Nachhaltigkeit: Nicht das „Warum“, sondern das „Wie“ ist die unternehmerische Herausforderung

Die gute Nachricht vorweg: Nachhaltigkeit ist in den Unternehmen angekommen. Weltweit bewerten 96 % der Befragten Governance und verantwortungsvolle Unternehmensführung als wichtigste Nachhaltigkeitspriorität. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse der BDO Sustainability Studie 2026 jedoch deutlich, dass zwischen Ambition und Umsetzung weiterhin eine erhebliche Lücke besteht.
Die Studie macht deutlich, dass Unternehmen heute weniger mit der grundsätzlichen Bedeutung von Nachhaltigkeit kämpfen als vielmehr mit deren operativer Verankerung. Eine der größten Hürden ist die Messung und Nachverfolgung von Nachhaltigkeitswirkungen. 43 % der Befragten nennen die Erfassung, Steuerung und Bewertung von Nachhaltigkeitsdaten als ihre größte Herausforderung. 

Hinzu kommt ein bemerkenswertes Ergebnis: Mehr als drei Viertel aller Unternehmen benötigen Unterstützung in nahezu jedem abgefragten Nachhaltigkeitsbereich. Besonders gefragt sind Hilfe bei der Datenerhebung und Berichterstattung (79 %), beim Einbinden von Mitarbeitenden und Stakeholdern (78 %), bei regulatorischen Anforderungen (77 %), bei der Identifikation von Finanzierungs- und Investitionsmöglichkeiten (76 %) sowie bei der Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie (75 %). 

Europas nächste Nachhaltigkeits-Herausforderung 

Gerade Europa gilt aufgrund seiner regulatorischen Anforderungen als vergleichsweise weit entwickelt. Die Studie zeigt jedoch, dass auch hier wesentliche Lücken bestehen. Zwar integrieren viele Unternehmen Nachhaltigkeit bereits stärker in Strategie- und Risikomanagementprozesse. Die eigentliche Schwierigkeit liegt jedoch in der operativen Umsetzung. Nachhaltigkeitsziele sind oft noch nicht ausreichend in Beschaffung, Produktion, Investitionsentscheidungen oder die tägliche Unternehmenssteuerung integriert. „Unternehmen ist klar, dass Wirkung und Veränderung nur erzielt werden kann, wenn Perspektiven der Nachhaltigkeit in jede Entscheidung und jedes Handeln im Unternehmen integriert werden. Gleichzeitig bleibt die Umsetzung herausfordernd“, betont Viola Möller, Nachhaltigkeitsexpertin und Partnerin bei BDO in Deutschland. 

53,8 % der europäischen Organisationen benötigen weiterhin Unterstützung bei der Weiterentwicklung ihrer Nachhaltigkeitsstrategie. Besonders groß sind die Bedarfe außerdem bei regulatorischer Compliance, Datenmanagement, Reporting sowie der Entwicklung belastbarer Geschäfts- und Investitionsmodelle für nachhaltige Transformation.  

Führungskräfte werden zum entscheidenden Erfolgsfaktor 

Eine Erkenntnis zieht sich durch alle Regionen: Die schwächste Kategorie bei der Umsetzung ist die Führungsebene. Vielen Unternehmen fehlt eine konsequente Verankerung von Nachhaltigkeit auf Management- und Vorstandsebene. Es mangelt weniger an technischem Wissen als an klaren Verantwortlichkeiten, Steuerungsmechanismen und einer Unternehmenskultur, die Nachhaltigkeit in tägliche Entscheidungen übersetzt. 

Die zentrale Botschaft der Studie lautet daher: Die Nachhaltigkeitsdebatte entwickelt sich von der Strategie- zur Umsetzungsfrage. Wer künftig erfolgreich sein will, braucht nicht nur ambitionierte Ziele, sondern vor allem belastbare Daten, klare Governance-Strukturen, engagierte Führungskräfte und die Fähigkeit, Nachhaltigkeit messbar in Wertschöpfung und Unternehmenserfolg zu übersetzen.