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Transformationsmotor für Familienunternehmen 

Warum Private Equity mehr als nur Kapital ist

Die deutsche Familienunternehmenslandschaft befindet sich in einer historischen Transformationsphase: Bis Ende 2028 streben laut KfW Research rund 532.000 der 3,84 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland eine Nachfolge an – das sind fast 14 Prozent.1

Eine Unternehmensnachfolge bedeutet nicht nur eine betriebswirtschaftliche, rechtliche und strategische Transformation, sondern stellt für die Beteiligten oft auch eine emotionale Herausforderung dar. Gleichzeitig nehmen die externen Herausforderungen für deutsche Unternehmen durch Wettbewerbsveränderungen infolge von Handelskonflikten, Fachkräftemangel, dem klima- und digitalisierungsbedingten Strukturwandel sowie durch geopolitische und regulatorische Unsicherheiten zu.2 In diesen Zeiten bedarf es Mut, die unausweichliche Entscheidung zur Regelung der Unternehmensnachfolge anzugehen. Dabei handelt es sich selten um einen rein eigenständigen internen Prozess: Die Unternehmensnachfolge wirkt oftmals als Katalysator für grundlegende strategische Weichenstellungen. In diesem Spannungsfeld kann privates Beteiligungskapital, also Private Equity oder Private Debt, eine Rolle zur finanziellen Begleitung der Unternehmensnachfolge oder zur aktiven Begleitung umfassender Transformations- und Wachstumsprozesse einnehmen. 

Dennoch begegnen Familienunternehmen Private Equity oft noch mit Zurückhaltung. Doch eine Offenheit für neue Wege und Partnerschaften bietet regelmäßig ungeahnte Chancen für das eigene Unternehmen.

Private Equity als strategischer Partner in Transformations- und Wachstumsphasen 

In Phasen des Umbruchs sind klassische Finanzierungsformen für Unternehmen nicht immer die beste Option. Während Bankkredite beispielsweise vor allem die Passivseite einer Bilanz stärken, umfasst eine Finanzierung über Private Equity in der Regel auch die wissensbasierte Unterstützung bei der strategischen und strukturellen Weiterentwicklung des Unternehmens. 

Private Equity versteht sich als Finanzierungspartner von Unternehmen durch Unternehmerinnen und Unternehmer. Die Beteiligungsgesellschaften agieren also nicht nur als reine Kapitalgeber: Ihr Beitrag umfasst auch die aktive Unterstützung des Managements, beispielsweise durch die Einführung erprobter betriebswirtschaftlicher Effizienzprogramme, die Professionalisierung der Governance, die Etablierung robuster Reporting-Strukturen oder die Umsetzung von Digitalisierungsroadmaps. Ein entscheidender Faktor ist zudem das partnerschaftliche Sparring im Bereich Industrie- und Marktexpertise. Dieser Wissenstransfer ist essenziell, um die über Generationen gewachsene Marktstellung des Unternehmens zu erhalten und auszubauen. Das Ziel besteht darin, das Unternehmen gemeinsam auf eine nachhaltig höhere Wertschöpfungsstufe zu heben, ohne dessen Identität zu gefährden. 

Ein weitverbreitetes Missverständnis ist, dass Private Equity aufgrund der meist begrenzten Investitionsdauer von weniger als zehn Jahren eine sehr kurzfristige Sichtweise auf die Unternehmensentwicklung habe.3 Eine Rendite von rund dem 1,5- bis 3-fachen des eingesetzten Kapitals über einen typischen Investitionszyklus beziehungsweise von jährlich elf bis 14 Prozent erfordert allerdings eine nachhaltige Wertsteigerung der Unternehmen.4 Der unternehmerischlangfristige Charakter von Private Equity-Investitionen wird nochmals unterstrichen, indem Investmentmanagerinnen und -manager häufig eigenes Kapital investieren und über den sogenannten „Carried Interest“ erfolgsabhängig am Gewinn beteiligt sind. Schließlich verliert das Argument des befristeten Investitionshorizonts an Bedeutung, wenn das Investment einer Beteiligungsgesellschaft über einen aufgelegten „Evergreen“-Fonds läuft, also einer speziellen Fondsstruktur mit unbegrenzter Laufzeit und flexiblen Kapitalzuflüssen und -abflüssen. 

Diese langfristige Perspektive spiegelt sich auch in den Ergebnissen einer gemeinsamen Analyse des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) und des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn wider: Beteiligungskapitalfinanzierte Unternehmen weisen im Durchschnitt ein höheres Umsatzwachstum, höhere Investitionen und ein stärkeres Personalwachstum – bei gleichzeitig steigenden Löhnen und Gehältern je Mitarbeiterin bzw. Mitarbeiter – als vergleichbare Unternehmen ohne Beteiligungskapital auf.5 So haben europäische Unternehmen, die durch Private Equity finanziert wurden, im Jahr 2023 netto 339.149 neue Arbeitsplätze geschaffen – ein deutlich höherer Zuwachs als im Marktdurchschnitt. Insgesamt waren damit rund fünf Prozent der Beschäftigten in Europa, etwa 11,2 Millionen Menschen, in diesen Unternehmen tätig.6 Die Sorge mancher Familienunternehmen, dass eine Private Equity-Beteiligung im Durchschnitt mit Entlassungen einhergeht, kann damit nicht belegt werden. Private Equity zielt hingegen auf langfristiges Wachstum des Unternehmens ab. 

Unternehmensverkauf an Private Equity: Übergang mit System 

Die wohl bekannteste Investitionsstrategie von Private Equity ist der „Buyout“: Eine Beteiligungsgesellschaft übernimmt die Mehrheit oder das gesamte Unternehmen, um es durch Umstrukturierung und Professionalisierung wirtschaftlich zu stärken und später mit Gewinn zu veräußern. Dabei kann das Unternehmen entweder eigenständig weitergeführt oder im Rahmen einer sogenannten „Buy-and-Build“-Strategie als Zukauf in eine größere Unternehmensgruppe eingegliedert werden. 

Gerade wenn eine familieninterne Unternehmensnachfolge nicht infrage kommt, kann der Verkauf an Private Equity im Rahmen eines Buyouts eine interessante Alternative sein. Neben betriebswirtschaftlichen Zielen rückt in Nachfolgeprozessen auch die kulturelle Identität des Familienunternehmens in den Fokus, also Aspekte wie Führungsstil, Mitarbeiterbindung oder Reputation am Markt. Eine erfolgreiche Übergabe berücksichtigt diese kulturelle Identität und eine Veräußerung im Rahmen eines Buyouts ermöglicht ihre aktive Gestaltung. In der Praxis hat sich gezeigt, dass beispielsweise eine befristete Übernahme von Geschäftsführeraufgaben, erfolgsabhängige Kaufpreisbestandteile („Earn-Outs“) oder die Übernahme von Beiratsmandaten das implizite Wissen im Unternehmen sichern und die Mitarbeiterbindung sowie die Kundenloyalität deutlich erhöhen können. 

Damit ein derartiger Übergang gelingt, ist eine frühzeitige und transparente Vorbereitung seitens der Familienunternehmen empfehlenswert. Dazu zählen beispielsweise die Sicherstellung eines funktionierenden Rechnungswesens, die Klärung möglicher steuerlicher Altlasten – etwa versteckte Gewinnausschüttungen – oder die Prüfung einer steuerlich optimierten Doppelholdingstruktur. Eine solche Vorbereitung erhöht die Attraktivität für potenzielle Käuferinnen bzw. Käufer und kann den Kaufpreis steigern. 

Der Verkauf an Private Equity kann für Familienunternehmen somit nicht das Ende, sondern ganz im Gegenteil den Beginn einer neuen, bewusst gestalteten Wachstumsphase bedeuten. 

Finanzierungsevent: Kapital und mehr 

Selbst wenn die Unternehmensnachfolge innerhalb der Familie geregelt ist, entsteht oft zusätzlicher Kapitalbedarf – etwa für die Auszahlung pflichtteilsberechtigter Geschwister oder zur Finanzierung neuer strategischer Initiativen. Solche Finanzierungssituationen sind meist komplex und bieten die Chance für eine Zusammenarbeit mit privatem Beteiligungskapital. Flexible Finanzierungsformen wie Wachstumskapital, das häufig in Form von Minderheitsbeteiligungen bereitgestellt wird, Mezzanin-Mischformen aus Eigen- und Fremdkapital oder Private Debt verschaffen den nötigen finanziellen Freiraum, ohne die unternehmerische Kontrolle vollständig abzugeben. 

Der Mehrwert von privatem Beteiligungskapital beschränkt sich auch in spezifischen Finanzierungssituationen nicht allein auf den Zugang zu Kapital. Es bleibt eine Finanzierung von Unternehmen für Unternehmerinnen und Unternehmer, die bei unterschiedlichen Anlässen Unterstützung bietet: von der wissensbasierten Beratung zur strategischen Ausrichtung über die Förderung operativer Exzellenz bis hin zur Integration nachhaltigkeitsbezogener Aspekte in die Wertschöpfungsstrategie – je nach Ausrichtung der Beteiligungsgesellschaften ist vieles möglich. 

Insbesondere die neue Generation in der Geschäftsführung kann von Private Equity profitieren. Neben finanzieller Entlastung und direkten methodischen sowie strategischen Impulsen erhalten sie auch Zugang zu etablierten Netzwerken der Beteiligungsgesellschaft. Der Einstieg wird somit erleichtert und der Transformationsprozess begleitet. 

Mut zur Partnerschaft: Zukunft gemeinsam gestalten 

Ob es um die Regelung der Unternehmensnachfolge oder um ein spezielles Finanzierungsvorhaben geht: Familienunternehmen stehen häufig vor strategischen Wendepunkten. Die demografischen und wirtschaftlichen Herausforderungen der nächsten Jahre erfordern Kapital, Expertise und Wand-lungsfähigkeit. Private Equity kann dabei auf verschiedenste Weise partnerschaftlich unterstützen. 

Dennoch ist Private Equity im deutschen Mittelstand oft noch mit Vorbehalten behaftet. Die Zusammenarbeit mit einem Private Equity-Investor erfordert Offenheit und unternehmerischen Mut. Gelingt es, Tradition und Wandel in einen produktiven Dialog zu bringen, lässt sich das Unternehmen nachhaltig und zukunftsfähig aufstellen. 

Für eine erfolgreiche Partnerschaft und Zusammenarbeit sind eine sorgfältige Vorbereitung, eine klare Zieldefinition und die Prüfung der kulturellen Passung umso entscheidender. Auch wenn Private Equity nicht in jeder Situation die passende Lösung ist, ist die Wahl des richtigen Partners entscheidend für den Erfolg. Dabei gilt es, gezielt nach Partnern zu suchen, die über das reine Kapital hinaus als „Smart Money“ wertschöpfend agieren und aktiv zur nachhaltigen Entwicklung des Unternehmens beitragen. Eine gut vorbereitete und differenzierte Einzelfallbetrachtung bleibt daher unerlässlich – auch wenn der Mut zu diesem Schritt vorhanden ist.

 


1 Vgl. Michael Schwartz (2025): Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2024: Jedes vierte Unternehmen denkt über Geschäftsaufgabe nach – Alter ist Hauptgrund. In: KfW Research Fokus Volkswirtschaft. URL: https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Fokus-Volkswirtschaft/Fokus-2025/Fokus-Nr.-481-Januar-2025-Nachfolge.pdf. [Stand: 10.01.2025]
2 Vgl. ifo Institut (2025): ifo Konjunkturprognose Frühjahr 2025: Deutsche Wirtschaft steckt fest. URL: https://www.ifo.de/fakten/2025-03-17/ifo-konjunkturprognose-fruehjahr-2025-deutsche-wirtschaft-steckt-fest. [Stand: 17.03.2025]
3 Bundesverband Beteiligungskapital e.V. (BVK) (2025): Geduldiges Beteiligungskapital: Haltedauer von VC-/PE-Beteiligungen. URL: https://www.bvkap.de/files/content/Images/zahl-der-woche/Zahl%20der%20Woche%20Update%2005.03.2024/BVK_Grafik_3323_3840x2160px_Komplett_02.jpg. [Stand: 01.08.2025]
4 Deutsche Aktuarvereinigung e.V. (DAV) (2023): Ergebnisbericht des Ausschusses Investment: Praktischer Einsatz von Alternative Fixed Income und Equity Teil 2 – Private Equity. URL: https://aktuar.de/content/PDF/Fachwissen/2023-09-01_DAV_Ergebnisbericht_Praktischer_Einsatz_von_Alternative_Fixed_Income_und_Equity_Teil_2.pdf. [Stand: 01.09.2023]
5 Bundesverband Beteiligungskapital e.V. (BVK) und Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn (2021): Beteiligungskapital im Mittelstand: Analyse der Entwicklung beteiligungsfinanzierter Unternehmen. URL: https://www.bvkap.de/files/content/Studien/beteiligungskapital_im_mittelstand_-_analyse_der_entwicklung_beteiligungsfinanzierter_unternehmen.pdf. [Stand: 01.09.2021]
6 Invest Europe (2025): Private Equity at Work report 2025. URL: https://www.investeurope.eu/media/otfjja4s/invest-europe-private-equity-at-work_report_2025.pdf. [Stand: 29.04.2025]

Mehr zum Thema Private Equity lesen Sie unter anderem in unserem Interview mit Andreas Krämer, Managing Director Deutsche Beteiligungs AG (DBAG). Hier geht es um die Rollen von private Equity über die reine Funktion des Kapitals hinaus.

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