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  • Externe und interne Rotation

Zukünftig müssen alle Unternehmen von öffentlichem Interesse ihren Abschlussprüfer in bestimmten zeitlichen Abständen wechseln (externe Rotation). Im Anschluss an eine sog. Grundrotationszeit von zehn Jahren, während der ein Unternehmen denselben  Abschlussprüfer ununterbrochen bestellen darf, muss das Unternehmen eine öffentliche Ausschreibung der Abschlussprüfung durchführen, die bestimmten formalen Anforderungen unterliegt.

Nach einer solchen Ausschreibung ist es möglich, den bisherigen Abschlussprüfer für weitere zehn Jahre zu beauftragen. Ein einziger Abschlussprüfer darf den Abschluss eines Unternehmens damit maximal 20 Jahre ununterbrochen prüfen. Schließt sich an den Ablauf der Grundrotationszeit von zehn Jahren eine Gemeinschaftsprüfung (joint audit) an, bei der  zwei Abschlussprüfer gemeinsam beauftragt werden, darf der bisherige Abschlussprüfer als Gemeinschaftsprüfer weitere 14 Jahre für das Unternehmen tätig sein. Die maximale  Höchstlaufzeit beträgt in diesem Fall 24 Jahre. Eine öffentliche Ausschreibung nicht  erforderlich.

Die Verlängerungsmöglichkeit um zehn bzw. 14 Jahre besteht bei Kreditinstituten und Versicherungen nicht. Diese müssen ihren Abschlussprüfer zwingend nach zehn Jahren wechseln.

Nach Ablauf der Höchstlaufzeit des Prüfungsmandats gilt eine Cooling-off Phase von vier Jahren, während der der bisherige Abschlussprüfer bei demselben Unternehmen von öffentlichem Interesse die Abschlussprüfung nicht durchführen darf.

Regelungen zur externen Rotation im Überblick

In Abhängigkeit vom Zeitraum der ununterbrochenen Bestellung des bisherigen Abschlussprüfers bestehen verschiedene Übergangsvorschriften für die externe Rotation. War der Abschlussprüfer zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Verordnung am 16. Juni 2014 seit 20 Jahren und mehr ununterbrochen bestellt, darf dem bisherigen Prüfer letztmals am 16. Juni 2020 ein Prüfungsauftrag erteilt werden. Bei kalendergleichem Geschäftsjahr muss der Abschlussprüfer dann für die Prüfung zum 31. Dezember 2021 gewechselt werden. War der Abschlussprüfer am 16. Juni 2014 seit mehr als zehn Jahren, aber weniger als 20 Jahren ununterbrochen bestellt, darf dem bisherigen Prüfer letztmals am 16. Juni 2023 ein  Prüfungsauftrag erteilt werden. Bei kalendergleichem Geschäftsjahr bedeutet dies, dass für die Prüfung des 31. Dezember 2024 ein neuer Abschlussprüfer zu bestellen ist. In allen anderen Fällen gilt, dass nach Ablauf der Grundrotationszeit das Mandat des bisherigen Abschlussprüfers - außer bei Kreditinstituten und Versicherungen - auf maximal 20 bzw. 24 Jahre verlängert werden kann.
 

Dauer des Mandats am 16. Juni 2014

Seit 20 Jahren und mehr1

Seit mehr als 10 Jahren, aber weniger als 20 Jahren2

Seit 10 Jahren und weniger3

Letztmalige Prüfung durch den bisherigen Abschlussprüfer bei kalender-
gleichem Geschäftsjahr

 

Abschluss zum 31.12.2020
(bei Bestellung bis zum 16. Juni 2020)

 

Abschluss zum 31.12.2023 (bei Bestellung bis zum 16. Juni 2023)

Grundsatz:

Die letztmalige Prüfung ist die zehnte Abschlussprüfung in Folge.

Unternehmen, bei denen die Grundrotationszeit von zehn Jahren am 17. Juni 2016 abgelaufen ist:

Letztmalige Prüfung des Geschäftsjahres, das vor dem 17. Juni 2016 begonnen hat.

Verlängerung durch Ausschreibung bzw. Joint Audit4

Nicht möglich.

Nicht möglich.

Möglich auf max. 20 bzw. 24 Jahre

Ausnahme: Kreditinstitute und Versicherungs-unternehmen

 

Unternehmen, die am 17. Juni 2016 ihren Abschluss bereits zehn, elf oder zwölf Mal durch denselben Abschlussprüfer haben prüfen lassen, dürfen diesen für Geschäftsjahre, die vor dem 17. Juni 2016 begonnen haben, nochmals beauftragen. Bei kalendergleichem  Geschäftsjahr ist also eine Prüfung des Geschäftsjahres 2016 durch den bisher beschäftigen Abschlussprüfer noch möglich. Für 2017 muss eine Ausschreibung des Prüfungsauftrags erfolgen oder ein Joint Audit angestrebt werden.

Die interne Rotation, d. h. der Wechsel der für die Abschlussprüfung verantwortlichen Wirtschaftsprüfer, ist wie bisher nach 7 Jahren erforderlich. Die neuen Vorschriften ändern aber die sog. Cooling-off Periode, also den Zeitraum, in dem der Wirtschaftsprüfer nicht als  Abschlussprüfer des Unternehmens tätig werden darf, von zwei auf drei Jahre.

Auswirkungen und Handlungsbedarf

Unternehmen von öffentlichem Interesse und ihre Abschlussprüfer müssen ermitteln, zu  welchem Zeitpunkt sie erstmalig von den neuen Vorschriften der externen Rotation betroffen sein werden.

Unternehmensintern sind folgende Fragestellungen zu erörtern:

  • Zeitpunkt der Rotation: Soll der Rotationszeitraum vollumfänglich ausgenutzt werden oder kommt ggf. ein früherer Wechsel des Abschlussprüfers in Betracht?
  • Ausschreibungsprozess: Wie sind die Ausschreibung und das sich anschließende Auswahlverfahren auszugestalten, dass sie den Anforderungen der EU-Verordnung entsprechen? Zu welchem Zeitpunkt soll die Ausschreibung durchgeführt werden? Wird ggf. externe Unterstützung bei der Durchführung der Ausschreibung benötigt?
  • Soll ggf. auf eine öffentliche Ausschreibung zugunsten einer  Gemeinschaftsprüfung verzichtet werden?
  • Ist es u. U. sinnvoll, die Zeiträume der internen und externen Rotation aufeinander abzustimmen?

 

 


1 Vgl. Art. 41 Abs. 1 EU-VO.

2 Vgl. Art. 41 Abs. 2 EU-VO.

3 Vgl. Art. 41 Abs. 3 EU-VO.

4 Vgl. § 318 Abs. 1a HGB i. d. F. des AReG.