierigkeiten bei der Umsetzung der BCBS-239-Grundsätze. Aufsichtliche Bewertungen haben erhebliche Lücken aufgezeigt. Deshalb zielt der RDARR-Leitfaden der EZB darauf ab, diese Lücken zu schließen, indem er die aufsichtlichen Erwartungen klarstellt, messbare Compliance-Kriterien einführt und die Aufsichts- und Rechenschaftspflicht der Geschäftsleitung stärkt.
Der RDARR-Leitfaden der EZB nennt vier Dimensionen der Datenqualität, die Banken überwachen sollen: 1) Genauigkeit, 2) Integrität, 3) Vollständigkeit und 4) Aktualität. In der Praxis gibt es noch weitere Aspekte wie Konsistenz, Eindeutigkeit, Gültigkeit oder Rückverfolgbarkeit, die entlang des gesamten Datenlebenszyklus – von der Datenerfassung über die Datenspeicherung und -integration bis hin zur Datennutzung – berücksichtigt werden sollten. Die vier im RDARR-Leitfaden genannten Dimensionen sind jedoch das Minimum, das Banken managen müssen.
Um Datenqualität zu steuern, müssen Institute diese operationalisieren und darüber berichten. Die Messung der einzelnen Dimensionen ist nicht trivial und ihre sinnvolle Aggregation umso mehr. Andreas Igl, BDO-Professor für digitale Datenanalyse und Prüfungsunterstützung, hat das an Praktiker gerichtete „Handbuch Datenqualität“ verfasst, in dem er aufzeigt, wie die verschiedenen Dimensionen von Datenqualität gemessen und zu einem kontextspezifischen Feature Reliability Score (FRS) aggregiert werden können.
Der FRS fasst Bewertungen aus verschiedenen Datenqualitätsdimensionen zu einem einzigen Wert oder einem Vektor von Werten zusammen. Sein vorrangiges Ziel ist es, eine schnelle und vergleichbare Beurteilung der Qualität einzelner Merkmale zu ermöglichen, was ihn zu einem mächtigen Instrument für die Überwachung und Steuerung der Datenqualität macht.
Die Reise endet hier noch nicht. Datenqualität ist niemals perfekt und hängt vom Anwendungskontext ab. Banken müssen akzeptable Schwellenwerte festlegen und diese anschließend überwachen, um Schwachstellen transparent zu machen und risikobasierte Größen und Konzepte zu untermauern, wie beispielsweise ICAAP-Modellpuffer und Säule-1-MOC-Konzepte (Margin of Conservatism).
Abweichungen müssen analysiert werden, um strukturelle Probleme zu identifizieren, die behoben werden müssen. Datenqualitätsmessung ohne Mängelbehebung schafft keinen Mehrwert und verursacht lediglich zusätzliche Kosten.
Im Zeitalter von künstlicher Intelligenz ist Datenqualität wichtiger denn je. KI-Modelle sind auf hochwertige Daten angewiesen, um zuverlässige Erkenntnisse und Prognosen zu generieren. Inkonsistente, unvollständige oder veraltete Daten wirken sich direkt auf die Modellergebnisse aus und untergraben das Vertrauen in Analysen. Die Gewährleistung einer hohen Datenqualität ist daher nicht nur eine technische und regulatorische Notwendigkeit, sondern auch ein strategisches Muss.
Auf der Grundlage unserer Branchenerfahrung aus Prüfungs- und Beratungsaufträgen, unserer Kenntnis typischer Bereiche regulatorischer Bedenken und gestützt auf einen soliden akademischen Hintergrund können wir Ihnen helfen, Ihr Data Governance Framework zu implementieren oder zu verbessern. Unsere Dienstleistungen umfassen:




Prof. Dr. Andreas Igl