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Aktuelles:

IDW diskutiert mögliche Auswirkungen der bevorstehenden Ablösung bestimmter Referenzzinssätze auf Abschlüsse nach HGB und IFRS zum 31.12.2018

15. Februar 2019

Mit Bezug auf Referenzzinssätze werden für eine Vielzahl von variabel verzinslichen Finanzkontrakten die variablen Zinsen festgelegt. Dabei variiert die Laufzeit in der Regel zwischen einem und zwölf Monaten.

Nicht zuletzt aufgrund der Aufdeckung von Marktmanipulationen der zwischen Banken nach bestimmten Verfahren festgelegten Referenzzinssätze, den sogenannten Interbanking Offered Rates („IBOR‘s“, z.B. EURIBOR oder EONIA) sollen diese durch neue Referenzzinssätze ersetzt werden. Die zum 1.1.2018 gültige EU-Benchmark-Verordnung sieht hierfür eine Übergangsfrist bis zum 31.12.2019 vor.

Der International Accounting Standards Board (IASB) hat ein Projekt zur IBOR-Reform und zu deren Auswirkungen auf die Finanzberichterstattung nach IFRS initiiert.[1] Die Veröffentlichung eines Standardentwurfs wird im zweiten Quartal 2019 erwartet.

Gegenwärtig bestehen noch zahlreiche Unsicherheiten in Bezug auf die konkrete Ausgestaltung der neuen Zinssätze, deren Marktakzeptanz sowie die Art und Weise, wie diese in bestehende vertragliche Vereinbarungen integriert werden.

Vor diesem Hintergrund hat das Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. (IDW) eine Arbeitsgruppe „Ablösung der IBOR-Referenzzinssätze“ gegründet, die sich mit den Rückwirkungen der IBOR-Reform auf die Bilanzierung nach HGB und IFRS beschäftigt.

Dabei spielt insbesondere die Frage, wie die Ablösung der IBOR’s rechtlich in die bestehenden Vertragswerke integriert wird, eine Rolle. Zu unterscheiden ist dabei insbesondere zwischen solchen Verträgen, die (in weiser Voraussicht) bereits eine Regelung für einen möglichen Ersatz vorsehen, und solchen, bei denen keine solche Regelung existiert. Fraglich ist dabei insbesondere die Anwendung der Regelungen zu Modifikationen gemäß IFRS 9. Außerdem stellt die Frage, wie allfällige Änderungen von Verträgen nach HGB zu behandeln sind.

Eine andere Frage stellt sich im Zusammenhang mit der Bewertung von Finanzkontakten, insbesondere von Zins- und Währungsderivaten. Hintergrund ist dabei die Tatsache, dass die Referenzzinsätze eine zentrale Bezugsgröße von Derivaten wie Zinsswaps, Caps und Floors bilden. Die genannten Derivate bilden wiederum Referenzobjekte für die Kalibrierung von Bewertungsmodellen für noch komplexere Zinsderivate. Welche Auswirkungen sich aus der Ablösung der Referenzzinssätze ergeben werden, ist aus heutiger Sicht schwer einzuschätzen. Eine Rolle spielt dabei auch, ob für die zukünftigen Referenzzins-
sätze die Art der Kreditbesicherung übernommen wird oder nicht, und in welchen Laufzeiten und für welche Strikes (Bezugsgrößen der derivativen Finanzinstrumente) sich liquide Märkte bilden werden.

In diesem Zusammenhang haben sich im IDW der Fachausschuss Unternehmensberichterstattung (FAB) und der Bankenfachausschuss (BFA) mit der Frage der unmittelbaren Auswirkungen der bevorstehenden Ablösung der Referenzzinssätze für Jahres- und Konzernabschlüsse nach HGB und IFRS zum 31.12.2018 auf die Bilanzierung von Bewertungseinheiten nach HGB und IFRS befasst.

Gemäß der gemeinsamen Berichterstattung des Fachausschusses Unternehmensberichterstattung (FAB) und des Bankenfachausschusses (BFA) zu den möglichen Auswirkungen der bevorstehenden Ablösung bestimmter Referenzzinssätze (IDW Life 2019, S. 134) sind zum 31.12.2018 keine Auswirkungen aus der IBOR-Reform auf aktuelle Bewertungseinheiten in handelsrechtlichen Abschlüssen zum 31.12.2018 zu erwarten. Auch unter IFRS ist gemäß der genannten Berichterstattung eine Fortführung der aktuell designierten Sicherungsbeziehungen – trotz des zusätzlich zu beachtenden „highly-probable-Kriteriums“ i.S.v. IAS 39 bzw. IFRS 9 – nicht zu beanstanden.

Gleichwohl ist die Frage der Auswirkungen der Ablösung der Referenzzinssätze für Abschlüsse nach dem 31.12.2018 noch nicht geklärt. Hinsichtlich IFRS ist dabei insbesondere das Ergebnis des für das zweite Quartal 2019 erwarteten Standardentwurfs abzuwarten.

 

[1] Vgl. IASB Update, Dezember 2018, IBOR Reform and its Effects on Financial Reporting (https://www.ifrs.org/news-and-events/updates/iasb-updates/december-2018/#9)