Wir verwenden Cookies auf unserer Webseite, um Ihren Besuch effizienter zu machen und Ihnen eine möglichst angenehme Nutzung bieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Dafür setzen wir Google Analytics ein. Weitere Informationen finden Sie in unserer DATENSCHUTZERKLÄRUNG.
Aktuelles:

Blickpunkt: Automatisierte Auswertung von IFRS-Konzernabschlüssen

21. Oktober 2019

Hintergrund

Durch die am 18.06.2019 in Kraft getretene „ESEF-Verordnung“ (ESEF-VO) werden in der EU ansässige kapitalmarktorientierte Unternehmen verpflichtet, ihre Jahresfinanzberichte für Geschäftsjahre ab dem 01.01.2020 in einem einheitlichen elektronischen Berichtsformat, dem sog. European Single Electronic Format (ESEF) zu publizieren. Konkret sind die IFRS-Konzernabschlüsse dieser Unternehmen in der sog. „eXtensible Hypertext Markup Language“ (XHTML) zu veröffentlichen und zudem mit Etiketten der Berichtssprache „eXtensible Business Reporting Language“ (iXBRL) zu versehen.

Digitalisierung der Auswertung

Die Berichtssprache iXBRL erlaubt es, Abschluss-informationen standardisiert darzustellen und aufzubereiten, sodass Inhalte der Finanzberichterstattung automatisiert übermittelt und verarbeitet werden können. Dies wird durch eindeutig definierte Taxonomien ermöglicht, die detailliert vorgeben, welche Informationen ein Unternehmen in welchem Detaillierungsgrad und in welcher Struktur bereitzustellen hat.

Technisch betrachtet hat sich die ESMA somit für ein Datenformat entschieden, in dem Finanzinformationen durch integrierte Etiketten so markiert werden können, dass diese maschinell lesbar sind. Basis für die einheitliche Etikettierung der Finanzinformationen ist die von der ESMA veröffentlichte Taxonomie, die auf die vom IASB entwickelte IFRS-Taxonomie zurückzuführen ist. Durch die ESEF-VO wird somit der Weg für eine automatisierte Auswertung von IFRS-Konzernabschlüssen geebnet.

Wandel der (Prüfungs-)Analyse?

Fraglich erscheint aber, inwiefern eine automatisierte Auswertung eines IFRS-Konzernabschlusses mit seinen zahlreichen verbalen Angaben überhaupt möglich ist und automatisierte Analysemethoden in der Lage sind, menschliches Erfahrungswissen letztlich zu verdrängen.

Gegen die Digitalisierung kann angebracht werden, dass anhand von Algorithmen und Big Data Analytics lediglich statistische Erkenntnisse und Korrelationen ermittelt werden, die zudem mit Blick auf die angewendeten Analyseverfahren und zugrundeliegenden Annahmen (wieder) kritisch zu hinterfragen wären. Der sich somit ableitende Erkenntnisgewinn könnte somit als (mehr oder weniger) begrenzt angesehen werden.

Durch eine automatisierte Auswertung lassen sich also (lediglich) formale Zusammenhänge herleiten. Für die Ableitung möglicher Kausalitäten hingegen ist ein sachlogischer Hintergrund und somit menschliches Erfahrungswissen notwendig. Eine vergleichbar starke künstliche Intelligenz liegt bisher jedoch nur als Idee vor. Daher scheint es zunächst, als könne die automatisierte Auswertung von IFRS-Konzernabschlüssen nur begrenzt valide Erkenntnisse liefern.

Doch mit Blick auf das Problem des Information Overload, dem die Abschlussadressaten bei kontinuierlicher Zunahme des Umfangs der Finanzberichte entgegenstehen, kann eine automatisierte Auswertbarkeit Hilfestellung leisten, indem mehrere Daten auf aggregierte Aussagen verdichtet werden. Der Einsatz von digitaler Technologie ist dann kein Ersatz, sondern vielmehr eine Ergänzung für menschliches Erfahrungswissen. Als zusätzliches Werkzeug ermöglicht dieser dann eine effiziente Auswertung von Finanzdaten, deren Analyse weiterhin dem Menschen obliegt.

Neben der Einführung eines einheitlichen digitalen Berichtsformats und der somit beabsichtigten Steigerung von Transparenz und Vergleichbarkeit beseitigt die ESEF-VO mit dem verpflichtenden Mapping (Verlinkung von Abschlusspositionen zu den entsprechenden Positionen der IFRS-Taxonomie) zudem aktuell aus 24 Amtssprachen innerhalb der EU bestehende Sprachbarrieren. Dies kommt einer automatisierten Auswertung insofern zugute, als dass benötigte Informationen dann einfach über die Auswahl entsprechender Feldinhalte gewonnen werden können.

(Kritische) Würdigung

Insgesamt hat die ESEF-VO das Potenzial, die Finanzkommunikation kapitalmarktorientierter Unternehmen grundlegend zu verändern und dabei eine automatisierte Auswertung von IFRS-Konzernabschlüssen zu ermöglichen.

Um den Nutzen des einheitlichen elektronischen Berichtsformats zu gewährleisten, kommt der Verpflichtung auf eine konsistente und stets aktuelle IFRS-Taxonomie eine besondere Bedeutung zu. Für die inhaltlich korrekte und stetige Nutzung der IFRS-Taxonomie ist daher ein Mindestmaß an Sicherheit erforderlich, die durch den Abschlussprüfer gewährleistet werden könnte.

Dazu wird durch die ESEF-VO die Problematik des Information Overload abgeschwächt. Durch die Digitalisierung der Abschlüsse wird eine Massendatenverarbeitung und -analyse ermöglicht, von denen Abschlussadressaten profitieren können.

Kritisch anzumerken ist jedoch, dass weite Teile des Anhangs von der Etikettierungspflicht mit iXBRL ausgenommen sind. Die Möglichkeiten einer automatisierten Auswertung des IFRS-Konzernabschlusses sind somit begrenzt.