• EU-Reform der Abschlussprüfung

Mit der Verabschiedung des Abschlussprüfungsreformgesetzes (AReG)1 und des Abschlussprüferaufsichtsreformgesetzes (APAReG)2  hat der deutsche Gesetzgeber den  rechtlichen Rahmen für die Umsetzung der EU-Reform der Abschlussprüfung in Deutschland geschaffen. Zusätzlich zu den durch AReG und APAReG geänderten deutschen Gesetzen gilt die EU-Verordnung (EU-VO) über spezifische Anforderungen an die Abschlussprüfung bei Unternehmen von öffentlichem Interesse3 ab dem 17. Juni 2016 unmittelbar. Die meisten der Neuerungen betreffen Geschäftsjahre, die am oder nach dem 17. Juni 2016 beginnen. Die Umsetzung durch Unternehmen und Abschlussprüfer muss nun spätestens bis zu diesem Zeitpunkt abgeschlossen sein.

Wer ist betroffen?

Betroffen sind alle Unternehmen von öffentlichem Interesse4 (sog. public interest entities oder kurz PIE). Das sind:

  • Wie bisher: Kapitalmarktorientierte Unternehmen5
  • Neu: CRR-Kreditinstitute und Versicherungen6

Durch die Neuregelung sind auch nicht kapitalmarktorientierte Kreditinstitute und Versicherungen Unternehmen von öffentlichem Interesse. Ausnahmen bestehen für Sparkassen und Genossenschaften.

Was bedeutet das für die betroffenen unternehmen?
  • Beachtung externer und interner Rotationsvorschriften
  • Erhöhte Anforderungen an die Unabhängigkeit und Auswahl des Abschlussprüfers
  • Einschränkungen bei der Beauftragung des Abschlussprüfers mit Nichtprüfungsleistungen
  • Besondere Anforderungen an Aufsichtsrat und Prüfungsausschuss
  • Besondere Berichterstattung zur Abschlussprüfung im Bestätigungsvermerk

Unternehmen von öffentlichem Interesse müssen aufgrund der EU-Reform nicht nur die nationalen Vorschriften zur Abschlussprüfung (insbesondere das HGB) beachten, sondern auch unmittelbar die neue EU-Verordnung. Da die Mitgliedstaatenwahlrechte in jedem Mitgliedstaat  unterschiedlich umgesetzt werden, entsteht bei Landesgrenzen überschreitenden  Konzernbeziehungen ein komplexes Regelwerk, das zu beachten ist.

Welcher handlungsbedarf besteht?

Die Gesetzesänderungen sowie den jeweiligen Handlungsbedarf finden Sie nachstehend im Überblick.

 

 


1 Gesetz zur Umsetzung der prüfungsbezogenen Regelungen der Richtlinie 2014/56/EU sowie zur Ausführung der entsprechenden Vorgaben der Verordnung (EU) Nr. 537/2014 im Hinblick auf die Abschlussprüfung bei Unternehmen von öffentlichem Interesse (Abschlussprüfungsreformgesetz - AReG), BGBl. I 2016, S. 1142 ff.

2 Gesetz zur Umsetzung der aufsichts- und berufsrechtlichen Regelungen der Richtlinie 2014/56/EU sowie zur Ausführung der entsprechenden Vorgaben der Verordnung (EU) Nr. 537/2014 im Hinblick auf die Abschlussprüfung bei Unternehmen von öffentlichem Interesse (Abschlussprüferaufsichtsreformgesetz - APAReG), BGBl. I 2016, S. 518 ff.

3 Verordnung (EU) Nr. 537/2014 vom 16. April 2014 über spezifische Anforderungen an die
Abschlussprüfung bei Unternehmen von öffentlichem Interesse und zur Aufhebung des
Beschlusses 2005/909/EG der Kommission, ABl.EU Nr. L 158 vom 27.5.2014, S. 77 ff. - im
Folgenden kurz: EU-Verordnung oder EU-VO.

4 Vgl. § 319 a Abs.1 HGB i. d. F. des AReG.

5 Vgl. § 264 d HGB.

6 CRR-Kreditinstitute i.S.d. § 1 Abs. 3d Satz 1 KWG mit Ausnahme der in § 2 Abs. 1 Nr. 1
und 2 KWG genannten Institute und Versicherungsunternehmen i.S.d. Art. 2 Abs. 1 der Richtlinie 91/674/EWG