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Aktuelles:

Neuerungen in der Berichterstattung in Bestätigungsvermerk und Prüfungsbericht

15. Februar 2019

Nachdem bei der Prüfung von Abschlüssen von Unternehmen von öffentlichem Interesse die neuen IDW Prüfungsstandards rund um die Berichterstattung des Abschlussprüfers schon auf ab dem 17.6.2016 beginnende Geschäftsjahre anzuwenden waren, müssen die neuen Standards in dieser Saison bei der Prüfung aller Unternehmen beachtet werden. Konkret gelten sie für die Abschlussprüfung von Geschäftsjahren, die nach dem 15.12.2017 beginnen (mit Ausnahme von Rumpfgeschäftsjahren, die vor dem 31.12.2018 enden). Bei kalenderjahrgleichem Geschäftsjahr ist dies die Prüfung des Abschlusses zum 31.12.2018.

Bei den Prüfungsstandards handelt es sich um die sogenannte IDW PS 400er Reihe zum Bestätigungsvermerk (IDW PS 400 n.F., IDW PS 405 und IDW PS 406) und IDW PS 450 n.F. zum Prüfungsbericht. Ergänzend zu beachten sind der überarbeitete IDW PS 270 n.F. zum Thema Going Concern sowie der noch im Entwurf befindliche ISA 720 (Rev.) E-DE zum Umgang des Abschlussprüfers mit sonstigen Informationen, die auch Auswirkungen auf die Berichterstattung in Bestätigungsvermerk und Prüfungsbericht haben.

Aus der Erstanwendung der neuen Standards bei der Prüfung von Unternehmen, die nicht Unternehmen von öffentlichem Interesse sind, resultieren zahlreiche Änderungen in unserer Berichterstattung. Im Folgenden geben wir Ihnen einen kurzen Überblick.

Der neue Bestätigungsvermerk

Im Bereich des Bestätigungsvermerks resultieren die wesentlichen Änderungen für Unternehmen, die nicht Unternehmen von öffentlichem Interesse sind, aus der Umsetzung der Vorgaben der International Standards on Auditing (ISA). Neben einer stärkeren Untergliederung und der Einführung zwingender Zwischenüberschriften enthält der neue Bestätigungsvermerk auch eine Reihe zusätzlicher Inhalte. Dadurch fällt er zukünftig deutlich ausführlicher aus als bisher.

Während der uneingeschränkte Bestätigungsvermerk aufgrund einer gesetzlichen Prüfung des Jahresabschlusses und Lageberichtes bisher regelmäßig nicht mehr als eine DIN A4-Seite umfasste, wird unser Bestätigungsvermerk in einem solchen Fall nun mindestens 3 bis 4 DIN A4-Seiten in Anspruch nehmen.

Unser Bestätigungsvermerk gliedert sich zukünftig wie folgt:

Überschrift: Bestätigungsvermerk des unabhängigen Abschlussprüfers

An die … [Gesellschaft]

Vermerk über die Prüfung des Abschlusses und des Lageberichts

Prüfungsurteile

Grundlage für die Prüfungsurteile

Wesentliche Unsicherheit im Zusammenhang mit der Fortführung der Unternehmenstätigkeit
(sofern eine solche Unsicherheit besteht)

Sonstige Informationen
(sofern sonstige Informationen veröffentlicht werden)

Verantwortung der gesetzlichen Vertreter (und des Aufsichtsrats) für den Abschluss und den Lagebericht

Verantwortung des Abschlussprüfers für die Prüfung des Abschlusses und des Lageberichts

Sonstige gesetzliche und andere rechtliche Anforderungen

Ort, Datum und Unterschrift

Der Aufbau des Bestätigungsvermerks entspricht – mit Ausnahme des Abschnitts zu den besonders wichtigen Prüfungssachverhalten – dem der Bestätigungsvermerke, die an Unternehmen von öffentlichem Interesse erteilt werden.

Die wichtigsten Neuerungen betreffen:

  • Positionierung der Prüfungsurteile am Anfang des Bestätigungsvermerks
  • Berichterstattung über wesentliche Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Fortführung der Unternehmenstätigkeit
  • Umgang mit sonstigen Informationen
  • Umfangreichere Ausführungen zu den Verantwortlichkeiten der gesetzlichen Vertreter (und des Aufsichtsrats) sowie des Abschlussprüfers
  • Eigenständiger Abschnitt im Bestätigungsvermerke zur Berichterstattung über die Prüfung aufgrund sonstiger gesetzlicher und anderer rechtlicher Anforderungen.

Positionierung der Prüfungsurteile am Anfang des Bestätigungsvermerks

Die Prüfungsurteile zum Abschluss und zum Lagebericht sind nach den berufsrechtlichen Vorgaben zukünftig zwingend an den Anfang des Bestätigungsvermerks zu stellen. Abweichend von der bisherigen Praxis bilden die Prüfungsurteile zum Abschluss und zum Lagebericht daher nun den ersten inhaltlichen Teil des Bestätigungsvermerks.

Nicht modifizierte, d.h. uneingeschränkte Prüfungsurteile zu einem handelsrechtlichen Jahresabschluss und Lagebericht einer Kapitalgesellschaft werden nunmehr wie folgt lauten:

„Nach unserer Beurteilung aufgrund der bei der Prüfung gewonnenen Erkenntnisse

  • entspricht der beigefügte Jahresabschluss in allen wesentlichen Belangen den deutschen, für Kapitalgesellschaften geltenden handelsrechtlichen Vorschriften und vermittelt unter Beachtung der deutschen Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens- und Finanzlage der Gesellschaft zum ... [Datum] sowie ihrer Ertragslage für das Geschäftsjahr vom … [Datum] bis zum … [Datum] und
  • vermittelt der beigefügte Lagebericht insgesamt ein zutreffendes Bild von der Lage der Gesellschaft. In allen wesentlichen Belangen steht dieser Lagebericht in Einklang mit dem Jahresabschluss, entspricht den deutschen gesetzlichen Vorschriften und stellt die Chancen und Risiken der zukünftigen Entwicklung zutreffend dar.

Gemäß § 322 Abs. 3 Satz 1 HGB erklären wir, dass unsere Prüfung zu keinen Einwendungen gegen die Ordnungsmäßigkeit des Jahresabschlusses und des Lageberichts geführt hat.“

Anders als bisher wird nicht ein zusammengefasstes Prüfungsurteil zum Abschluss und Lagebericht erteilt, sondern je ein Prüfungsurteil zum Abschluss und eines zum Lagebericht.

Berichterstattung über wesentliche Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Fortführung der Unternehmenstätigkeit

Besteht eine wesentliche Unsicherheit im Zusammenhang mit der Fortführung der Unternehmenstätigkeit, ist zukünftig darüber in einem gesonderten Abschnitt im Bestätigungsvermerk zu berichten. Dieser Abschnitt ersetzt den bisherigen Hinweis auf Bestandsgefährdung. Durch die Aufnahme eines gesonderten Abschnitts mit der Überschrift „Wesentliche Unsicherheit im Zusammenhang mit der Fortführung der Unternehmens­tätigkeit“ und die prominente Platzierung zu Beginn des Bestätigungsvermerks unmittelbar nach der Grundlage für die Prüfungsurteile wird im Bestätigungsvermerk deutlicher als bisher auf das Bestehen bestandsgefährdender Risiken hingewiesen.

Der gesonderte Abschnitt muss bei bestandsgefährdenden Risiken auch dann in den Bestätigungsvermerk aufgenommen werden, wenn ein Unternehmen nicht zur Aufstellung eines Lageberichts verpflichtet ist. In dem überarbeiteten IDW PS 270 n.F. formuliert das Institut der Wirtschaftsprüfer eine Pflicht zur Angabe einer wesentlichen Unsicherheit im Zusammenhang mit der Fortführung der Unternehmenstätigkeit im Anhang handelsrechtlicher Abschlüsse. Wird kein Anhang aufgestellt, sind entsprechende Angaben unter der Bilanz erforderlich. Fehlt die Angabe der wesentlichen Unsicherheit im Abschluss, kann kein uneingeschränktes Prüfungsurteil zum Abschluss erteilt werden. Dies gilt selbst dann, wenn eine Angabe im Lagebericht erfolgt ist.

Umgang mit sonstigen Informationen

Sonstige Informationen sind im Geschäftsbericht eines Unternehmens enthaltene, nicht der Abschlussprüfung unterliegende Finanzinformationen oder nichtfinanzielle Informationen, mit Ausnahme des Abschlusses selbst, den inhaltlich geprüften Angaben des Lageberichts sowie dem dazugehörigen Vermerk des Abschlussprüfers. Das bedeutet, dass die nicht prüfungspflichtigen Bestandteile des Lageberichts sonstige Informationen darstellen. Ein Beispiel ist die Erklärung zur Unternehmensführung nach § 289 f Abs. 4 HGB (Angaben zur Frauenquote), die auch einige nicht börsennotierte Gesellschaften machen müssen.

Ein Abschnitt „Sonstige Informationen“ im Bestätigungsvermerk ist immer dann erforderlich, wenn das geprüfte Unternehmen sonstige Informationen erstellt und – bei nicht kapitalmarktnotierten Unternehmen – der Abschlussprüfer diese sonstigen Informationen vor dem Datum des Bestätigungsvermerks erlangt hat. Die sonstigen Informationen werden in diesem Abschnitt einzeln aufgeführt. Es wird dargelegt, dass sie nicht Gegenstand der Abschlussprüfung waren und wir sie ausschließlich lesen und würdigen, ob wesentliche Unstimmigkeiten zum Abschluss, Lagebericht oder unseren bei der Prüfung erlangten Kenntnissen bestehen oder die sonstigen Informationen anderweitig wesentlich falsch dargestellt erscheinen. Über die Ergebnisse dieser Würdigung dürfen wir jedoch im Bestätigungsvermerk nur berichten, wenn wir – bspw. im Auftragsbestätigungsschreiben - von unserer Verschwiegenheitspflicht entbunden wurden.

Umfangreichere Ausführungen zu den Verantwortlichkeiten der gesetzlichen Vertreter (und des Aufsichtsrats) sowie des Abschlussprüfers

Bisher wurde zu den Verantwortlichkeiten in den Bestätigungsvermerken verhältnismäßig kurz festgestellt, dass die gesetzlichen Vertreter für Buchführung und Aufstellung von Abschluss und Lagebericht verantwortlich sind und es Aufgabe des Prüfers ist, auf Grundlage der durchgeführten Prüfung eine Beurteilung zu Abschluss und Lagebericht abzugeben.

Hinsichtlich der gesetzlichen Vertreter wird zukünftig zusätzlich auf die Verantwortung für das rechnungslegungsbezogene interne Kontrollsystem hingewiesen sowie auf die Verantwortung für die Beurteilung der Fähigkeit der Gesellschaft zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit. In diesem Zusammenhang wird im Bestätigungsvermerk dargestellt, dass die gesetzlichen Vertreter zu beurteilen haben, ob die Anwendung des Rechnungslegungsgrundsatzes der Fortführung der Unternehmenstätigkeit angemessen ist, und dass sie Sachverhalte im Zusammenhang mit der Fortführung der Unternehmenstätigkeit angeben müssen.

Hat die Gesellschaft ein Aufsichtsorgan, das rechtlich (z.B. aus Gesetz oder Gesellschaftsvertrag) zur Überwachung des Rechnungslegungsprozesses verpflichtet ist wie bspw. der Aufsichtsrat einer AG, wird im Bestätigungsvermerk zusätzlich auf die Verantwortung des Aufsichtsorgans für die Überwachung hingewiesen. Das Aufsichtsorgan ist dabei konkret zu benennen. Bei einer GmbH kann dies der Aufsichtsrat, der Beirat oder auch die Gesellschafterversammlung sein, sofern diese zur Aufsicht über den Rechnungslegungsprozess gesetzlich oder vertraglich verpflichtet sind.

Auch die Ausführungen zur Verantwortung des Abschlussprüfers fallen zukünftig ausführlicher aus. Inhaltlich werden die Konzepte der hinreichenden Sicherheit und der Wesentlichkeit bei der Abschlussprüfung erläutert sowie die Ermessensausübung und die kritische Grundhaltung. Eingegangen wird auch, deutlich detaillierter als bisher, auf das Vorgehen bei der risikoorientierten Abschlussprüfung und darauf, dass das Risiko der Nichtentdeckung falscher Angaben bei Verstößen deutlich höher ist als bei Unrichtigkeiten. Explizit erwähnt wird dabei auch die Beurteilung der Angemessenheit der Anwendung des Rechnungslegungsgrundsatzes der Fortführung der Unternehmenstätigkeit. Darüber hinaus wird in diesem Abschnitt auf die notwendige Kommunikation zwischen Abschlussprüfer und Aufsichtsorgan hingewiesen.

Für mehr Informationen besuchen Sie unseren Fachbereich Rechnungslegung.

Eigenständiger Abschnitt im Bestätigungsvermerke zur Berichterstattung über die Prüfung aufgrund sonstiger gesetzlicher und andere rechtlicher Anforderungen

In dem Abschnitt „Sonstige gesetzliche und andere rechtliche Anforderungen“ sind Prüfungsurteile zu sonstigen Prüfungsgegenständen sowie die sonstigen vorgenannten Pflichtangaben bezogen auf die sonstigen Prüfungsgegenstände zu machen. Aussagen zu den sonstigen Prüfungsgegenständen dürfen wie bisher in den Bestätigungsvermerk nur dann aufgenommen werden, wenn eine Rechtsnorm dies vorsieht (z.B. § 6b Abs. 5 EnWG, § 8 Abs. 3 UBGG, § 30 KHGG NRW, § 20 SKHG). Wenn nicht über sonstige Prüfungsgegenstände zu berichten ist, entfallen der Abschnitt sowie die Überschrift des vorangehenden Abschnitts „Vermerk über die Prüfung des Abschlusses und des Lageberichts“.

Der neue Prüfungsbericht

Bereits im letzten Jahr haben wir unsere Prüfungsberichte für die Jahres- und Konzernabschlussprüfungen von Unternehmen von öffentlichem Interesse aufgrund der Anforderungen der EU-Abschlussprüfungsverordnung umfassend überarbeitet. Für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 15.12.2017 beginnen (mit der Ausnahme von Rumpfgeschäftsjahren, die vor dem 31.12.2018 enden), gilt der neue Prüfungsstandard zur Prüfungsberichterstattung nun für alle Unternehmen. Aus dem neuen Prüfungsstandard selbst ergeben sich wenige Neuerungen für die Prüfungsberichterstattung bei Unternehmen, die nicht Unternehmen von öffentlichem Interesse sind.

Zwei Aspekte haben uns dennoch zu einer umfassenden Überarbeitung unserer Berichte veranlasst. Zum einen enthält der geänderte Bestätigungsvermerk nun viele Informationen, die bisher in unseren Prüfungsberichten enthalten waren. Um der Bedeutung des Bestätigungsvermerks Rechnung zu tragen und um Dopplungen in der Berichterstattung zu vermeiden, haben wir in den neuen Prüfungsberichten den Bestätigungsvermerk, den wir bisher am Ende des Prüfungsberichts wiedergegeben haben, vorangestellt. In den Abschnitten zur Darstellung von Gegenstand, Art und Umfang der Prüfung haben wir entsprechende Kürzungen vorgenommen für Sachverhalte, die bereits im Bestätigungsvermerk dargestellt werden.

Zum anderen haben wir - ebenfalls mit dem Ziel einer höheren Adressatenorientierung - eine Harmonisierung unserer Prüfungsberichte herbeigeführt, um innerhalb von Unternehmensgruppen unterschiedliche Berichtsformate zu vermeiden. Wir verwenden daher eine einheitliche Gliederung für unsere Prüfungsberichte.