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IASB veröffentlicht neuen Standard zur Leasingbilanzierung IFRS 16

12. Februar 2016

Mit Finalisierung des IFRS 16 am 13. Januar 2016 hat der IASB sein langjähriges Leasingprojekt beendet. Die neuen Vorschriften des IFRS 16 betreffen insbesondere die Bilanzierung von Nutzungsverhältnissen beim Leasingnehmer mit der Folge, dass künftig beim Leasingnehmer eine Unterscheidung - wie bisher nach IAS 17 - zwischen finance und operating lease obsolet wird.

Der neue IFRS 16 sieht folgende Veränderungen vor:

  • Der Anwendungsbereich umfasst alle identifizierten Leasingbeziehungen sowie alle Untermietverhältnisse mit einigen wenigen Ausnahmen (z. B. Nutzungsrechte gem. IAS 38, IFRS 6 oder IAS 41). Zudem bestehen folgende Wahlrechte (Erfassung als Mietaufwand analog operating lease):
     
    • Für kurzfristige Leasingverhältnisse (short-term leases), bei denen die wirtschaftliche Mindestlaufzeit weniger als 12 Monate beträgt und keine Verlängerungsoption vereinbart wurde;
       
    • für geringwertige Vermögenswerte (low-value assets) wie z.B. PCs oder Büroeinrichtungen.
       
  • Bei der Definition des Leasingverhältnisses fokussiert IFRS 16 auf Entscheidungsrechte (Nutzungsbestimmungen) des Leasingnehmers. Nach der neuen Definition handelt es sich bei einem Leasingverhältnis um einen Vertrag, der ein zeitlich befristetes Recht zur Nutzung eines Leasinggegenstands im Austausch für eine Gegenleistung gewährt. Zudem sollen Rechte nur während der Vertragslaufzeit Bedeutung erlangen.
     
  • Bei Leasingverhältnissen, die kombinierte Leistungen enthalten, wie z.B. die Vermietung eines Vermögenswertes mit gleichzeitiger Bereitstellung des Wartungsservices, sind die einzelnen Leistungskomponenten zu separieren. Grundsätzlich gilt hier: Je exklusiver der Vertrag für den Leasingnehmer ausgestaltet ist, desto eher ist auch eine Kontrolle anzunehmen. 
     
  • Mit Bereitstellung des Leasinggegenstands hat der Leasingnehmer ein Nutzungsrecht und eine Leasingverbindlichkeit zu bilanzieren. IFRS 16 gewährt die Möglichkeit einer Portfolio-Option, nach der homogene Vereinbarungen zu einem Bilanzierungsobjekt zusammengefasst werden können, unter der Voraussetzung, dass die Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb nicht wesentlich von einer separaten Erfassung abweichen. Die Höhe der Bilanzierung des Vermögenswertes entspricht im Zugangszeitpunkt grds. der zu bilanzierenden Leasingverbindlichkeit  zzgl. etwaiger Vorlauf- bzw. Rücklaufkosten. Die Leasingverbindlichkeit ist in Höhe des Barwertes der zukünftigen Leasingzahlungen zzgl. Restwertgarantien o.ä. zu erfassen. In der Folgebewertung ist der Vermögenswert planmäßig abzuschreiben und die Leasingverbindlichkeit aufzuzinsen. 
     
  • Während der Leasingnehmer künftig alle Leasingverhältnisse in seiner Bilanz auszuweisen hat, werden für den Leasinggeber die bisherigen Vorgaben des IAS 17 weitgehend unverändert fortgesetzt, d.h. der Leasinggeber hat weiterhin zwischen finance und operating lease zu unterscheiden. In der Konsequenz kann im Einzelfall eine Bilanzierung des Vermögenswerts sowohl beim Leasingnehmer als auch beim Leasinggeber auf der Aktivseite erfolgen.

IFRS 16 ist erstmalig verpflichtend für Geschäftsjahre anwendbar, die am oder nach dem 1. Januar 2019 beginnen. Eine vorzeitige Anwendung ist zulässig, sofern zeitgleich auch IFRS 15 angewendet wird. Für Anwender in der Europäischen Union ist ein vorheriges EU-Endorsement erforderlich.

Der Standard bietet die Möglichkeit zwischen einer vollen retrospektiven Anwendung nach IAS 8 sowie einer modifizierten Anwendung. Die letztgenannte Möglichkeit bietet den Vorteil, dass eine Anpassung der Vorjahreszahlen unterbleiben kann sowie Leasingverhältnisse mit einer Restnutzungsdauer von weniger als 12 Monaten nicht neu beurteilt werden müssen.

Trotz der Erleichterungsoption sollten sich Unternehmen frühzeitig mit den neuen Regelungen auseinandersetzen, da diese erheblichen Einfluss auf finanzielle Kennzahlen und Kreditbedingungen haben können.