Ausmaß und Dynamik des durch COVID-19 eingetretenen Kursverfalls an den Aktienmärkten historisch einmalig

27. März 2020

Die BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat die Auswirkungen von COVID-19 auf die globalen Aktienmärkte untersucht. Diese sind von der aktuellen COVID-19 Krise massiv gekennzeichnet. Gegenüber den Indexständen von Ende Februar 2020 sind an den Aktienmärkten weltweit Kursverluste in Höhe von 30% bis 40% zu verzeichnen. Die Entwicklung ist in dieser Ausprägung historisch einmalig.

Nach einer längeren Aufwärtsbewegung verzeichnen die Aktienkurse zuletzt eine drastische Kurskorrektur:

DAX 30 Verlauf seit 1999
Der DAX 30 stürzte zwischen dem 21. Februar und dem 20. März 2020 innerhalb eines Zeitraums von weniger als 4 Wochen um 38% auf ein Kursniveau von 8.441,71 Punkten. Ein ähnlich niedriger Indexstand war zuletzt im September 2013 zu beobachten. Die Aktienmärkte in anderen Ländern sind gleichermaßen getroffen. So verzeichnet der Dow Jones Industrial Index einen Rückgang von 36%, der amerikanische S&P 500 Index ein Minus von 33% und der MSCI World Index hat 33% verloren. „Im Vergleich mit den durch die Terroranschläge des 11. September 2001, der Finanzkrise im Jahr 2008 und der Staatsschuldenkrise 2011 ausgelösten Kursverlusten an den Aktienmärkten wird ersichtlich, dass der durch COVID-19 ausgelöste Kursverfall insgesamt hinsichtlich seines Ausmaßes und seiner Dynamik einmalig ist“, kommentiert Hartmut Paulus, Head of Corporate Finance bei BDO.

Nachfolgende Graphik zeigt für den DAX 30 die durch die COVID-19 Krise zuletzt ausgelösten Kursverluste in einer Gegenüberstellung mit den Kursverlusten als Folge der Terroranschläge im September 2001, der Finanzkrise 2008 und der Staatsschuldenkrise 2011. Der Moment des Eintritts der Krise ist als Monat Null und mit einem relativen Kursniveau von 100% berücksichtigt. Die Entwicklung über 52 Wochen vor dem Ereignis sowie die dem Ereignis folgenden 12 Wochen sind dort für die Krisenereignisse jeweils dargestellt.

DAX 30 Vergleich COVID-19 Krise Kursverluste in einer Gegenüberstellung mit den Kursverlusten als Folge der Terroranschläge im September 2001, der Finanzkrise 2008 und der Staatsschuldenkrise 2011

In gleicher Analyselogik zeigt sich auch für den Dow Jones Industrial Average Index, dass die aktuelle Entwicklung weit über die Effekte von Schocks der Vergangenheit hinausgeht.

Entwicklung des Dow Jones Industrial Average Index in Zeiten der Krise (COVID-19)

 

„In den Kursverlusten kommt die bereits zu verzeichnende erhebliche Beeinträchtigung der Geschäftstätigkeit der Unternehmen, die in den bedeutsamen Ökonomien politisch verordneten drakonischen Einschränkungen von öffentlichem Leben und Wirtschaft, die Ungewissheit über den weiteren Fortgang der Krise sowie eine allgemeine erhebliche Verunsicherung der Menschen zum Ausdruck“, fasst Hartmut Paulus zusammen.

Der Umfang, in dem einzelne Unternehmen und Branchen von der Krise betroffen sind, ist sehr unterschiedlich. Unternehmen in Luftfahrt, Tourismus und Automobilindustrie verzeichnen Kursverluste von 50% und darüber hinaus. Konsumgüterindustrie, Versorgungsunternehmen sowie Telekommunikations- und IT-Branche sind hingegen vergleichsweise gering beeinträchtigt.

Die Aktien von Unternehmen, die sich bereits vor der Krise in einer angespannten wirtschaftlichen Situation befanden, sind ebenfalls besonders von Kursverlusten gekennzeichnet.

Nachfolgende Tabelle zeigt für die im DAX gelisteten Unternehmen die im Zeitraum 21. Februar bis zum 20. März 2020 beobachtbaren fünf größten und fünf geringsten Kursrückgänge.

 

Unternehmen

Kursveränderung

MTU Aero Engines AG

-58%

Infineon Technologies AG

-49%

Continental Aktiengesellschaft

-49%

Allianz SE

-48%

Daimler AG

-48%

[…]

[…]

[…]

[…]

[…]

[…]

Vonovia SE

-28%

Linde plc

-28%

E.ON SE

-23%

Fresenius Medical Care AG & Co. KGaA

-22%

Beiersdorf Aktiengesellschaft

-15%


Ob die beobachtbaren Kursrückgänge die bereits eingetretenen und zu erwartenden Auswirkungen auf die Finanz- und Ertragslage der Unternehmen abschließend zum Ausdruck bringen oder hier gar eine Überreaktion der Kapitalmarkteilnehmer vorliegt, wird die Zukunft zeigen. In den letzten Tagen sind eine gewisse Stabilisierung und auch eine Erholung der Kursniveaus zu beobachten. Mit hinreichender Gewissheit ist aber weder eine Vorhersage des weiteren Verlaufs der Pandemie noch der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen aktuell abschätzbar.