COVID-19:

Arbeiten im Homeoffice im Zuge der Corona-Pandemie

15. Mai 2020

Annette Pogodda-Grünwald , Partner, Standortleitung Steuern und wirtschaftsrechtliche Beratung, Leiterin Fachbereich Umsatzsteuer, Leiterin Branchencenter Real Estate |
Roland Speidel , Grundsatzabteilung Steuern und wirtschaftsrechtliche Beratung |

Fallstricke beim häuslichen Arbeitszimmer, insbesondere beim Verkauf der Immobilie

Das Homeoffice ist in Zeiten der Corona-Pandemie sehr in den Fokus gerückt. Wer seine beruflichen Tätigkeiten nun im Homeoffice erbringt, kann durchaus Steuern sparen und neben den Kosten für Arbeitsmittel unter Umständen sogar Aufwendungen für das Arbeitszimmer an sich absetzen. Dabei gibt es aber durchaus Fallstricke.

Voraussetzungen eines Arbeitszimmers

Zunächst muss ein Arbeitszimmer zur Verfügung stehen, das kein Durchgangszimmer ist und ausschließlich für berufliche Zwecke genutzt wird. Ob die Finanzverwaltung von diesen grundsätzlich weiter geltenden, strengen Vorgaben wegen der besonderen Situation in der Corona-Pandemie abweicht, ist derzeit völlig offen. Wünschenswert wäre z.B., wenn ein auch privat genutzter Raum, oder gar eine Arbeitsecke im Wohn- oder Schlafzimmer vom Finanzamt anerkannt werden würde.

Die weitere Voraussetzung, dass dem Arbeitnehmer kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, dürfte derzeit erfüllt sein, wenn der Arbeitgeber das Bürogebäude wegen des Coronavirus schließt. Aber auch wenn der Arbeitnehmer theoretisch ins Büro kommen könnte, seinen Arbeitsplatz nunmehr aber mit Einverständnis des Arbeitgebers in sein häusliches Umfeld verlegt hat, um den Empfehlungen der Gesundheitsexperten gerecht zu werden und um somit einen Beitrag zur Eindämmung der viralen Infektionen zu leisten, müsste ein Werbungskostenabzug möglich sein. Das Eingehen eines Risikos für die eigene Gesundheit, die der Kollegen, der eigenen Familie und letztlich – unter den derzeit gegebenen Vorzeichen – der gesamten Bevölkerung sowie ein Zuwiderhandeln gegen die ausdrücklichen Empfehlungen können nicht erwartet werden. Zudem schloss sich die Finanzverwaltung dem BFH insoweit an, als ein Arbeitsplatz, der nur unter Gefahr für die (eigene) Gesundheit zu nutzen ist, keinen „anderen Arbeitsplatz“ darstellt.

Abzugsfähige Aufwendungen

Zu den Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer gehören insbesondere die Aufwendungen für Miete, Gebäude-AfA, Absetzungen für außergewöhnliche technische oder wirtschaftliche Abnutzung, Sonderabschreibungen bei Wohnungseigentum, Schuldzinsen für Kredite, die zur Anschaffung, Herstellung oder Reparatur des Gebäudes oder der Eigentumswohnung verwendet worden sind, Wasser- und Energiekosten, Reinigungskosten, Grundsteuer, Müllabfuhrgebühren, Schornsteinfegergebühren, Hausrats- und Gebäudeversicherung, Renovierungskosten, Aufwendungen für die Ausstattung des Zimmers, wie z.B. Tapeten, Teppiche, Fenstervorhänge, Gardinen und Lampen.
Die Aufwendungen sind, soweit sie nicht einzeln konkret dem Arbeitszimmer zugeordnet werden können, nach dem Verhältnis der Flächen aufzuteilen.

Fallstrick: Veräußerung der Immobilie innerhalb der „Spekulationsfrist“

Der Gewinn aus dem Verkauf einer Privatimmobilie muss im Rahmen eines privaten Veräußerungsgeschäftes (§ 23 EStG) versteuert werden, wenn der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung nicht mehr als zehn Jahre beträgt. Dies gilt allerdings nicht, wenn die Immobilie zwischen Erwerb und Veräußerung oder im Jahr und den beiden Jahren vor der Veräußerung zu eigenen Wohnzwecken genutzt wurde. Ob auch für ein Arbeitszimmer diese nötige Nutzung zu Wohnzwecken angenommen werden kann, ist umstritten, kann aber angesichts der verstärkten Nutzung des Homeoffices in Zeiten der Corona-Pandemie durchaus wichtig werden.

Die Finanzverwaltung (BMF-Schreiben vom 5. Oktober 2000) lehnt dies ab und unterwirft den auf das häusliche Arbeitszimmer entfallenden Anteil am Veräußerungsgewinn der Besteuerung.

Nach einem Urteil des FG Baden-Württemberg vom 23. Juli 2019 (Az. 5 K 338/19) führt ein häusliches Arbeitszimmer allerdings nicht zu einer anteiligen Besteuerung des Veräußerungsgewinns. Das Arbeitszimmer ist nämlich in den privaten Wohnbereich integriert und stellt – entgegen der Auffassung der Finanzverwaltung - deshalb kein selbständiges Wirtschaftsgut dar. Die Eigentumswohnung ist hinsichtlich der Besteuerung des Veräußerungsgewinnes vielmehr als einheitliches Objekt anzusehen. Für eine umfängliche Steuerbefreiung ist es indes nicht erforderlich, dass sämtliche Wohnungsteile zu eigenen Wohnzwecken genutzt werden müssen. Das im Gesetz enthaltene Ausschließlichkeitskriterium ist nämlich nicht im Sinne von „räumlich ausschließlich“, sondern als „zeitlich ausschließlich“ zu verstehen. Voraussetzung der Steuerbefreiung bleibt allerdings, dass die Wohnung weit überwiegend zu eigenen Wohnzwecken genutzt wurde. Dies war im Streitfall angesichts der Größe des Arbeitszimmers im Verhältnis zur gesamten Wohnung der Fall.

Da die Veräußerung einer Immobilie des Privatvermögens außerhalb der Zehnjahresfrist nicht steuerbar ist, stellt sich in diesen Fällen die Frage nach der Behandlung des Arbeitszimmers nicht.  

Hinweise für die Praxis

Das FG weist allerdings ausdrücklich auf die umstrittene Rechtslage hin, da das FG Münster in seinem Urteil vom 28. August 2003 (Az. 11 K 6243/01) anders entschieden hatte. In der Literatur wird – auch durch Richter des BFH – ebenso vertreten, dass die Befreiung nur für Wirtschaftsgüter gelte, die zu eigenen Wohnzwecken genutzt worden seien. Ein als Arbeitszimmer genutzter Raum diene jedoch gerade nicht Wohnzwecken. Selbst wenn es sich bei dem häuslichen Arbeitszimmer nicht um ein eigenständiges Wirtschaftsgut handeln sollte, erscheine dies für die Erfüllung des Besteuerungstatbestands nicht schädlich.

Die für viele Wohneigentümer interessante Frage der vollständigen oder nur teilweisen Steuerfreiheit wird wohl der BFH letztlich entscheiden, da das beklagte Finanzamt die zugelassene Revision eingelegt hat (BFH, Az. IX R 27/19). Entsprechende nachteilige Veranlagungen sollten daher unter Hinweis auf das anhängige Revisionsverfahren mit Rechtsmitteln offen gehalten werden.

 

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