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Aktuelles:

Entwurf des Deutschen Rechnungslegungsstandards Nr.36 „Segmentberichterstattung“ (E-DRS 36) veröffentlicht

12. Dezember 2019

Das Deutsche Rechnungslegungs Standards Committee e.V. (DRSC) hat am 29. Oktober 2019 den Entwurf des Deutschen Rechnungslegungsstandards Nr. 36 „Segmentberichterstattung“ (E-DRS 36) auf seiner Website veröffentlicht. E-DRS 36 dient der Konkretisierung der gesetzlichen Vorschriften zur Segmentberichterstattung, um welche der handelsrechtliche Konzernabschluss gem. § 297 Abs. 1 Satz 2 HGB sowie § 11 PublG erweitert werden darf. E-DRS 36 soll nach dessen Finalisierung den derzeit in Kraft befindlichen DRS 3 „Segmentberichterstattung“ ersetzen. Nach finaler Verabschiedung erhält E-DRS 36 die nächste freie Nummer in der Folge der DRS, sodass derzeit davon auszugehen ist, dass der finale Standard DRS 28 heißen wird.

Mit der Überarbeitung verfolgte das DRSC u.a. das Ziel, die Segmentberichterstattung stärker als bisher am sog. „Management Approach“ auszurichten. Den Adressaten der Segmentberichterstattung soll es ermöglicht werden, die geschäftliche Entwicklung der wesentlichen Teilbereiche des Konzerns aus Sicht der Konzernleitung beurteilen zu können. Die für innerbetriebliche Zwecke optimierte Struktur spiegelt die interne Überwachung und Steuerung des Konzerns nach Überzeugung des DRSC am besten wider und bietet damit auch den externen Abschlussadressaten die beste Entscheidungsgrundlage (E-DRS 36.13). Dazu ist

  • die Segmentabgrenzung,
  • die Bestimmung, welche Segmentdaten anzugeben sind, und
  • die Ermittlung dieser Segmentdaten

auf der Basis der internen Überwachungs- und Steuerungsstruktur der Segmente durch die Konzernleitung vorzunehmen (E-DRS 36.3).

Der personelle Anwendungsbereich des Standards erstreckt sich auf alle Mutterunternehmen, die nach § 290 HGB oder § 11 PublG zur Aufstellung eines handelsrechtlichen Konzernabschlusses verpflichtet sind oder einen solchen freiwillig aufstellen und die diesen Konzernabschluss gem. § 297 Abs. 1 Satz 2 HGB freiwillig um eine Segmentberichterstattung erweitern (E-DRS 36.4 f.). Wenn ein Unternehmen seinen handelsrechtlichen Jahresabschluss gem. § 264 Abs. 1 Satz 2 Halbsatz 2 HGB freiwillig um eine Segmentberichterstattung erweitert, wird die Anwendung des Standards empfohlen (E-DRS 36.7). Derzeit stellen zwar vergleichsweise wenige Bilanzierende freiwillig eine (Konzern-)Segmentberichterstattung auf. Die konsequentere Ausrichtung des DRS-Standards am Management Approach könnte die Bereitschaft der Unternehmen dazu allerdings erhöhen. Mutterunternehmen, die unter § 315e HGB fallen, haben ihre Konzern-Segmentberichterstattung demgegenüber zukünftig wie bisher nach IFRS 8 aufzustellen (E-DRS 36.6).

E-DRS 36 ist branchenneutral formuliert und gilt branchenunabhängig (E-DRS 36.8). Besonderheiten der Segmentberichterstattung von Instituten oder Versicherungsunternehmen, wie sie Anlage 2 und 3 zu DRS 3 adressieren, sind nicht Gegenstand des neuen Standards.

Die wesentlichen Regelungen des E-DRS 36 lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Die Abgrenzung der Segmente ist in einem ersten Schritt anhand der innerbetrieblichen Organisations- und Berichtsstruktur, welche für Zwecke der internen Steuerung durch das Management (im Fall mehrerer interner Segmentierungen: vorrangig) genutzt wird, vorzunehmen (E-DRS 36.11 ff.). Operative Segmente, deren wirtschaftlichen Charakteristika homogen sind, dürfen zusammengefasst werden (E-DRS 36.15). Aus den auf diese Weise bestimmten operativen Segmenten sind in einem zweiten Schritt diejenigen auszuwählen, die auch berichtspflichtig sind. Dies ist der Fall, wenn sie einen Schwellenwert von 10% bezogen auf die Umsatzerlöse, das Ergebnis oder das Vermögen aller operativen Segmente erreichen (E-DRS 36.19) oder ihre Angabe erforderlich ist, um 75% der konsolidierten Umsatzerlöse oder vergleichbaren Erträge des Konzerns abzudecken (E-DRS 36.23).
    Diese Vorgehensweise ähnelt dem nach DRS 3 Gebotenen. Bei mehreren internen Segmentierungen ist gem. DRS 3.11 jedoch eine Abgrenzung der operativen Segmente nach der Chancen- und Risikostruktur des Konzerns vorzunehmen, während nach E-DRS 36.14 die vorrangige interne Steuerung ausschlaggebend ist.
    Ein Konzern hat Informationen anzugeben, anhand derer die Abschlussadressaten die Art und die finanziellen Auswirkungen der von dem Konzern und seinen Segmenten ausgeübten Geschäftstätigkeiten sowie das wirtschaftliche Umfeld, in dem er tätig ist, beurteilen können (E-DRS 36.27). Jedes anzugebende Segment ist unter Erläuterung der für die Abgrenzung und die eventuelle Zusammenfassung operativer Segmente maßgeblichen Merkmale zu beschreiben (E-DRS 36.29). Die einem Segment zuordenbaren Produkte und Dienstleistungen sind anzugeben, wenn ein anzugebendes Segment nicht produktorientiert abgegrenzt ist (E-DRS 36.31).
  • Bei der Bestimmung und Ermittlung der Segmentdaten spielt der Management Approach ebenfalls eine zentrale Rolle. Die Bestimmung des Maßes für das Segmentergebnis, das -vermögen und für die -schulden wie auch deren Ermittlung ist an der (ggf. vorrangigen) internen Steuerung auszurichten (E-DRS 36.24-.26). Die Bestimmung des Segmentergebnisses durch die Konzernleitung sah DRS 3 zwar vor; die Ermittlung der Segmentdaten folgt allerdings nicht dem Management Approach, sondern ist in Übereinstimmung mit den Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden des zugrunde liegenden Konzernabschlusses vorzunehmen (DRS 3.19). Außerdem schreibt DRS 3 konkret vor, wie die Daten bei inter- und innersegmentären Liefer- und Leistungsbeziehungen sowie bei von mehreren Segmenten genutzten Vermögensgegenständen bzw. Schulden und den korrespondierenden Ergebniskomponenten zu ermitteln sind.
    Die Bewertungsgrundlagen der Segmentberichterstattung inkl. der Methoden zu intersegmentären Verrechnung und zur Allokation von Vermögensgegenständen und Schulden sowie entsprechender Aufwendungen und Erträge auf Segmente sind zu erläutern (E-DRS 36.32). Wenn nach E-DRS 36 auf die Methoden und Bewertungsansätze der internen Berichtserstattung an das Management für Zwecke der Konzernsteuerung abgestellt wird, kann es aufgrund möglicher Abweichungen zwischen den berichteten Werten der Segmentberichterstattung und denen des Konzernabschlusses erforderlich sein, diese Unterschiede zu erläutern.
  • Für jedes anzugebende Segment sind das Segmentergebnis, das Segmentvermögen und die Segmentschulden, falls diese Werte der Konzernleitung regelmäßig berichtet werden, sowie folgende Werte anzugeben, falls sie im Segmentergebnis bzw. im Segmentvermögen enthalten sind oder der Konzernleitung regelmäßig berichtet werden (E-DRS 36.33 ff.):
    • Umsatzerlöse oder vergleichbare Erträge, unterteilt in Umsätze mit Dritten und mit anderen Segmenten,
    • Zinserträge und -aufwendungen,
    • planmäßige Abschreibungen,
    • wesentliche Ertrags- und Aufwandsposten,
    • Ergebnis aus Beteiligungen, die nach der Equity-Methode abgebildet werden,
    • Ertragsteuerergebnis,
    • wesentliche nicht zahlungswirksame Posten (außer Abschreibungen),
    • Buchwert der nach der Equity-Methode abgebildeten Anteile,
    • Buchwert der Zugänge zum Anlagevermögen.

Die Gesamtbeträge der Segmentumsatzerlöse, Segmentergebnisse, Segmentvermögen, Segmentschulden sowie sonstigen wesentlichen Segmentposten sind auf die entsprechenden Posten der Konzernbilanz und -GuV unter Angabe und Erläuterung wesentlichen Überleitungsposten überzuleiten (E-DRS 36.38 ff.).

  • Anders DRS 3, der Vorjahresangaben empfiehlt, enthält E-DRS 36 weder eine Empfehlung noch ein Gebot zur Angabe von Vorjahreswerten.
  • Wie schon DRS 3, sieht auch E-DRS 36 für die Segmentberichterstattung keine bestimmte Darstellung vor, vielmehr ist der internen Berichtsstruktur zu folgen. Wahlrecht, bspw. zur Zusammenfassung von Segmenten, sind grds. stetig auszuüben; nur ausnahmsweise kann eine Stetigkeitsdurchbrechung gerechtfertigt sein und ist dann zu begründen (E-DRS 36.41 ff.).

Es besteht bis zum 31.Dezember 2019 die Möglichkeit, zu dem Standardentwurf gegenüber dem DRSC schriftlich Stellung zu nehmen.

Einen konkreten Erstanwendungszeitpunkt nennt der Standardentwurf noch nicht; ebenso nicht den Zeitpunkt des Außerkrafttretens von DRS 3. Gegenwärtig darf wohl angenommen werden, dass der endgültige Standard frühestens für am 1. Januar 2021 beginnende Geschäftsjahre anzuwenden sein könnte.