Hintergrund und Bedeutung

Die aktuellen US‑Zollregelungen sind für viele Unternehmen zugleich Risiko und Chance. Zölle, die unter dem IEEPA verhängt wurden, stehen auf einer rechtlich unsicheren Grundlage. Hier wird eine abschließende Entscheidung des US‑Supreme-Court erwartet, wodurch sich grundsätzlich die Möglichkeit rückwirkender Rückerstattungen eröffnet. Diese können jedoch pro Einfuhrvorgang komplex, fristgebunden und dokumentationsintensiv sein. Parallel dazu bestehen unter „Section 232“ gestaffelte Zölle (25 % bzw. 10 %) auf bestimmte Fahrzeugkategorien, wobei Entlastungsmechanismen wie das erweiterte Import Adjustment Offset Program (Offset-Programm, Zollerleichterungen bei US-Endmontage) und Vorteile aus dem USMCA bei geeigneter Supply‑Chain‑Gestaltung genutzt werden können. 

 

Praktische Auswirkungen für Unternehmen

Für Unternehmen bedeutet das im Alltag vor allem drei Dinge: 

  • Erstens müssen sie wissen, welche Entries bereits liquidiert und welche noch offen sind, denn davon hängt ab, ob eine Korrektur über eine Post Summary Correction (PSC) möglich ist oder ob ein Protestverfahren eingeleitet werden kann. 
  • Zweitens erfordern mögliche Rückerstattungen eine lückenlose Dokumentation von Handelsrechnungen, Zahlungsnachweisen, Certificates of Origin und weiteren Einfuhrunterlagen. 
  • Drittens bergen Zölle erhebliche Cashflow‑Risiken; Rückerstattungen sind denkbar, ihre zeitliche und rechtliche Realisierbarkeit bleibt jedoch unsicher. 

 

Konkrete Handlungsschritte (kurzfristig)

  1. Monitoring einrichten: Ein konsequentes Monitoring der Einfuhren über ACE (Automated Commercial Environment), um Entries zu überwachen und Liquidationszeitpunkte frühzeitig zu erkennen.
  2. Dokumentation sicherstellen: Alle relevanten Unterlagen (Rechnungen, Zahlungsbelege, Versand‑ und Einfuhrpapiere, Ursprungserklärungen) digital und revisionssicher archivieren.
  3. Rückerstattungsoptionen prüfen: 
    Post Summary Corrections (PSC) sind für noch nicht abgeschlossene Entries möglich. Frist: bis 314 Tage nach Entry, spätestens 15 Tage vor endgültiger Liquidation.
    Protests: Für bereits liquidierte Entries können innerhalb von 180 Tagen nach Liquidation Proteste eingelegt werden. 
  1. Cashflow-Szenarien erstellen: Parallel sollten unterschiedliche Outcomes (vollständige Rückerstattung, Teilrückerstattung, kein Erfolg) durchgespielt und die Liquiditätsplanung entsprechend angepasst werden.

 

Strategische Maßnahmen (mittelfristig)

Mittelfristig eröffnen sich neue strategische Handlungsfelder: 

  • Die Prüfung einer US‑Endmontage kann über das Offset‑Programm (u. a. Erleichterungen in Abhängigkeit vom Herstellerverkaufspreis/MSRP; Beispielansatz: 3,75 % des MSRP), wenn Endmontagekomponenten in den USA verarbeitet werden.
  • USMCA‑Potenziale nutzen: Lieferkette analysieren, förderfähige Teile identifizieren und Certificates of Origin sauber dokumentieren, um Zollvorteile geltend zu machen.
  • Drawback‑Optionen analysieren: Prüfung, ob bei späteren Exporten Zölle auf Teile erstattet werden können. 
  • Lieferkettenresilienz stärken: Evaluierung alternativer Beschaffungs‑ oder Fertigungsstandorte, wenn Zölle dauerhafte Belastungen darstellen.

 

Rechtliche & prozessuale Empfehlungen

Da die PSC- und Protestfristen kurz und zwingend sind, müssen sie strikt eingehalten werden. So können eingeschränkte Rückforderungsmöglichkeiten vermieden werden. In Einzelfällen kann es zudem sinnvoll sein, Liquidationszeitpunkte strategisch zu steuern, um Gerichtsentscheidungen oder Gesetzesänderungen abzuwarten. Eine laufende Rechtsbeobachtung ist ebenfalls unerlässlich, um Entscheidungen des US-Supreme-Courts sowie Änderungen der US-Handelspolitik zu kennen und die eigenen Prozesse bei Bedarf anzupassen. 

 

Unterstützung durch BDO

Die Expertinnen und Experten von BDO helfen Unternehmen dabei, ihre Lieferkette sowohl rechtlich abzusichern als auch finanziell zu optimieren. Das Leistungsspektrum umfasst dabei unter anderem die folgenden Punkte:

  • Analyse & Monitoring: Identifikation betroffener Entries, Überwachung der Liquidationen in ACE, Dokumentenprüfung. 
  • RückerstattungsstrategieVorbereitung und Einreichung von PSCs, Einlegung von Protesten, Anträge zur Friststeuerung. 
  • Supply‑Chain‑Checks & Compliance: Prüfung von US‑Endmontage-Optionen, USMCA‑Konformität, Dokumentationssupport für Certificates of Origin. 
  • Financial Planning: Simulation von Tariff‑Exposure, Einbindung möglicher Rückerstattungen in die Liquiditätsplanung. 
  • Training & Reporting: Implementierung interner Prozesse, Schulung von Teams und regelmäßiges Management‑Reporting.

 

Fazit 

Die aktuellen US‑Zollregelungen sind zugleich Risiko und Chance. Kurzfristig sind systematisches Monitoring und stringente Dokumentation entscheidend, um Rückerstattungsansprüche nicht zu verlieren. Mittelfristig können Unternehmen durch gezielte Supply‑Chain‑Gestaltung, Nutzung von Offset‑Programmen und USMCA‑Vorteilen deutliche Kostenvorteile realisieren. Entscheidend sind frühzeitiges Handeln, klare Prozesse und rechts- sowie operationell fundierte Beratung.

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