IDW: Auswirkungen der Ausbreitung des Coronavirus auf die Rechnungslegung zum Stichtag 31.12.2019 und deren Prüfung

Gestern, am 4.3.2020, hat das Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. (IDW) einen fachlichen Hinweis veröffentlicht. Gegenstand des Hinweises sind die Folgen des Virus SARS-CoV-2, das die Erkrankung COVID-19 verursacht („Coronavirus“), auf die handelsrechtliche und die internationale Rechnungslegung (IFRS) sowie deren Prüfung.

Nach Auffassung des IDW sei nach den Regelungen des HGB und der IFRS „i.d.R. davon auszugehen“, „dass das Auftreten des Coronavirus … wertbegründend einzustufen ist und dementsprechend die bilanziellen Konsequenzen erst in Abschlüssen mit Stichtag nach dem 31.12.2019 zu berücksichtigen“ ist. Dies entspricht unserer Einschätzung, wie wir diese bereits in unserem Blog-Beitrag vom 11.2.2020 zum Ausdruck gebracht haben. Zur Begründung nach handelsrechtlichen Grundsätzen wird auf den Beitrag von Lüdenbach (Corona und der Schmetterling über der Biskaya – Wertaufhellung oder Wertänderung?, StuB 2020, im Erscheinen - voraussichtlich Heft 5) verwiesen.

Daran anschließend stellt das IDW die – von der individuellen „Betroffenheit“ abhängenden – Auswirkungen auf die nationale und internationale Rechnungslegung zum Abschlussstichtag 31.12.2019 dar:

  • In handelsrechtlichen Anhängen können Angaben zu Art und finanziellen Auswirkungen der Corona-Epidemie im Nachtragsbericht geboten sein. Wenn die Corona-Epidemie bedeutsame Zweifel an der Fähigkeit eines Unternehmens zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufwirft, sind Anhangangaben i.S.v. IDW PS 270 n.F., Tz. 9 erforderlich. Auch in IFRS-Konzernanhängen ist die Art des materiell bedeutsamem wertbegründenden Ereignisses zu erläutern und eine Schätzung der finanziellen Auswirkungen vorzunehmen. Darüber hinaus sind umfassende Anhangangaben erforderlich, wenn der IFRS-Konzernabschluss nicht unter „going concern“ aufgestellt werden darf oder erhebliche Zweifel daran bestehen.
  • In Ausnahmefällen kann ein (vorübergehender) Verzicht auf die Einbeziehung von Tochterunternehmen in handelsrechtliche Konzernabschlüsse zulässig sein, wenn die für die Aufstellung des Konzernabschlusses erforderlichen Angaben nicht ohne unangemessene Verzögerungen zu erhalten sind und keine geeignete Hochrechnung von bereits vorliegenden Finanzinformationen möglich ist und auch keine vorläufigen Zahlen vorliegen. Anderes gilt für die IFRS, die „kein ausdrückliches, den Regelungen des § 296 Abs. 1 Nr. 2 HGB vergleichbares Konsolidierungswahlrecht“ kennen.
  • In der (Konzern-)Lageberichterstattung ergeben sich Angabepflichten innerhalb des Prognose- sowie des Chancen- und Risikoberichts. Im Prognosebericht sind grds. die zum Zeitpunkt der Aufstellung des (Konzern-)Lageberichts bestehenden Erwartungen des Managements zu verarbeiten. Es besteht nicht allgemein eine Lage erhöhter Unsicherheit bezüglich der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der zukünftigen Entwicklung. Nur in Einzelfällen können die Voraussetzungen des DRS 20.133 dafür vorliegen, im Prognosebericht Angaben mit gegenüber den regulären Anforderungen herabgesetzter Prognosegenauigkeit anzugeben. Mögliche Risiken der Corona-Epidemie sind grds. im Risikobericht darzustellen, wenn sie die Entscheidungen des gedachten verständigen Adressaten zu beeinflussen geeignet sind. Ergibt sich im Einzelfall eine Bestandsgefährdung, ist darauf explizit hinzuweisen.

Mit Blick auf die Prüfung von Abschlüssen auf den 31.12.2019 thematisiert das IDW

  • etwaige Auswirkungen auf den Prüfungsprozess sowie Kommunikationserfordernisse und
  • die Beurteilung etwaiger Konsequenzen für den Bestätigungsvermerk.

Nähere Informationen finden Sie auch hier beim IDW.