Änderung von IAS 1 zum Ausweis von Schulden als kurz- oder langfristig

Der International Accounting Standards Board (IASB) veröffentlichte am 23. Januar 2020 eine Änderung an IAS 1 - Classification of Liabilities as Current or Non-current. Die Änderungen sehen eine Anpassung des Wortlauts der miteinander verknüpften Paragraphen IAS 1.69d) und IAS 1.73 vor. Diese lauteten bisher:

  • Ein Unternehmen hat eine Schuld als kurzfristig einzustufen, wenn es kein uneingeschränktes Recht (unconditional right) hat, die Erfüllung der Schuld um mindestens zwölf Monate nach dem Bilanzstichtag zu verschieben (IAS 1.69d)).
  • Wenn das Unternehmen erwartet und verlangen kann (has the discretion), dass eine Verpflichtung im Rahmen einer bestehenden Kreditvereinbarung für mindestens zwölf Monate nach dem Abschlussstichtag refinanziert oder verlängert wird, gilt die Verpflichtung trotzdem selbst dann als langfristig, wenn sie sonst innerhalb eines kürzeren Zeitraums fällig wäre (IAS 1.73).

Der Begriff „unconditional“ ist nun gestrichen und „discretion“ ersetzt durch „right“. Damit haben also in beiden Fällen ausschließlich die zum Ende der Berichterstattungsperiode bestehenden „Rechte“ Auswirkungen auf die Klassifizierung einer Schuld. Ein Unternehmen hat demnach am Stichtag zu prüfen, ob mit den Rechten verbundene Konditionen (covenants, etc.) erfüllt sind oder nicht.

Zudem gibt es eine Ergänzung zur Klarstellung der Beziehung zwischen der Erfüllung einer Verpflichtung (settlement) und dem Abfluss von Ressourcen (outflow of ressources) aus dem Unternehmen: Sie definiert die Erfüllung als die "Übertragung von Barmitteln, Eigenkapitaltiteln oder sonstigen Vermögenswerten oder Leistungen an die Gegenpartei, die zum Erlöschen der Verbindlichkeit führt" (for the purposes of classification as current or non-current, settlement of a liability refers to the transfer to the counterparty of cash, equity instruments, other assets or services that results in the extinguishment of the liability).

Hierbei handelt es sich laut IASB explizit nicht um Regeländerungen, sondern nur um eine Klarstellung der bestehenden Regeln. Wesentliche Auswirkungen erwarte das IASB nicht, jedoch könnten Unternehmen einige kurz- oder langfristige Verbindlichkeiten umklassifizieren. Um ihnen Zeit zu geben, sich auf die Änderungen vorzubereiten, wurde das Datum der Erstanwendung auf den 1. Januar 2022 festgelegt.