Gutes Risikomanagement erfordert gutes Management. Wenn es richtig durchgeführt wird, ist Risikomanagement keine gesonderte Geschäftstätigkeit, sondern wird zu einem integralen Bestandteil der Art und Weise, wie Ihr Unternehmen Entscheidungen trifft, Ressourcen zuweist und seine Ziele erreicht. In diesem Artikel unserer Risk Management Blueprint-Reihe zeigen wir Ihnen praktische Ansätze zur Messung und Darstellung des Werts des Risikomanagements. Sie erfahren, wie Sie Risikomanagement als positives Tool in Ihrem Unternehmen positionieren können, wodurch Ihre Leistungsfähigkeit gefördert wird, anstatt sie einzuschränken.

Drei Ansätze zur Bewertung des Risikomanagementwertes

Auch wenn es nahezu unmöglich erscheint, exakt festzustellen, welche potenziellen Vorfälle und Schäden dank des Risikomanagements genau vermieden werden können, gibt es verschiedene Möglichkeiten, einige der konkreten Vorteile Ihrer Risikomanagementaktivitäten hervorzuheben:

„Vorher-Nachher”-Vergleiche

Der einfachste Ansatz ist der Vergleich der Leistung Ihres Unternehmens vor und nach der Einführung spezifischer Risikomanagementpraktiken. Dieser Vergleich kann folgende Kennzahlen umfassen:

  • Trends bei der Häufigkeit und Schwere von Vorfällen
  • Verringerung der Leistungsschwankungen
  • Umsatzstabilität oder -wachstum
  • Kosteneinsparungen durch verhinderte Vorfälle
  • Verringerung der behördlichen Feststellungen

Branchenvergleich

Ein weiterer effektiver Ansatz ist der Vergleich der Risikoleistung Ihres Unternehmens mit ähnlichen Unternehmen in Ihrer Branche. Auch wenn Sie keinen Zugriff auf deren interne Daten haben, können Sie externe Indikatoren beobachten,
wie z. B.:

  • Behördliche Maßnahmen und Bußgelder
  • Öffentliche Vorfälle und Medienberichterstattung
  • Leistungsschwankungen im Vergleich zum Branchendurchschnitt
  • Kundenzufriedenheit und Kennzahlen zur Kundenbindung
  • Stabilität oder Wachstum des Marktanteils

Wenn Ihre Wettbewerber beispielsweise mit regulatorischen Herausforderungen oder öffentlichen Vorfällen konfrontiert sind, während Ihr Unternehmen stabil bleibt, ist dies ein indirekter Beweis für ein effektives Risikomanagement.

Ergänzend zu diesen Indikatoren bietet sich ein externer Vergleich an, indem Risikoberichte (im Lagebericht) anderer Unternehmen analysiert werden. Dadurch lässt sich nachvollziehen, wie vergleichbare oder ähnliche Risiken identifiziert, bewertet und gesteuert werden.

Kennzahlen für den Unternehmenserfolg

Der vielleicht aussagekräftigste Indikator für den Wert des Risikomanagements ist sein Beitrag zum Gesamterfolg Ihres Unternehmens. Risikomanagement zielt darauf ab, Ihre Geschäftsziele zu unterstützen und zu schützen, sodass organisatorische Erfolge einen indirekten Beweis für ein effektives Risikomanagement darstellen:

  • Erfolgsquote strategischer Projekte
  • Leistung neuer Produkte oder Initiativen
  • Mitarbeiterbindung und -zufriedenheit
  • Zuverlässigkeit der Infrastruktur und der Systeme
  • Kundenerfahrung und -loyalität

Geschäftlicher Erfolg ist ebenfalls ein Hinweis auf den Erfolg des Risikomanagements. Die oben genannten Ergebnisse spiegeln ebenso ein effektives Risikomanagement wider, wie gute Geschäftspraktiken.

Positives Risikomanagement: Wahrnehmung verändern, Ergebnisse verbessern

Eine der größten Herausforderungen im Risikomanagement ist die Wahrnehmung. Allzu oft betrachten Führungskräfte das Risikomanagement als Einschränkung, als notwendiges Übel, das die Entscheidungsfindung verlangsamt und Chancen einschränkt. Um diese Herausforderung zu bewältigen, befürworten wir ein sogenanntes positives Risikomanagement, das drei wesentliche Elemente umfasst:

1. Verhältnismäßiger Ansatz: Konzentration auf das Wesentliche

Wie wir in unserem ersten Artikel dargelegt haben, ist Verhältnismäßigkeit ein Kennzeichen eines ausgereiften Risikomanagements. Das bedeutet, dass Sie Ihre Ressourcen auf bedeutende Risiken konzentrieren und weniger wichtige Themen weniger streng überwachen. Durch diesen ausgewogenen Ansatz zeigen Sie dem Unternehmen, dass es beim Risikomanagement nicht darum geht, alles zu kontrollieren, sondern nur das, was wirklich wichtig ist.

2. Aus Erfolgen lernen: die Kraft der positiven Analyse

Während sich das traditionelle Risikomanagement darauf konzentriert, aus Fehlern zu lernen, übersehen wir oft eine ebenso wertvolle Quelle für Erkenntnisse: die Erfolge. In unserem neunten Artikel über die Bow-Tie-Analyse haben wir das Konzept des „positiven Bow-Tie” vorgestellt – die Anwendung der Ursachenanalyse, um zu verstehen, warum etwas außergewöhnlich gut gelaufen ist, und nicht nur, warum etwas fehlgeschlagen ist.

Wenn Sie Fälle analysieren, in denen enge Fristen eingehalten wurden, Systemumstellungen reibungslos verliefen oder die Kundenzufriedenheit die Erwartungen übertraf, identifizieren Sie die positiven Risikofaktoren, die Erfolg ermöglichen. Diese Erkenntnisse können dann systematisch in Ihrem gesamten Unternehmen angewendet werden, um die Leistung zu verbessern und gleichzeitig positive Assoziationen mit Risikomanagementpraktiken aufzubauen.

3. Risikomanagement als Leistungsstabilisator

Die vielleicht wirkungsvollste Methode, Risikomanagement positiv zu positionieren, besteht darin, es als Leistungsstabilisator und -förderer statt als Einschränkung zu betrachten. Ein effektives Risikomanagement schafft die Voraussetzungen für eine konsistente, vorhersehbare Leistung, die es Ihrem Unternehmen ermöglicht, ehrgeizige Ziele mit Zuversicht zu verfolgen. Indem Sie Risikomanagement als Voraussetzung für Ambitionen statt als Einschränkung positionieren, verändern Sie grundlegend, wie es innerhalb Ihres Unternehmens wahrgenommen und bewertet wird

Das Eisbergmodell: Visualisierung der Gesamtkosten von Kontrollentscheidungen

Wenn man über den Wert des Risikomanagements spricht, ist es wichtig, sowohl die sichtbaren Kosten und Nutzen als auch die verborgenen, weniger offensichtlichen Aspekte zu berücksichtigen, die unter der Oberfläche liegen. Stellen Sie sich das Prinzip wie einen Eisberg vor, bei dem die sichtbarsten Aspekte – wie die Kosten von Vorfällen oder Investitionen in Kontrollen – nur einen kleinen Teil der Gesamtwirkung ausmachen. Diese visuelle Metapher veranschaulicht, dass der Großteil der Kosten und Vorteile möglicherweise nicht sofort erkennbar ist, aber tiefgreifende Auswirkungen auf die Leistung Ihres Unternehmens hat.

Eisberg

Das optimale Gleichgewicht finden

Risikomanagement ist mit Kosten verbunden, das ist unbestreitbar. Es erfordert gewisse Ressourcen und verschiedene Rahmenbedingungen. Die entscheidende Frage ist, ob diese Investitionen mehr Wert schaffen, als sie kosten.

Das Eisbergmodell verdeutlicht, dass Kontrollentscheidungen in beide Richtungen versteckte Auswirkungen haben:

  • Übermäßige Kontrolle schränkt die Agilität Ihres Unternehmens ein, reduziert das Transaktionsvolumen und kann Innovationen behindern. Sie vermeiden zwar bestimmte Risiken, schränken aber auch Ihr Wachstumspotenzial und Ihren Erfolg ein.
  • Eine zu geringe Kontrolle kann zunächst zu einer schnelleren, schlankeren Organisation führen, führt jedoch in der Regel zu wiederkehrenden, vermeidbaren Fehlern, die Ihrer Leistung und Ihrem Ruf schaden können. Darüber hinaus kann es zu großen, katastrophalen Ereignissen kommen, die das Unternehmen vollständig ruinieren könnten.

Glaubwürdigkeit durch Ausgewogenheit

Als Risikomanagement-Expertin bzw. -Experte hängt Ihre Glaubwürdigkeit gegenüber dem Unternehmen – und damit auch der wahrgenommene Wert Ihrer Funktion – in hohem Maße von Ihrer Fähigkeit ab, zu erkennen, wann Kontrollen reduziert statt verstärkt werden sollten.

Wenn Sie Bereiche erkennen, in denen übermäßige Kontrollen die Leistung beeinträchtigen, und geeignete Anpassungen empfehlen können, zeigen Sie ein echtes Verständnis für die Bedürfnisse des Unternehmens. Dieser ausgewogene Ansatz zur Entwicklung eines angemessenen Risikomanagements schafft Vertrauen bei den Führungskräften des Unternehmens. Mit der Zeit werden sie für Ihre Empfehlungen in Bereichen, in denen tatsächlich strengere Kontrollen erforderlich sind, empfänglicher werden.

Das unsichtbare Gerüst: die Sprache der Wirtschaft sprechen

Das unsichtbare Gerüst
Eine der wirkungsvollsten Methoden, um die Akzeptanz und den wahrgenommenen Wert des Risikomanagements zu erhöhen, ist das Konzept des „unsichtbaren Rahmens“ („invisible framework“). Das bedeutet, die technische Struktur des Risikomanagements – also Frameworks, Taxonomien und Methoden – von der Kommunikation mit dem operativen Geschäft zu trennen.

Während Risikospezialistinnen und -spezialisten diese technischen Elemente benötigen, um eine umfassende Abdeckung und konsistente Ansätze zu gewährleisten, müssen Führungskräfte und Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter diese Details nicht unbedingt verstehen. Konzentrieren Sie sich stattdessen darauf, Risikokonzepte in eine Geschäftssprache zu übersetzen, die mit ihren alltäglichen Herausforderungen und Zielen im Einklang steht. Das bedeutet: 

  • Verwendung von Geschäftsterminologie anstelle von Risikofachjargon
  • Fokussierung der Diskussionen auf geschäftliche Probleme anstelle von Risikorahmen
  • Anpassung an bestehende Geschäftspraktiken statt Auferlegung neuer Praktiken
  • Wenn möglich Wiederverwendung bestehender Kennzahlen und Prozesse
  • Aufzeigen, wie Risikomanagement geschäftliche Probleme löst

Dieser Ansatz mindert nicht die Bedeutung technischer Risikomanagementelemente, sondern erkennt lediglich an, dass ihr Wert in den Ergebnissen liegt, die sie ermöglichen, und nicht in ihrer technischen Raffinesse. Indem Sie das Rahmenwerk „unsichtbar“ machen, stellen Sie sicher, dass sich Führungskräfte auf die Vorteile statt auf die Mechanismen konzentrieren.

Aufbau von Beziehungen und Gemeinschaften

Über technische Fähigkeiten hinaus erfordert ein effektives Risikomanagement ausgeprägte Beziehungsfähigkeiten. Als Risikofachfrau oder Risikofachmann hat Ihre Fähigkeit, Vertrauen und Glaubwürdigkeit aufzubauen, direkten Einfluss darauf, wie empfänglich andere für Ihre Ratschläge sind. Denken Sie daran, dass Menschen, die Sie nicht als kompetente Fachfrau bzw. kompetenten Fachmann respektieren, Sie wahrscheinlich von wichtigen Gesprächen ausschließen werden – was wiederum ein erhebliches Risiko für Ihr Unternehmen darstellt.

Ein wirkungsvoller Ansatz zum Aufbau dieser Beziehungsdimension ist die Schaffung von Communities von Risikoverantwortlichen in Ihrem gesamten Unternehmen. Diese Communities ermöglichen: 

  • den Austausch von Praktiken und Erfahrungen
  • die gemeinsame Bewältigung gemeinsamer Herausforderungen
  • den Aufbau eines unterstützenden Netzwerks
  • Schaffung eines gemeinsamen Zielbewusstseins
  • Kontinuierliche Verbesserung der Ansätze

Solche Gemeinschaften verwandeln das Risikomanagement von einer isolierten Funktion in eine gemeinschaftliche Aufgabe, die sich auf vielfältige Perspektiven und Fachkenntnisse stützt. Dies verbessert nicht nur die Qualität des Risikomanagements, sondern erhöht auch dessen Akzeptanz und wahrgenommenen Wert in Ihrem gesamten Unternehmen erheblich.

Zum Abschluss unserer Reihe Risk Management Blueprint-Reihe möchten wir Sie daran erinnern, dass es bei einem effektiven Risikomanagement letztendlich darum geht, Ihrem Unternehmen zu ermöglichen, seine Ziele mit Zuversicht zu verfolgen.

Die Methoden und Ansätze, die wir in dieser Reihe vorgestellt haben, bieten einen umfassenden Fahrplan für die Weiterentwicklung Ihrer Risikomanagementfähigkeiten. Indem Sie diese Ansätze in einer Weise umsetzen, die den spezifischen Bedürfnissen und der Kultur Ihres Unternehmens entspricht, schaffen Sie ein Risikomanagementsystem, das die Beschreibung „gutes Risikomanagement ist gutes Management“ wirklich verdient.

Denken Sie daran: Risikomanagement ist eine Reise, kein Ziel. Mit der Weiterentwicklung Ihrer Organisation sollte sich auch Ihr Ansatz zum Umgang mit Risiken weiterentwickeln. Wir hoffen, dass diese Reihe Ihnen praktische Einblicke und Werkzeuge vermittelt hat, um diese Reise erfolgreich fortzusetzen – und dabei eine widerstandsfähigere und effektivere Organisation aufzubauen.

Lassen Sie uns gemeinsam Ihr Risikomanagement ausbauen

Wenden Sie sich gerne an unsere Risikomanagement-Spezialistinnen und -Spezialisten, um praktische, auf Ihre spezifischen Bedürfnisse zugeschnittene Beratung zu erhalten.

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