Aktuelles:

Aktivitäten des IASB/IFRS IC

04. Juli 2019

Änderungen an IFRS 9 und IAS 39 (ED/2019/1)

Mit der Streichung der Interbank Offered Rates (IBOR) als Benchmark-Zinssatz stellen sich eine Reihe von Bilanzierungsfragen insbesondere für die Abbildung von Sicherungsbeziehungen (hedge accounting) nach IFRS. Da noch unklar ist, welche neuen Benchmark-Zinssätze gelten sollen und ab welchem Zeitpunkt, entsteht eine Unsicherheit in Bezug auf die Fortführung bestehender Hedge Accounting Beziehungen.

Am 03. Mai 2019 veröffentlichte das IASB ED/2019/1 Interest Rate Benchmark Reform als Reaktion auf die bestehende Unsicherheit. Die Neuerungen werden in einem eingefügten Kapitel in IFRS 9/ IAS 39 behandelt.

Der Entwurf gewährt folgende Erleichterungen:

  • Anpassung des highly probable Kriterium bei cash flow hedges: Bei der Beurteilung der Wahrscheinlichkeit, ob eine geplante Transaktion stattfinden wird, soll angenommen werden, dass die IBOR-basierten Vertragsbedingungen durch die IBOR-Reform nicht geändert werden.
  • Prospektive Effektivitätsbeurteilung von Hedge-Beziehungen: Die Beurteilung soll unter der Annahme durchgeführt werden, dass die
    IBOR-basierten vertraglichen Cashflows aus dem Sicherungsinstrument und dem Grundgeschäft nicht verändert werden.
  • IBOR-Risikokomponenten: Bestehende Hedge-Beziehungen, die eine nicht vertraglich festgelegte IBOR-Risikokomponente absichern, sollen fortgeführt werden, sofern at inception der Sicherungsbeziehung die Risikokomponente die sog. separate identifiable Anforderung erfüllt war, auch wenn die Anforderung zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr erfüllt wird.

Die Anwendung der Erleichterungen soll prospektiv erfolgen, bis entweder keine Unsicherheit mehr über den Zeitpunkt und die Höhe der Cashflows besteht oder die Sicherungsbeziehungen beendet werden. Die Veröffentlichung des finalen Standards wird für Ende 2019 erwartet. Erstanwendungszeitpunkt ist der 01. Januar 2020.

Änderungen an IFRS 1, IFRS 9, IFRS 16 und IAS 41 (ED/2019/2)

Der IASB veröffentlichte am 21. Mai 2019 den Entwurf ED/2019/2 Annual Improvements to IFRSs 2018–2020 Cycle.

  • Änderungen an IFRS 1: IFRS 1.D16 regelt Fälle, in denen ein Tochterunternehmen zeitlich nach der Muttergesellschaft erstmals einen IFRS-Abschluss veröffentlichen will (z.B. eigene Börsennotierung). Bei einem solchen Sachverhalt kann das Tochterunternehmen unverändert die bisher in den Konzernabschluss des Mutterunternehmens eingebrachten Bilanzwerte weiterführen. Das Wahlrecht, auf die Werte des Konzernabschlusses zurückzugreifen, erstreckt sich nur auf Vermögenswerte und Schulden, nicht auf das Eigenkapital und gilt deshalb auch nicht für die (kumulierte) Währungsumrechnungsdifferenz aus Beteiligungen der Tochter an ausländischen Enkelunternehmen. Die kumulierten Umrechnungsdifferenzen des Tochterunternehmens sollen hierdurch mit in die Ausnahmeregelung des IFRS 1.D16(a) einbezogen werden.
  • Änderungen an IFRS 9: Bei der Umschuldung von Krediten oder der Modifizierung der Konditionen eines Kredits stellt sich die Frage, ob ein Abgang der alten und ein Zugang einer neuen Verbindlichkeit anzunehmen ist oder die alte Verbindlichkeit zu geänderten Bedingungen fortzuführen ist. Unterscheiden sich die Vertragsbedingungen substantiell, ist ein Abgang zu unterstellen. Geklärt werden soll, ob bei der Bemessung des 10%-Tests nur Gebühren einzubeziehen sind, die vom Unternehmen an den Gläubiger (und vice versa) gezahlt werden.
  • Änderungen an IFRS 16: Das illustrative ex-ample Nummer 13 des IFRS 16 enthält Aussagen zu Zahlungen des Leasinggebers an den Leasingnehmer zur Erstattung von Ausgaben für Mietereinbauten, die – unbegründet - aber nicht als Leasinganreiz nach IFRS 16.24(b) qualifiziert werden. Zur Vermeidung von Missverständnissen soll diese Aussage gestrichen werden.
  • Änderungen an IAS 41: Die vorgesehene Änderung des IAS 41.22 sieht eine Angleichung an die Regelungen von IFRS 13 vor. Hierzu soll das derzeit noch bestehende Erfordernis der Nichtberücksichtigung von Zahlungsströmen für Steuern nun bei der Ermittlung des beizulegenden Zeitwertes gestrichen werden.

Änderungen an IFRS 3 (ED/2019/3)

Der IASB veröffentlichte am 30. Mai 2019 einen Entwurf mit Änderungsvorschlägen für IFRS 3. Diese betreffen die Aktualisierung von IFRS 3 auf das im März 2018 überarbeitete Rahmenkonzept. Neben der Aktualisierung des Verweises soll ein ausdrückliches Verbot im Standardtext für die Erfassung von Eventualforderungen von IFRS 3 aufgenommen werden. Weiterhin wird eine Ausnahmeregelung bei den Ansatzvorgaben in IFRS 3 eingeführt. Für separate erfasste Verbindlichkeiten und Eventualverbindlichkeiten im scope von IAS 37 und IFRIC 21 sind vom Erwerber für die Identifizierung einer Verpflichtung die Vorgaben von IAS 37 und IFRIC 21 (nicht des Framework) anzuwenden.

Änderungen an IFRS 17 (ED/2019/4)

Der IASB veröffentlichte einen Entwurf mit Änderungen an IFRS 17. Darin wird die Verschiebung des Inkrafttretens von IFRS 17 auf Geschäftsjahre, die am oder nach dem 01. Januar 2022 beginnen, vorgeschlagen. Kreditkartenverträge, die Versicherungsschutz bieten, sollen von der Anwendung von IFRS 17 ausgenommen und für die Anwendung auf Darlehensverträge, die ein erhebliches Versicherungsrisiko übertragen, soll ein Wahlrecht eingeführt werden.

Des Weiteren soll es Änderungen im Bereich der Versicherungsakquise im Zusammenhang mit erwarteten Vertragsverlängerungen in Bezug auf die Zuweisung, den Ansatz, die Einbringlichkeit und die Cashflows und Änderungen bei der Zuweisung der vertraglichen Dienstleistungsmarge auf Grundlage von Deckungseinheiten, die den Versicherungsschutz und die Investmentrenditeleistung berücksichtigen, geben.

Die Option zur Risikominderung auf gehaltene Rückversicherungsverträge soll erweitert werden und soweit beim erstmaligen Ansatz Verluste aus belasteten Versicherungsverträgen ausgewiesen wurden, müssen künftig auch Gewinne aus gehaltenen Rückversicherungsverträgen erfasst werden. Daneben soll die Darstellung der finanziellen Lage bei Versicherungsverträgen (Ausweis auf Basis von Portfolios statt Gruppen) vereinfacht und Übergangserleichterungen bei Unternehmenszusammenschlüssen eingeführt werden.

Äußerungen es FASB-Vorsitzenden über die Zusammenarbeit mit dem IASB

Während der Finanzberichterstattungskonferenz des Baruch College in New York äußerte sich der FASB-Vorsitzende Russel Golden zur Zusammenarbeit mit dem IASB.

Golden hob die Herausforderungen der Entwicklung international vergleichbarer Rechnungslegungsstandards aufgrund unterschiedlicher Rechtssysteme hervor und lobte die erfolgreiche Umsetzung vieler FASB-IASB-Projekte. Er erklärte, dass es aufgrund nationaler Unterschiede jedoch nicht immer möglich sei eine bilaterale Konvergenz zu erreichen. Golden versicherte, dass der FASB künftig weiterhin eng mit dem IASB zusammenarbeiten werde.

Entscheidungen des IFRS IC in Q2 2019

Norm

Kurzbeschreibung

Monat

Krypto-
währungen

Kryptowährungen erfüllen die Definition eines immateriellen Vermögenswertes nach IAS 38, da sie vom Inhaber getrennt und einzeln verkauft oder übertragen werden können. IAS 2 gilt für Kryptowährungen, wenn sie im Rahmen der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit zur Veräußerung gehalten werden.

Juni

IFRS 15

Bei Baukosten, die sich auf eine teilweise erfüllte Leistungspflicht im Vertrag beziehen, handelt es sich um Kosten, die sich auf die bisherige Leistung des Unternehmens beziehen. Diese Kosten erzeugen oder verbessern daher keine Ressourcen des Unternehmens, die zur weiteren Erfüllung der Leistungsverpflichtung in der Zukunft verwendet werden (IFRS 15.95b)).

Juni

IFRS 16

Im Falle einer langjährigen Vereinbarung eines Grundstückseigentümers mit einem Vertragspartner, bei dem diesem die Möglichkeit gewährt wird, eine Ölpipeline in einen unterirdischen Bereich zu verlegen (subsurface right) und dieser über die gesamte Vertragsperiode alle Entscheidungen über die Nutzung des spezifizierten unterirdischen Raumes Raums trifft (IFRS 16.B24b)i)), stellt ein Leasingverhältnis dar; auch wenn der Eigentümer sich das Recht vorbehält, die Fläche oberhalb der Pipeline zu nutzen.

Juni

IAS 19

Ein beitragsorientierter Plan kann auch dann existieren, wenn auf den Beitrag, den ein Unternehmen zu leisten hat, das Verhältnis von Planvermögen und Planverbindlichkeiten einen bestimmten Wert übersteigt und folglich ein potenzieller Abschlag vorliegt.

Juni