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Studie zur nichtfinanziellen Berichterstattung der DAX160-Unternehmen

12. Dezember 2019

Zunehmend fordern die verschiedensten Anspruchsgruppen eine stetig steigende Transparenz, Vergleichbarkeit und Glaubwürdigkeit der unternehmerischen Rechenschaftslegung über nichtfinanzielle Informationen, die auch in gesetzgeberischen Maßnahmen bzw. regulatorischen Empfehlungen münden. So muss z.B. eine bestimmte Gruppe von Unternehmen neben ihrer ggf. bisherigen freiwilligen Nachhaltigkeitsberichterstattung zusätzliche gesetzlich verpflichtende Anforderungen des CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetzes (CSR-RUG) erfüllen.[1]

Fraglich ist, wie Unternehmen den gesetzlichen Anforderungen nachkommen und ob das CSR-RUG die freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung sogar verdrängt.

Um diesen Fragen nachzugehen, wurde die Nachhaltigkeitsberichterstattung der DAX160-Unternehmen untersucht und nach bestimmten Kriterien analysiert. Nachfolgend werden die wesentlichen Aussagen der Studie dargestellt.

Die Studie ist unter dem Link „NACHHALTIG GUT BERICHTEN! Verdrängt die CSR-Berichtspflicht die bisherige Nachhaltigkeitsberichterstattung?“ abrufbar.

Vorgehen

In die Studie wurden alle Unternehmen einbezogen, die im Jahr 2019 im DAX160 gelistet waren und bis zum Stichtag, dem 30. Juni 2019, ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung für das Berichtsjahr 2018 veröffentlicht haben. In der Analyse wurden die Nachhaltigkeitsberichte sowie, falls vorhanden, die nichtfinanziellen (Konzern-) Erklärungen nach CSR-RUG untersucht und anhand verschiedener Kriterien ausgewertet.

Ergebnisse der Studie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung

Ausgehend von allen DAX160-Unternehmen - unabhängig vom Stichtag, dem 30. Juni 2019 - entschieden sich bis zur Veröffentlichung der Studie, dem 12. September 2019, 67% für eine gesonderte freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung im Jahr 2019. Der Vergleich zum Vorjahr zeigte dabei keine signifikanten Veränderungen.

Auswertung Nachhaltigkeitsberichte

Von den insgesamt 160 DAX-Unternehmen hatten bis zum Stichtag, dem 30. Juni 2019, 92 Unternehmen einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht.

Bei der Verwendung von Rahmenwerken griffen 86% der berichtenden Unternehmen auf die GRI-Standards zurück, wovon sich 3% zusätzlich an den Leitlinien des International Integrated Reporting Council (IIRC) orientierten. Die bis zum Juli 2018 gültigen G4 Guidelines der Global Reporting Initiative (GRI) fanden aufgrund von abweichenden Geschäftsjahren noch in 2% der Fälle Anwendung. Die alleinige Nutzung des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) fand bei lediglich 2% der ausgewerteten Unternehmen statt. 10% der untersuchten Unternehmen verzichteten in Gänze auf die Anwendung eines Rahmenwerks.

Bei Nutzung des Rahmenwerks der GRI wurde überwiegend (69%) in Übereinstimmung mit der Option „Core“ berichtet, 11% wählten die „Comprehensive“-Option und 20% stellten die Nachhaltigkeitsberichterstattung „in Anlehnung an“ den GRI-Standard auf.

Ergänzend zur Anwendung von Rahmenwerken bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung wurde die Anwendung weiterer Leitlinien, Prinzipien sowie Initiativen in die Analyse mit einbezogen.

Die Sustainable Development Goals (SDG) der UN wurden von 67% der Unternehmen in die Nachhaltigkeitsberichterstattung einbezogen. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies eine Steigerung um rund 20%-Punkte, was die zunehmende Relevanz der SDGs unterstreicht.

Auf der von der Disclosure Insight Action (CDP) veröffentlichten Plattform haben 60% der untersuchten Unternehmen ihre Informationen zum Thema „Klima“ offengelegt und darauf in ihrem Nachhaltigkeitsbericht Bezug genommen.

Unternehmen, die Mitglied des United Nation Global Compact (UNGC) waren, stiegen im Vergleich zum Vorjahr nur geringfügig von 42% auf 46% an.

Der Science-Based-Targets-Initiative (SBTi) waren insgesamt 12% der ausgewerteten Unternehmen beigetreten, wobei mehr als die Hälfte den Anforderungen entsprechende Ziele aufgesetzt haben. Der Rest der Mitglieder der SBTi war noch in der Entwicklungsphase entsprechender Ziele.

Neben den vorangegangenen Kriterien wurde auch die Vorgehensweise zur Bestimmung der wesentlichen Themen in den Fokus der Untersuchung genommen. In 92% der untersuchten Nachhaltigkeitsberichterstattungen wurde eine Wesentlichkeitsanalyse durchgeführt. Die daraus gewonnene Anzahl der wesentlichen Themen reichte der Anzahl nach von 3 bis 40, mit einem Durchschnittswert von 14. Zur Veranschaulichung der Wesentlichkeitsanalyse stellten 62% der Unternehmen eine Wesentlichkeitsmatrix in ihren Berichten dar.

Unternehmen können ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung von externen Dienstleistern prüfen lassen und so unter anderem eine höhere Glaubwürdigkeit und eine verbesserte Kommunikation mit den Stakeholder-Gruppen schaffen. 75% der untersuchten Unternehmen beauftragten eine externe Prüfung, woraus sich eine Steigerung von über 10%-Punkten zum Vorjahr ergibt.

Die von den Unternehmen beauftragten Prüfungen wurden dabei zu 96% von Wirtschaftsprüfern bzw. Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und ausnahmslos zur Erlangung einer begrenzten Sicherheit durchgeführt. Einige, wenige Unternehmen haben zusätzlich ausgewählte Teile des Berichts mit einer hinreichenden Sicherheit prüfen lassen. Die überwiegende Mehrheit (94%) der Prüfer verwendete den Prüfungsstandard ISAE 3000 (Revised). Ähnlich wie im Vorjahr wurden in 68% (66% in 2018) der Fälle nur ausgewählte Berichtsteile einer Prüfung unterzogen, beim verbleibenden Rest hingegen sämtliche Berichtsteile.

Auswertung Nichtfinanzielle (Konzern-) Erklärung

Neben der Auswertung der Nachhaltigkeitsberichte wurden ebenso die nichtfinanziellen (Konzern-) Erklärungen nach CSR-RUG untersucht. Ausgehend von den Unternehmen, die bis zum Stichtag 30. Juni 2019 einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht haben, unterlagen 85 Unternehmen (92%) der Pflicht zur Abgabe einer nichtfinanziellen (Konzern-) Erklärung.

Knapp die Hälfte der Unternehmen (49%) veröffentlichte die nichtfinanzielle (Konzern-) Erklärung im Nachhaltigkeitsbericht in Form eines eigenständigen Kapitels oder vollständig integriert. 31% verorteten die nichtfinanzielle (Konzern-) Erklärung im (Konzern-) Lagebericht und weitere 16% außerhalb des (Konzern-) Lageberichts im Geschäftsbericht. Lediglich 4% der zur Abgabe einer nichtfinanziellen (Konzern-) Erklärung verpflichteten Unternehmen entschieden sich, diese als separates PDF-Dokument auf der Internetseite des Unternehmens zu veröffentlichen.

Im Vergleich zum Vorjahr wählten somit deutlich weniger Gesellschaften ein separates Dokument (-10%-Punkte), sondern bezogen die nichtfinanzielle (Konzern-) Erklärung verstärkt in ihren Nachhaltigkeitsbericht (+6%-Punkte) oder in den (Konzern-) Lagebericht (+5%-Punkte) ein. Der Einbezug der nichtfinanziellen (Konzern-) Erklärung außerhalb des (Konzern-) Lageberichts im Geschäftsbericht nahm hingegen geringfügig ab (-1%-Punkt). Obwohl noch immer ein heterogenes Bild der Verortung der nichtfinanziellen (Konzern-) Erklärung herrscht, lässt sich im zweiten Jahr der Anwendung des CSR-RUG erkennen, dass Unternehmen diese zunehmend in ihren Nachhaltigkeitsbericht oder (Konzern-) Lagebericht einbinden, anstatt diese separat zu publizieren.

Die im Gesetz festgeschriebenen fünf Belange gelten als Mindestbelange in der nichtfinanziellen (Konzern-) Erklärung. Jedoch müssen Unternehmen nicht zwingend zu jedem Belang berichten, wenn das Unternehmen begründen kann, weshalb der ausgelassene Belang für dieses Unternehmen als unwesentlich angesehen wird. Von allen in die Untersuchung einbezogenen Unternehmen, die zur Abgabe einer nichtfinanziellen (Konzern-) Erklärung verpflichtet waren, berichteten 72% über alle fünf Belange. Beim verbleibenden Rest der Unternehmen wurden hingegen ein oder mehrere Belange als nicht wesentlich eingestuft und daher nicht in die nichtfinanziellen (Konzern-) Erklärungen mit aufgenommen.

Bei 80% der untersuchten Unternehmen wurde die nichtfinanzielle (Konzern-) Erklärung durch einen externen Dienstleister geprüft. Ausgehend von den geprüften nichtfinanziellen (Konzern-) Erklärungen diente die Prüfung zu knapp 90% zur Erlangung einer begrenzten und zu 6% einer hinreichenden Sicherheit. Vereinzelt (4%) wurde die nichtfinanzielle (Konzern-) Erklärung teils mit begrenzter und teils mit hinreichender Sicherheit geprüft. Die externen Dienstleister waren zu 99% Wirtschaftsprüfer bzw. Wirtschaftsprüfungsgesellschaften.

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Fazit zur Nachhaltigkeitsberichterstattung

Aus den Ergebnissen der durchgeführten Studie lässt sich feststellen, dass das CSR-RUG die freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung zumindest bisher nicht verdrängt hat. Die nichtfinanzielle (Konzern-) Erklärung wird zunehmend im Nachhaltigkeitsbericht oder im (Konzern-) Lagebericht veröffentlicht. Zur Erhöhung der Glaubwürdigkeit der nichtfinanziellen Berichterstattung wurden diese zu 75% resp. 80% einer externen Prüfung unterzogen. Diese Prüfungen dienten zu 100% bzw. 90% der Erzielung einer begrenzten Sicherheit basierend auf dem Prüfungsstandard ISAE 3000 (Revised).

 

 

[1] Gesetz zur Stärkung der nichtfinanziellen Berichterstattung der Unternehmen in ihren Lage- und Konzernlageberichten (CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz) vom 11. April 2017, BGBI. I 2017 S. 802