Wir verwenden Cookies auf unserer Webseite, um Ihren Besuch effizienter zu machen und Ihnen eine möglichst angenehme Nutzung bieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Dafür setzen wir Google Analytics ein. Weitere Informationen finden Sie in unserer DATENSCHUTZERKLÄRUNG.
Artikel:

IDW RS HFA 40: Einzelfragen zum impairment-Test

Veröffentlichung der Klarstellungen nach IAS 36

Das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) hat im Juni 2015 den IDW RS HFA 40: Einzelfragen zu Wertminderungen von Vermögenswerten nach IAS 36 veröffentlicht. Die Publikation versucht sich insbesondere auf häufig auftretende Unsicherheiten bzgl. bestimmter Anwendungsfragen des IAS 36 zu konzentrieren.

Der impairment-Test stellt i.d.R. einen der wichtigsten Bestandteile der Bilanzierung nach IFRS dar, da u.a. der goodwill ausschließlich einem impairment only approach unterliegt. Mit der Veröffentlichung von IDW RS HFA 40 wird der IDW RS HFA 16 (veröffentlicht 2005) gründlich „überarbeitet“. Der vorliegende Beitrag soll IDW RS HFA 40 überblicksartig kurz zusammenfassen und dabei wesentliche Problembereiche des IAS 36 behandeln.

Technische Grundlagen des impairment-Test

Vermögenswerte, die in Ihrer Folgebewertung ausschließlich dem Anwendungsbereich des IAS 36 unterliegen, bergen wg. des Gestaltungspotentials besonderen bilanzpolitischen Sprengstoff. Der impairment-Test vergleicht den Buchwert des Vermögenswerts mit dessen „Nutzungspotential“ (recoverable amount), welches sowohl aus Fortführungsperspektive (value in use; „VIU“) wie auch aus exit-Perspektive (fair value less cost to sell; „FVLCS“) beurteilt werden kann. Kann der einzelne Vermögenswert den Buchwert zukünftig nicht mehr erwirtschaften (Einzelbewertungsfiktion), ist dieser im Wert zu mindern. Beide Konzepte verwenden oftmals Barwertverfahren, deren Einflussparameter (cash flows, Zinssatz, Abgangskosten) sich erheblich auf das Resultat auswirken.

Mangels Einzelbewertbarkeit verkompliziert sich der impairment-Test durch die erforderliche Vermögenswertaggregation zu einer CGU. Der Test wirft somit folgende Problemstellungen auf:

  • Wann ist ein impairment-Test durchzuführen?
  • Welche cash flows sind heranzuziehen?
  • Welcher Zinssatz ist heranzuziehen?
  • Wie setzt sich der Buchwert der CGU zusammen?

Unterschiede beim Barwertmodell

Zur Ermittlung des recoverable amount stützt sich der VIU immer auf die Verwendung eines Barwertkalküls (IDW RS HFA 40). Der FVLCS stellt hingegen vornehmlich auf einen – vielfach kaum beobachtbaren - Marktpreis gem. IFRS 13 (Stufe I) ab. Ohne alternative Bewertungsmethode (Barwertkalkül) bliebe der FVLCS ohne Zweck. Aus exit-Preis-Sicht unterliegt die Anwendung des Barwertkalküls besonderen Objektivierungserfordernissen (IDW RS HFA 40.4). Sofern nicht intersubjektiv nachprüfbar bzw. auch Dritten zugänglich, bleiben bestimmte Wertkomponenten zwangsweise unbeachtlich. Dies umfasst alle Vor- und Nachteile, die nicht auch für Dritte Wirkung entfalten sowie Vorteile aus dem Arrangement eines Portfolios.

Wertminderungszeitpunkt und -indikatoren

Ein impairment-Test ist entweder bei bestehenden Wertminderungsindikatoren oder auf jährlicher Basis (goodwill) durchzuführen. Die Veränderung des jährlichen Testzeitpunkts kann mit veränderten Planungszeitpunkten gerechtfertigt werden, jedoch darf der Test – ohne Übergangstest - nicht über ein Jahr hinaus verschoben werden (RS HFA 40.9). Besondere Wertminderungsindikatoren gem. RS HFA 40.11 sind:

  • Verhältnis von Kaufpreis und Buchwert der NCI
  • Verhältnis von Marktkapitalisierung und Buchwert des Nettovermögens

Übersteigt der Buchwert die Marktkapitalisierung, indiziert dies zwar einen Wertminderungsbedarf, jedoch kann dieser anderweitig erklärbar sein (Analystenpräferenzen, Illiquidität des Marktes). Auch in diesen Fällen ist ein impairment-Test für alle CGUs vorzunehmen (RS HFA 40.11). Ausnahmen können wie folgt sein:

  • Der letzte Test besaß einen erheblichen Abwertungspuffer
  • Die CGU besteht aus Vermögenswerten zumeist außerhalb des Anwendungsbereich von IAS 36
  • Die gesunkene Marktkapitalisierung hat eindeutige Ursachen (z.B. regionale Konflikte)

Bleibt die Marktkapitalisierung längere Zeit unter dem Buchwert, kann eine wiederholte Analyse entfallen, sofern die vorherigen Ausnahmen weiter greifen.

Bestimmung des erzielbaren Betrags

Zahlungsstrom

Die Ermittlung des FVLCS unterliegt den Regelungen des IFRS 13 (RS HFA 40.15). Mangels direkt beobachtbarer Marktinputs kann ein Level I fair value nur selten ermittelt werden, daher kommt zumeist ebenfalls ein Barwertverfahren zur Bewertung zum Einsatz. Damit gelten die Vorgaben zum Barwerttest beim VIU, z.B. die Vorgaben zur Zinssatzermittlung, auch beim FVLCS.

Die Zahlungsstromprognose hat im VIU auf vernünftigen und vertretbaren Annahmen des Managements zu beruhen. Die Planung ist anhand der vergangenen Plan-/Ist-Abweichungen zu plausibilisieren. Eine Ausweitung des Planungszeitraums über fünf Jahre hinaus kommt insbesondere bei Branchen mit stabiler und vorhersehbarer Entwicklung (z.B. Immobilienunternehmen) in Betracht (RS HFA 40.19). Eine kürzere Planungsdauer kann aber angezeigt sein, wenn in einer CGU ein leading asset mit kürzerer Lebensdauer die cash flows wesentlich prägt (RS HFA 40.31).

In der ewigen Rente wird in der Praxis zumeist das letzte Planjahr extrapoliert. Dieses Vorgehen lässt sich aber nur dann rechtfertigen, wenn das Unternehmen im letzten Planjahr einen wirtschaftlich eingeschwungenen Zustand erreicht hat, somit die cash flows nur noch unwesentlichen Schwankungen unterliegen. Bei zyklischem Branchenverlauf wären grundsätzlich Anpassungen vorzunehmen, da dann kein eingeschwungener Zustand existiert. In den geplanten Mittelabflüssen müssen zahlungswirksame Overheadkosten einbezogen werden, wobei diese i.d.R. per Schlüssel zu verteilen sind (RS HFA 40.23).

Beim VIU sind Aus- bzw. Einzahlungen unbeachtlich, wenn diese keinen verpflichtenden Charakter haben (Restrukturierungen) oder nicht die derzeitige Ertragskraft darstellen (Erweiterungsinvestitionen). Hierbei wäre folgende Einschränkung zu machen: Vorteile aus in der Umsetzung befindlichen Erweiterungsinvestitionen sind einbezugsfähig, wenn zum Bilanzstichtag nicht unwesentliche Zahlungsmittel bereits abgeflossen sind bzw. Zahlungsverpflichtungen eingegangen wurden. Nicht zu den Erweiterungsinvestitionen zählen Großinspektionen oder Umweltschutzinvestitionen (RS HFA 40.28).

Kapitalisierungszinssatz

Die Abzinsungsgröße versteht sich als Rendite, die Investoren bei gleichwertiger Investition mit gleichen Zahlungsströmen (Beträge, Zeiträume, Risikoprofil) erwarten würden (RS HFA 40.43). I.d.R. sind hierfür die weighted average cost of capital unter Berücksichtigung des capital asset pricing model zu beachten. Sowohl für das spezifische Risiko als auch für nicht relevante Risiken sind Zinssatzanpassungen vorzunehmen (z.B. bzgl. des Länderrisikos; RS HFA 40.45).

Die Ermittlung des Kapitalisierungszinssatzes erfolgt dabei unabhängig von der Objektfinanzierung, d.h. maßgeblich ist die Kapitalstruktur einer peer group. Für eine qualitativ gleichwertige peer group sind die Unternehmen u.a. hinsichtlich des Geschäftsmodells, der geographischen Verteilung und dem Lebenszyklus der CGU vergleichbar und nach ausreichend liquider Handelbarkeit zu wählen (RS HFA 40.48). Zur Bestimmung der Fremdkapitalkosten im WACC ist auch eine peer group heranzuziehen, da ein Rückgriff auf die eigenen aktuellen oder historischen Fremdkapitalkosten ausscheidet (RS HFA 40.49). Der (quasi) risikofreie Zinssatz zur Ableitung des Fremdkapital- und des Eigenkapitalzinssatzes ist konsistent zur Anleihenlaufzeit zu wählen (RS HFA 40.50). Die Eignung der peer group ist an jedem Stichtag zu überprüfen.

Die Anwendung des Barwertverfahrens legt einen Vorsteuerzinssatz zugrunde. Beobachtbare Renditen risikobehafteter Eigenkapitaltitel enthalten regelmäßig aber Steuereffekte. Bei gleichbleibender Planung (einfacher Rentenfall) bleibt ein bloßes Hochschleusen (grossing up) des Zinssatzes vertretbar. Ansonsten ist die Ermittlung des Vor-Steuer-Zinssatzes iterativ vorzunehmen (RS HFA 40.53).

Cash generating unit

Eine Aggregation von Vermögenswerten zu einer CGU ist erforderlich, wenn der VIU nicht dem FVLCS entspricht und der Vermögenswert keine eigenständigen unabhängigen cash flows erwirtschaftet (RS HFA 40.56). Sofern der FVLCS ermittelt werden kann und den Buchwert übersteigt, kann die Bestimmung der CGU unterbleiben. Das Vorliegen einer CGU ist im Einzelfall zu beurteilen (siehe hierzu die Beispiele in RS HFA 40.59 ff.). So können z.B. auch Einheiten eine CGU darstellen, die lediglich Produkte zum internen Verbrauch herstellen, sofern ein marktkonformer Verrechnungspreis angesetzt wird (RS HFA 40.58).

Bestimmung des Buchwerts der CGU

Zuordnung und Abgang von goodwill

Der goodwill ist für Testzwecke auf die verschiedenen CGUs anhand der entstehenden Synergien zuzuordnen. Hilfsweise kann der goodwill auch anhand anderer Indikatoren (z.B. fair value der CGUs, EBIT oder EBITDA) allokiert werden. Dabei kann ggfs. eine Zuordnung auch nur zu den bereits existierenden CGUs sachgerecht sein (RS HFA 40.74). U.U. erfolgt am Jahresende nur eine vorläufige Kaufpreisallokation, kann eine goodwill-Zuordnung zu den CGUs vorläufig unterbleiben und auf eine Werthaltigkeitsprüfung des fraglichen goodwill vorerst verzichtet werden (RS HFA 40.84). Sollte jedoch ein impairment-Indikator vorliegen, wäre ein impairment-Test nach vorläufiger Zuordnung vorzunehmen bzw. eine Werthaltigkeitsprüfung im Einzelfall durchzuführen.

Geht ein Geschäftsbereich (operation) ab, ist der damit verbundene goodwill anteilig auszubuchen. Eine genaue Definition zum Geschäftsbereich existiert aber nicht, sollte jedoch zumindest dann vorliegen, wenn ein business i.S.v. IFRS 3 vorliegt (RS HFA 40.77). Bei einer Reorganisation und der infolge der Änderung der Berichtsstruktur notwendigen Reallokation des goodwill hat diese auf Basis des VIU oder FVLCS zu erfolgen. Eine Verteilung anhand der Buchwerte scheidet aus (RS HFA 40.79). Vor Reallokation des goodwill ist dieser gemäß alter Berichtsstruktur nochmal einem impairment-Test zu unterziehen (RS HFA 40.82).

Zusammensetzung des Buchwerts der CGU

Bei einem Test auf CGU Basis sind nur die Vermögenswerte in den Test einzubeziehen, die cash flows zum erzielbaren Betrag der CGU beisteuern. Eine Verbindlichkeit wäre demnach nur im Buchwert zu berücksichtigen, wenn ohne diese der erzielbare Betrag nicht ermittelt werden könnte (z.B. bei Rekultivierungsverpflichtungen; RS HFA 40.64). Bei Pensionsrückstellungen gilt Folgendes (RS HFA 40.65):

  • Rückstellungen für Altersteilzeit sind nicht einzubeziehen, d.h. auch Pensionszahlungen bleiben unbeachtlich
  • Auf die Rückstellung anfallender Zinssaufwand bleibt ebenso unbeachtlich
  • Zuführungen zu Rückstellungen im Detailplanungszeitraum (service cost) sind einzubeziehen

Hinsichtlich des net working capital ist wie folgt zu verfahren (RS HFA 40.66):

  • Bei Berücksichtigung im Buchwert der CGU werden in den cash flows die Veränderungen abgebildet
  • Ohne Berücksichtigung im Buchwert der CGU gilt es im cash flows sowohl den Anfangsbestand als auch die Veränderungen abzubilden

Bei Sicherungsgeschäften kann das Sicherungsinstrument wahlweise berücksichtigt werden. Eine Nichtberücksichtigung scheidet aus, sofern die own use exemption zur Anwendung kommt (RS HFA 40.69).

Zusammenfassung Impairment Test

Der goodwill impairment-Test bleibt eine der wichtigsten zu beurteilenden Bilanzierungsfragen nach IFRS. Speziell das große Interesse der DPR am impairment-Test macht eine Konkretisierung der Standardvorgaben durchaus notwendig, da es zu befürchten bleibt, dass der impairment-Test – obwohl dieser nicht mehr als DPR Prüfungsschwerpunkt aufgeführt wird – weiterhin im Blickpunkt steht. Auch wenn große Teile des Standards keine Neuerungen darstellen, so ergeben sich dennoch verschiedene Klarstellungen, die durchaus zu begrüßen sind und Klarheit schaffen.