Artikel:

Doppelte Haushaltsführung: Kosten für Einrichtungsgegenstände voll abziehbar

07. Juli 2019

Wer aus beruflichen Gründen einen zweiten Hausstand benötigt und somit eine doppelte Haushaltsführung begründet, kann die dabei entstehenden Kosten als Werbungskosten geltend machen. Für die Kosten der Unterkunft gilt allerdings seit 2014 ein Höchstbetrag von EUR 1.000 monatlich. Die Finanzverwaltung bezieht in diesen Betrag auch die Kosten für nachgewiesene Hausrats- und Einrichtungsgegenstände wie Möbel, Lampen, Gardinen, Haushaltsartikel und Ähnliches mit ein.

Hiergegen wandte sich ein Steuerpflichtiger und obsiegte beim Finanzgericht. Der BFH entschied mit Urteil vom 04.04.2019 (Az. VI R 18/17) ebenfalls zugunsten des Steuerpflichtigen und entgegen der Auffassung der Finanzverwaltung.

Nach Auffassung des BFH sind gemäß § 9 Abs. 1 S. 3 Nr. 5 EStG nur die Kosten der Unterkunft (Bruttokaltmiete oder die Absetzung für Abnutzung auf die Anschaffungs- oder Herstellungskosten, Zinsen für Fremdkapital, Reparatur- und Nebenkosten) auf den Höchstabzugsbetrag von EUR 1.000 beschränkt. Die Kosten der Einrichtung (Absetzung für Abnutzung auf angeschaffte Einrichtungsgegenstände und Aufwendungen für Haushaltsartikel) stellen keine Kosten der Unterkunft dar; sie sind den sonstigen notwendigen Mehraufwendungen zuzurechnen. Unbeachtlich ist, dass die Gegenstände in der Unterkunft genutzt werden; die Nutzung der Einrichtungsgegenstände ist nicht mit der Nutzung der Unterkunft als solcher gleichzusetzen. Derartige Aufwendungen sind daher nicht mit dem Höchstbetrag abgegolten und - soweit sie notwendig sind - ohne Begrenzung der Höhe nach abzugsfähig.

Da in dem hier entschiedenen Fall die Kosten für die Unterkunft an sich den Höchstbetrag nicht überschritten hatten, waren die Aufwendungen insgesamt in voller Höhe abzugsfähig.


Hinweis:

Der BFH stellt sich auch auf die Seite der Steuerpflichtigen, die im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung eine möblierte oder teilmöblierte Wohnung angemietet haben. Der Vermieter räumt dem Mieter durch die Möblierung über die Nutzung der Wohnung als solche hinaus sachlich einen Mehrwert an Gebrauchsmöglichkeiten ein. Soweit der Mietvertrag – wie meist üblich - keine Aufteilung der Miete für die Überlassung der Wohnung und der Möbelstücke enthält, ist die Miete für die Anwendung des Höchstbetrages im Schätzwege auf Wohnung und Einrichtungsgegenstände aufzuteilen.